Zusammenhang zwischen Wetterfühligkeit und Kopfschmerzen

Bislang gibt es keinen wirklichen medizinischen Beweis, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen Wetter, Wetterfühligkeit und Kopfschmerzen gibt. © Triff / shutterstock.com

Bislang gibt es keinen wirklichen medizinischen Beweis, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen Wetter, Wetterfühligkeit und Kopfschmerzen gibt. © Triff / shutterstock.com

Jeder zweite Betroffene glaubt, dass Kopfschmerzen oder Kopfweh und Wetterfühligkeit zusammenhängen. Jedoch gab es bislang dafür keinen kausalen Nachweis.

Mehr als die Hälfte der Patienten mit Kopfschmerzen bringen ihr Kopfweh mit einer ganz speziellen Wetterfühligkeit – auch Meteoropathie genannt – in Zusammenhang. Ob dies stimmt, ist allerdings höchst fraglich. Moderne Methoden zur Vorhersage von Wetter – dem Biowetter – beziehen sich auf eine derartige Vermutung. Für eine diesbezügliche Wettervorhersage werden unterschiedliche meteorologische Faktoren in ein Schema zusammengefügt und damit Wetterlagen klassifiziert, die in Zusammenhang mit unterschiedlichen Beschwerden gebracht werden.

 

Wetterfühligkeit, Biowetter und Kopfschmerzen

Um im Zusammenhang mit der Wetterfühligkeit zu überprüfen, ob ein solches kategorisches Schema für die Vorhersage von Kopfschmerzen tatsächlich geeignet ist, wurden in verschiedenen Studien Kopfweh-Patienten mit Migräne und Spannungskopfschmerz in eine sekundär-analytische Untersuchung einbezogen.

In einer deutschen Studie zur Wetterfühligkeit vor mehreren Jahren wurden die von Patienten während des Untersuchungszeitraumes täglich gemachten Angaben hinsichtlich Auftreten, Intensität und Dauer der Kopfschmerzen mit den Daten des Wetterdienstes verglichen. Es zeigte sich zwar ein gewisser Einfluss des Wetters auf Kopfschmerzen.

Diese Meteoropathie war aber relativ gering und nur für das Sommerhalbjahr gültig. Nur in 3 von 13 vor definierten Risikowetterklassen ergaben sich entsprechende Übereinstimmungen der Vorhersage – überstrahlte Hochdrucklage/Föhn – mit einem erhöhten Auftreten von Kopfschmerzen.

Das heisst somit, dass im Grunde genommen Betroffene den Einfluss des Wetters als Kopfschmerzverursacher offenbar deutlich überschätzen.

Deswegen sollte die Forschung in zukünftigen Untersuchen die Diskrepanz zwischen Attributsneigung und tatsächlichem Einfluss das Wetters stärker fokussieren.

 

Wetterfühligkeit – Meteoropathie oder Meteorotropismus

Die Wetterfühligkeit oder die Meteoropathie oder Meteorotropismus soll eine Überempfindlichkeit gegenüber Wetter-Erscheinungen bezeichnen. Dabei besteht eine erhöhte Ansprechbarkeit beziehungsweise erniedrigte Reizschwelle des vegetativen Nervensystems.

Dabei wirken sich Witterungserscheinungen wie Luftdruckschwankungen, Föhn, Hitzewellen, wechselnde Luftfeuchtigkeit, drückende Luft oder Gewitter auf Allgemeinbefinden, Stimmung und Leistungsfähigkeit aus und können Kopfschmerzen verursachen.

Bei diesem weitgehend noch unerforschten medizinischen Phänomen der Meteorotropie vermuten Experten als Ursachen Schwankungen des Luftdrucks und so genannte Atmospherics.

Jedenfalls gibt es bis heute keine medizinischen Studien, die einen kausalen Zusammenhang zwischen Wetter und Wohlbefinden nachweisen.

Nur ein statistischer Zusammenhang von bestimmten Veränderungen im Wohlbefinden, die bei Wetterveränderungen häufiger auftreten, konnten beobachtet werden. Oft wird von Betroffenen das Auftreten von unspezifischen Symptomen – vermutlich fälschlicherweise – als Wetterfühligkeit interpretiert.

 

Kopfschmerzen durch ein reversibles zerebrales Vasokonstriktionssyndrom (RCVS, auch Call-Fleming-Syndrom) ausgelöst durch den Taifun Hagibis

Vermutlich wird zu selten ein reversible zerebrale Vasokonstriktionssyndrom (RCVS) diagnostiziert, das als häufige Ursache des Donnerschlagkopfschmerzes gilt. Typischerweise kommt es dabei innerhalb von weniger als 1 Minute zu einem extrem starken Kopfschmerz.

Im Jahr 2019 konnte man während des Taifuns Hagibis zwei Patienten mit reversiblem zerebralen Vasokonstriktionssyndrom und starkem Donnerkopfschmerz dokumentieren. Die Daten zeigten, dass extreme atmosphärische Druckschwankungen eine neuronale Aktivität im Trigeminuskern caudalis und eine sympathische Aktivierung herbeiführt. Die Patienten entwickelten ihre Kopfschmerzen, als der atmosphärische Druck schnell abfiel.

 

Wetterfühligkeit, Kopfweh und Adipositas

Forscher konnten in einer aktuellen Studie feststellen, das Patienten mit Adipositas und Kopfschmerzen vom Spannungstyp bei heißem Wetter mehr Kopfschmerzen haben als bei kaltem Wetter. Hingegen zeigte sich bei normalgewichtigen Patienten mit Migräne und Kopfschmerzen vom Spannungstyp kein dementsprechender Zusammenhang.

Das Erkennen der Faktoren, die Kopfschmerzen auslösen, kann dabei helfen, die Häufigkeit von Kopfschmerzen zu senken.


Literatur:

Tanik N, Saçmaci H, Aktürk T. The relationship between exposure to hot/cold weather and the clinical features of headaches in patients with migraine and tension-type headaches. Neurol Res. 2020 Mar; 42(3):239–243. doi:10.1080/01616412.2020.1723300

Kato Y, Fujita S, Osada T, Takahashi S, Takao M. Reversible Cerebral Vasoconstriction Syndrome Triggered by Typhoon Hagibis in 2019: Report of 2 Cases. Headache. 2020;60(4):781‐786. doi:10.1111/head.13775

Prince PB, Rapoport AM, Sheftell FD, Tepper SJ, Bigal ME. The effect of weather on headache. Headache. Headache. 2004 Jun;44(6):596-602.

Jan Hoffmann, Tonio Schirra, Hendra Lo, Lars Neeb, Uwe Reuter, Peter Martus. The influence of weather on migraine – are migraine attacks predictable? Ann Clin Transl Neurol. 2015 Jan; 2(1): 22–28. Published online 2014 Dec 16. doi: 10.1002/acn3.139


Quelle: Biowetter, Wetterfühligkeit, Kopfweh beziehungsweise Kopfschmerzen. MEDMIX 2/2005

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