Halswirbelsäulensyndrom, Zervikalsyndrom, HWS-Syndrom: Halswirbelsäule

So wie die Ursachen der Beschwerden mannigfaltig sind, ist auch die Therapie bei Halswirbelsäulensyndrom (Zervicalsyndrom, HWS-Syndrom) )vielfältiger Natur. © CLIPAREA l Custom media / shutterstock.com

So wie die Ursachen der Beschwerden mannigfaltig sind, ist auch die Therapie bei Halswirbelsäulensyndrom (Zervicalsyndrom, HWS-Syndrom) )vielfältiger Natur. © CLIPAREA l Custom media / shutterstock.com

Halswirbelsäulensyndrom (Zervikalsyndrom, HWS-Syndrom): Schmerzen des Bewegungsapparates, Kopfschmerzen, Schwindel, Seh- und Hörstörungen, Halsbeschwerden.

Bekanntlich treten beim Menschen am häufigsten dann Schmerzen auf, wenn der Stütz- und Bewegungsapparat gestört ist. Das gilt ganz besonders für die Wirbelsäule als häufigste Schmerzursache überhaupt. Betroffene Personen müssen dann sehr oft zum Arzt. Außerdem verursachen die Beschwerden häufig auch, dass der Patient in den Krankenstand muss. Oder dass ein Spitalsaufenthalt notwendig wird. Wobei die Halswirbelsäule (= HWS) der beweglichste, aber auch störanfälligste Teil der Wirbelsäule ist, hier kann dann das Zervikalsyndrom oder Halswirbelsäulensyndrom (abgekürzt HWS-Syndrom) auftreten. Das ist ein ungenauer Sammelbegriff, der lediglich den erkrankten Abschnitt der Wirbelsäule bezeichnet. In dem Falle ist das also die Halswirbelsäule. Der Begriff sagt aber nichts über Art und Weise der Beschwerden aus.

 

Welche Strukturen beim Zervikalsyndrom oder Halswirbelsäulensyndrom (HWS-Syndrom) gestört sind

Die Bezeichnungen Zervikalsyndrom oder Halswirbelsäulensyndrom sind daher als endgültige Diagnose nicht geeignet. Hier muss der Arzt mit einer geeigneten Untersuchungstechnik die Schmerzursache exakt diagnostizieren. Denn eine Reihe von Strukturen können für die Schmerzen verantwortlich sein. Dazu zählen die Bandscheiben, die kleinen Wirbelgelenke sowie die Nacken- und Schultergürtelmuskulatur. Allerdings können auch Fehlhaltungen der Halswirbelsäule solche Beschwerden auslösen.

In der Praxis hat es sich bewährt, das man das Halswirbelsäulensyndrom in „oberes“ und „unteres“ einteilt. Denn das hilft den Arzt dabei, die vom Patienten geschilderten Beschwerden richtig abzuschätzen. Und zwar ob eher der obere oder der untere Teil der Halswirbelsäule betroffen ist.

 

Fehlhaltungen als Grundübel

Fehlhaltungen sind Ausdruck des mangelhaften Zusammenspiels der Muskulatur. Sie sind die häufigsten Ursachen für Beschwerden durch die Wirbelsäule. Gerade einseitige Belastungen am Arbeitsplatz und die generell abnehmende sportliche Aktivität bewirken eine Über- und Fehlbelastung der Halswirbelsäule. Als Gegenmaßnahme muss man deshalb bei einem Zervikalsyndrom an erster Stelle entsprechende Übungen für die Wirbelsäule durchführen. Das kann schließlich weitere Beschwerden der Wirbelsäule verhindern und bestehende Schmerzen lindern.

Für das richtige Durchführen der Übungen stehen diverse Broschüren mit Abbildungen zu Verfügung. Generell ist darauf hinzuweisen, dass Übungen erst dann wirksam werden, wenn sie täglich mindestens 5 bis 10 Minuten lang durchgeführt werden. Nur durch konsequentes Trainieren können bestehende Fehlhaltungen korrigiert werden.

Besonders wichtig wäre der vorbeugende Einsatz von regelmäßiger Heilgymnastik, um eine Wirbelsäulenerkrankung zu vermeiden.

 

Zervikalsyndrom-Behandlung je nach Ursache

Wenn der Arzt die Behandlung festlegt, dann richtet sich er konkret nach der Ursache der Beschwerden. So behandelt man beispielsweise Muskelverspannungen mit geeigneten Weichteiltechniken. Dazu gehören Massagen oder das selbstständige Dehnen der Muskeln. Hingegen muss man bei einer Bewegungseinschränkung in einer Region der Halswirbelsäule diesen Teil mobilisieren, um die Bewegung zu verbessern.

Allgemein gilt, dass eine geeignete Physiotherapie den Patienten dabei helfen kann, dass sie Alltag wieder besser meistern können. Sie verbessert weiter die Lebensqualität zu verbessern und hilft, dass man nicht in den Krankenstand gehen muss.

 

Generell ist darauf hinzuweisen, dass man eigene Übungen  Beim Halswirbelsäulensyndrom (HWS-Syndrom, Zervikalsyndrom) täglich mindestens 5 bis 10 Minuten lang durchführen muss. Erst dann helfen sie.

 

Nicht nur die Ursachen für die Beschwerden sind mannigfaltig. Auch die Behandlung des Zervikalsyndroms ist vielfältig. Im Grunde genommen versucht man bei akuten Beschwerden durch einen Reizabbau zuerst die Schmerzen zu lindern. Bei chronischen Beschwerden kann man hingegen durch die Reizintensivierung eine Besserung erzielen.

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Besonders in der Nacht, wenn die Bewegungen des Kopfes nicht kontrolliert werden, bietet die Halskrause große Vorteile. © wavebreakmedia / shutterstock.com

 

Akute Beschwerden

Im akuten Stadium hat sich in vielen Fällen eine vorübergehende Ruhigstellung mittels Schanzkrawatte bewährt. Besonders in der Nacht, wenn man die Bewegungen des Kopfes nicht kontrollieren kann, bringt eine Halskrause meist große Vorteile.

Neben der Ruhigstellung ist auch die lokale Anwendung von Kälte mit Eisbeuteln oder Kältepackungen sehr wichtig. Hingegen sollte man Wärmeanwendungen nur bei chronischen Beschwerden einsetzen.

In den meisten Fällen reicht es bei akuten Beschwerden nicht aus, dass man ohne Medikamente auskommt. Hier können beispielsweise Schmerzmittel wie Antirheumatika die Schmerzen lindern und gegen Entzündungen wirken. Man kann die Schmerzmittel beispielsweise als Tabletten einnehmen. Manchmal empfiehlt der Arzt aber auch eine Infusion. Bei der Infusion kommen auch hoch dosierte Vitaminkomplexe zur Anwendung. Auch die Infiltration der schmerzhaftesten Punkte mit einem Lokalanästhetikum ist äußerst effizient.

 

Chronische Beschwerden

Bei chronischen Beschwerden versucht man über eine Reizsetzung, die Schmerzbahnen zu beeinflussen. Hierzu eignen sich auch sämtliche Formen von Wärmeanwendung. Und zwar gibt es die in Form von Wärmepackungen, Bädern oder auch als Elektrotherapie. Verschiedene Weichteiltechniken, wie die klassische Massage und die Heilgymnastik, wirken ebenfalls über das Prinzip der Reizeinwirkung.

Die Behandlung mit Medikamenten sowie die Infiltrationstherapie mit Lokalanästhetika sollte jedenfalls allmählich in den Hintergrund treten. Alternativ-medizinische Methoden wie Akupunktur und Physiotherapie können die Therapie zudem hervorragend unterstützen.

 

Oberes Zervikalsyndrom: Schwindel und Kopfschmerzen

Beim oberen Halswirbelsäulensyndrom klagen die Patienten über Kopfschmerzen, Schwindel sowie Seh- und Hörstörungen. Gelegentlich kann auch ein Würge- oder Druckgefühl im Hals auftreten. Die Kopfschmerzen treten typischerweise im Bereich des Nackens auf und strahlen in den hinteren Kopf aus.

Ein oberes Halswirbelsäulensyndrom verursacht aber häufig auch Schmerzen im Bereich der Stirne oder Augenhöhlen. Hierzu zählt auch der oft von Schulkindern beschriebene Kopfschmerz im Stirnbereich. Dieser kommt dadurch zustande, dass Schulkinder häufig über längere Zeit mit nach vorne gebeugtem Kopf arbeiten. Sie machen mit nach vorne gebeugter Halswirbelsäule ihre Rechen- und Schreibaufgaben.

Durch die Fehlstellung und Belastung der Halswirbelsäule entsteht ein Spannungskopfschmerz. Der kann aber bei Veränderung der Kopfhaltung meist rasch wieder verschwinden. Leider wird nur in den wenigsten Fällen bei diesen Kopfschmerzen an die Halswirbelsäule als Verursacher gedacht.

Laut Studien haben 50% aller Kopfschmerzen und 40% der Schwindel-Erscheinungen ihre Ursache in Funktionsstörungen der oberen Halswirbelsäule. Da die vorher geschilderten Symptome unspezifisch sind, müssen der Arzt auf jeden Fall andere Entstehungsursachen ausschließen.

 

Unteres Halswirbelsäulensyndrom: Schmerzen in Schultern, Ellenbogen bis in die Hand als Symptome

Beim unteren Halswirbelsäulensyndrom leiden die Betroffenen an Schmerzen, die vom Nacken ausgehen. Dabei sind sie meistens einseitig. Manchmal treten sie aber auch beidseitig auf. Die Zervicalsyndrom-Schmerzen können dann in die Schulter, in den Ellenbogen und sogar bis in die Hand ausstrahlen.

Im Grunde genommen können die Schmerzen im gesamten Verlauf der Arme oder nur in einem Teilgebiet auftreten. Häufig geben die Patienten Gefühlsstörungen an. Das sind dann eingeschlafene Hände, Kribbeln oder Ameisenlaufen im Handbereich. Diese Beschwerden werden vor allem beim Aufwachen in der Nacht geschildert.

Beim Vorliegen solcher Beschwerden sollte man immer auch an die unter Halswirbelsäule als Auslöser denken. Allerdings müssen natürlich auch hier mögliche andere Ursachen ausgeschlossen werden. Denn Erkrankungen im Bereich der Schultergelenke, der Ellenbogen oder das Karpaltunnelsyndrom können auch solche Beschwerden hervorrufen.

 

Exakte Diagnostik

Zuerst befragt der Arzt den Patienten genau über die Art und die Dauer der Beschwerden. Dann muss er sich das HWS-Syndrom aber auch einmal anschauen. Damit kann er die Form des Halses, die Haltung des Kopfes sowie die Form der Schultersilhouette beurteilen. Die aufrechte Kopf- und Halsposition gilt häufig als Basis für die Diagnose der Beschwerden. Eine aktuelle Studie zeigte, dass bei gesunden Erwachsenen die Halswirbelsäule nach Bewegungen in die aufrechten Positionen zurückkehrt.

Der Patient soll dann einfache Bewegungen wie Vor- und Rückneigen des Kopfes, Seitneigen und Drehbewegungen machen. Je nach Einschränkung des Bewegungsumfanges oder der Schmerzangabe kann man dann mit passivem Testen der Beweglichkeit weitere Unterscheidungen vornehmen. Da die Nackenmuskulatur ein häufiger Störfaktor ist, müssen die wichtigsten Muskeln durch Provokationstests überprüft werden.

Wenn die Schmerzen in den Arm ausstrahlen, dann ist auch eine grobneurologische Untersuchung notwendig. Damit kann man einen motorischen oder sensiblen Ausfall aufdecken. Je nach erhobenem Befund kann man dann jedes einzelne Segment im Bereich der Halswirbelsäule testen. Und zwar ob eine zu geringe oder eine vermehrte Beweglichkeit vorliegt.

Zudem helfen Röntgen der Halswirbelsäule dabei, eine besseren Strukturanalyse zu machen, allerdings sollte die Diagnose Zervikalsyndrom (HWS-Syndrom) durch die exakte Untersuchung der Halswirbelsäule erfolgen, und nicht nur anhand des Röntgenbildes.

Wenn wirklich neurologische Ausfälle bestehen, dann können weiterführende Untersuchungen wie die Kernspintomographie oder Nervenleitgeschwindigkeit notwendig werden. Hinzu kommen ergänzende Laboruntersuchungen. Denn die können entzündliche Zustände oder Erkrankungen des Knochenstoffwechsels als Ursache für das Halswirbelsäulensyndrom aufdecken.


Anmerkung der Redaktion

Vorklinische Versorgung von verletzten Athleten mit Verdacht auf eine schwere Verletzung der Halswirbelsäule

Unter dem Strich gehört Sport zu den Hauptursachen für schwere Verletzungen der Halswirbelsäule. Und zwar bei einer strukturellen Verzerrung der Halswirbelsäule, die auch mit einer tatsächlichen oder potenziellen Schädigung des Rückenmarks verbunden sein kann.

Fast ein Viertel der Verletzungen der Halswirbelsäule bei Kindern unter 15 Jahren sind sportbedingt. Eine angemessene vorklinische Versorgung von Sportlern mit Verdacht auf Verletzungen der Halswirbelsäule kann die Auswirkungen bei schweren Verletzungen auf die Gesundheit, die Finanzen und die Lebensqualität verletzter Sportler und ihrer Familien abmildern. US-Experten haben dazu nun eine Konsensuspapier verfasst, dass alle Fragestellungen zu Halswirbelsäulensyndrom, Zervikalsyndrom, HWS-Syndrom, und möglichen Behandlungen bestmöglichst abdecken soll.

 

Nach einer Halswirbelsäulenchirurgie wieder Golf, Tennis und Schwimmen betreiben

Nach einer Operation wegen degenerativer Probleme der Halswirbelsäule hoffen die meisten Patienten, dass sie ihren Sport und andere Freizeitaktivitäten wieder beschwerdefrei ausüben können. In einer rezenten Untersuchung gelang das der Mehrheit der Hobbysportler bei Golf, Tennis und Schwimmen nach der Halswirbelsäulen-OP. Speziell die Hobbygolfer hatten ein ähnliches wenn nicht sogar besseres Niveau im Vergleich zum Level vor der Operation.


Literatur:

Richards A, Pines A, Rubel NC, Mauler D, Farnsworth J, Zhang N, Patel NP, Lyons M, Neal M. Return to Golf, Tennis, and Swimming After Elective Cervical Spine Surgery. Cureus. 2020 Aug 24;12(8):e9993. doi: 10.7759/cureus.9993. PMID: 32983692; PMCID: PMC7511073.

Mills BM, Conrick KM, Anderson S, et al. Consensus Recommendations on the Prehospital Care of the Injured Athlete With a Suspected Catastrophic Cervical Spine Injury. Clin J Sport Med. 2020;30(4):296-304. doi:10.1097/JSM.0000000000000869

Xu Wang, René Lindstroem, Niels Peter Bak Carstens, Thomas Graven-Nielsen. Cervical spine reposition errors after cervical flexion and extension. BMC Musculoskelet Disord. 2017; 18: 102.
Published online 2017 Mar 13. doi: 10.1186/s12891-017-1454-z

Schuh A, Füssel S, Unterpaintner I, Janka M.  Verspannt — gestresst — oder doch etwas Ernstes? Das HWS-Syndrom. MMW Fortschr Med. 2016 Apr 21;158 Spec No 1:52-59. doi: 10.1007/s15006-016-7647-9.

Throckmorton TQ, Kraemer P, Kuhn JE, Sasso RC. Differentiating cervical spine and shoulder pathology: common disorders and key points of evaluation and treatment. Instr Course Lect. 2014;63:401-8.

Mersija Kasumovic, Emir Gorcevic, Semir Gorcevic, Jasna Osmanovic. Cervical Syndrome – the Effectiveness of Physical Therapy Interventions. Med Arch. 2013 Dec; 67(6): 414–417. Published online 2013 Dec 28. doi: 10.5455/medarh.2013.67.414-417

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