Die Zellschützende Wirkung des Hustenlösers Acetylcystein

Der bekannte Hustenlöser Acetylcystein (ACC) hilft nicht nur bei Husten und Erkältungen, sondern schützt mit seiner antioxidativen Wirkungen auch unsere Zellen.

Der bekannte Hustenlöser Acetylcystein (ACC) hilft nicht nur bei Husten und Erkältungen, sondern schützt mit seiner antioxidativen Wirkungen auch unsere Zellen.

Die Wirkung von Acetylcystein besteht nicht nur als Hustenlöser, sondern auch als Gegengift bei Überdosierung von Paracetamol gegen Leberschäden.

Der bekannte Hustenlöser Acetylcystein, der rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist, kann auch als Gegengift bei der Überdosierung von Paracetamol (mit dem Risiko schwerer Leberschäden) eingesetzt werden. So kann die Wirkung von Acetylcystein rechtzeitig verabreicht in diesem Fall Schlimmeres verhindern. In Untersuchungen konnten die Forscher unlängst zeigen, dass der Hustenlöser Acetylcystein in der Zelle rasch in sogenannte Persulfide umgewandelt wird. Und dann kann er die Zellen vor oxidativen Belastungen schützen. Persulfide entfalten grundsätzlich ihre zellschützende Wirkung, indem sie sehr effektiv die Oxidation auf sich selbst lenken.

 

Persulfide zellschützend und antioxidativ

Acetylcystein zeigt zellschützende und antioxidative Wirkungen, senkt den Spiegel zelleigener Oxidantien und mildert die giftige Wirkung oxidierender Fremdstoffe. In der experimentellen biomedizinischen Forschung gilt der Wirkstoff als eines der am häufigsten verwendeten Antioxidantien. Man vermutete bis jetzt, dass die antioxidierende Wirkung von Acetylcystein auf einer direkten Reaktion mit Oxidantien beruht. Doch das konnte nicht bestätigt werden, die Mechanismen seiner Wirkung blieben weitgehend im Dunkeln.

Unlängst fanden Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum eine völlig neue Erklärung für die antioxidative und zellschützende Wirkung des Acetylcysteins. Sie verfolgten den Abbau der Verbindung in menschlichen Zellen und beobachteten, dass Acetylcystein zu Schwefelwasserstoff umgesetzt wird. Körpereigener Schwefelwasserstoff – eigentlich bekannt als sehr giftiges Gas – erfüllt im Körper wichtige physiologische Funktionen.

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Persulfide

Tatsächlich erreicht der aus Acetylcystein gebildete Schwefelwasserstoff keine giftigen Konzentrationen. Denn er wird rasch in eine andere Art von Schwefelverbindung umgewandelt, in sogenannte Persulfide. Über deren Funktion in der Zelle war bisher kaum etwas bekannt, doch die Untersuchungsegebnisse lassen vermuten, dass Persulfide die eigentlichen antioxidativen Wirkstoffe sind.

So ahmte eine Behandlung von Zellen mit synthetischen Persulfiden die antioxidative Wirkung des Acetylcystein nach, und das schon bei wesentlich niedrigeren Konzentrationen. Persulfide binden an Proteine und schützen diese, vermutlich indem sie die Oxidation auf sich lenken, ähnlich wie ein Blitzableiter.

Die Forscher verstehen jetzt viel besser, wie Acetylcystein Zellen vor oxidativen Belastungen schützen kann. Man sollte daraus aber nicht ableiten, dass es eine gute Idee ist, Acetylcystein als Nahrungsergänzungsmittel dauerhaft und in hoher Dosierung einzunehmen. Denn auch Tumorzellen, die unter Stress stehen, könnten von dem Zellschutz profitieren.

Schwedische Krebsforscher zeigten schon vor einigen Jahren, dass die dauerhafte Gabe von Acetylcystein bei Mäusen das Tumorwachstum und die Metastasierung fördern kann.

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Literatur:

Ezeriņa D, Takano Y, Hanaoka K, Urano Y, Dick TP (2018). N-acetyl cysteine functions as a fast-acting antioxidant by triggering intracellular H2S and sulfane sulfur production. Cell Chemical Biology, doi:10.1016/j.chembiol.2018.01.011

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