Wundheilung: Hausmittel sind nur teilweise bei Wunden geeignet

Oft kann man die Wundheilung selbst aktiv beschleunigen. © Songyos Ruensai / shutterstock.com

Oft kann man die Wundheilung selbst aktiv beschleunigen. © Songyos Ruensai / shutterstock.com

Außer bei ausgedehnten oder sehr tiefen kann man Wunden selbst behandeln und die Wundheilung aktiv beschleunigen, wobei auch manche Hausmittel nützlich sein können.

Zu den größten Wundern der Natur gehört die Fähigkeit unseres Körpers, Wunden eigenständig zu verheilen. Der Prozess wird ebenso einfach wie treffend als „natürliche Wundheilung“ bezeichnet. Es gibt aber einige Möglichkeiten und Hausmittel, diese Wundheilung gezielt zu beschleunigen, ohne dass – etwas plakativ ausgedrückt – die „Qualität darunter leidet“.

Die moderne Medizin hält Wirkstoffe bereit, die die Regeneration der oberen Hautschichten gezielt unterstützen. Darüber hinaus gibt es aber auch viele Hausmittel, die bestens geeignet sind. Wichtig ist aber, dass man bei größeren Wunden einen Arzt aufsucht. Denn es gilt, Infektionen oder Narben zu vermeiden. Kleinere Wundgeschehen kann man aber guten Gewissens zu Hause therapieren, durchaus auch mit Hausmitteln. Manche vermeintlichen „Wundermittel“ aus Natur und Haushalt sind aber längst überholt und sogar gefährlich.

Die Epidemiologie ist eine medizinische Teildisziplin, die das Auftreten und die Verbreitung von Krankheiten untersucht. Bei der Diagnose „kleinere Schnitt- oder Schürfwunde“ läge die Verbreitung wohl bei fast 100 Prozent. Jeder ist schon einmal auf die Knie gestürzt oder hat sich beim Kartoffel schälen in die Finger geschnitten. Kein Grund zur Sorge, denn sofern es sich nicht um eine ausgedehnte oder sehr tiefe Wunde handelt, kann man diese selbst behandeln und die Wundheilung aktiv beschleunigen, wobei es auch Hausmittel dazu gibt.

 

Bloß kein Mehl auf offene Wunden

Die Situation ist fast plakativ: Die Großmutter ist mit dem geliebten Enkel auf dem Spielplatz. Das Kind stürzt von der Schaukel und zieht sich eine schmerzhafte Schürfwunde zu. Die fürsorgliche Oma überlegt kurz und hat prompt ein altes Hausmittel jenseits von Salbe und Pflaster parat. Viele „Rezepte“ haben Jahrhunderte überdauert und bis heute ihre Berechtigung in der alternativen Medizin. Manche Konzepte, so weiß man heute, sind aber kontraproduktiv oder sogar gefährlich.

Der Klassiker: Mehl auf Brandwunden. Früher als probates Mittel zur Wundheilung geschätzt, weiß man heute, dass das Gegenteil der Fall ist. Mehl verklebt die Wunde und behindert den Heilungsprozess. Im ungünstigsten Fall droht eine Wundinfektion, fast immer bleiben unerwünschte Narben zurück.

Ein weiteres gefährliches Hausmittel ist Quark gegen Sonnenbrand. Beispielsweise weiß man heute, dass das nur bedingt geeignet ist. Solange die Haut noch intakt ist, spendet Quark Kälte und Feuchtigkeit. Wenn allerdings die Haut dagegen offen ist, dringen Bakterien ein. Wobei das eigentlich unbedingt zu vermeiden ist.

 

Honig: Süßer Alleskönner und Hausmittel bei Erkältungen und der Wundheilung

Warum wird Honig gerne bei Erkältungen angewendet? Wegen seiner antibakteriellen Wirkung. Und genau diese unterstützt auch den Heilungsprozess und beugt Wundinfektionen vor. Zudem bildet der Honig aufgrund seiner Dickflüssigkeit eine Art Barriere, die das Wundgeschehen vor Schmutz und Krankheitserregern abschirmt. Der Zuckergehalt stimuliert zudem die Bildung von körpereigenem Wundsekret, was wiederum den Heilungsprozess zusätzlich unterstützt.

Einen antiseptischen und Wundheilung fördernden Effekt haben zudem Hausmittel wie Teebaumöl und Kamillentee. Und da gibt es noch ein weiteres Multitalent aus der Natur, dessen Bedeutung in der Wundheilung kaum noch bekannt ist. Viele haben es im Haus, aber in Tablettenform. Denn es ist ein neuer „Promi“ in der Therapie von Depressionen: das Johanniskraut. Als Öl angewendet, fördert das natürliche Hausmittek erst die Wundheilung und senkt anschließend das Risiko für Narben. Und ebenfalls wenig bekannt: Kleine Wunden verheilen schnell durch ein ganz spezielles Pflaster. Und zwar in Form eines sterilen Tuches, was zuvor in Wirsingwasser getränkt wurde.

Zwei Dinge seien abschließend noch einmal ans Herz gelegt:

  1. Tiefere und größere Wunden gehören immer in die Hand eines Arztes
  2. Jede Wunde muss zu Beginn gereinigt werden

Dann klappt es auch mit der Wundheilung.


Literatur:

Wang PH, Huang BS, Horng HC, Yeh CC, Chen YJ. Wound healing. J Chin Med Assoc. 2018 Feb;81(2):94-101. doi: 10.1016/j.jcma.2017.11.002. Epub 2017 Nov 21. PMID: 29169897.

Broughton G 2nd, Janis JE, Attinger CE. Wound healing: an overview. Plast Reconstr Surg. 2006 Jun;117(7 Suppl):1e-S-32e-S. doi: 10.1097/01.prs.0000222562.60260.f9. PMID: 16801750.

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