Rheumatoide Arthritis mit den Wirkungen der Katzenkralle bekämpfen

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Axel Rhindt
Axel Rhindt
MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

Die südamerikanische Heilpflanze Katzenkralle soll bei Patienten mit rheumatoider Arthritis die damit einhergehenden Einschränkungen der Bewegung verbessern.

Die Katzenkralle bezeichnet man auch als Krallendorn oder wissenschaftlich Uncaria tomentosa. ist eine Heilpflanze aus Süd­amerika, die laut Studienergebnissen bei Patienten mit chronischer Polyarthritis die damit einhergehende Bewegungseinschränkung verbessern kann. Die Katzenkralle ist eine Arzneipflanze, die aus der traditionellen Ethnomedizin Perus stammt und Eingang in die westliche Medizin gefunden hat. In des USA gibt es zahlreiche Katzenkralle-Nahrungsergänzungsmittel, die die Patienten gegen rheumatoide Arthritis einnehmen. Wobei die Produkte meist ohne jede Standardisierung in großen Stückzahlen verkauft werden.



Rheumatoide arthritis mit Katzenkralle behandeln

Unter dem Strich haben Innsbrucker Forscher drei Jahre lang 40 ­Patienten mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren untersucht. Die Patienten, die eine rheumatoide Arthritis bereits seit etwa sieben Jahre hatten, bekammen ein Placebo oder eine Zubereitung aus der Katzenkralle. Die Patienten litten auch an schmerzhafter Schwellung mehrerer Gelenke.

Jedenfalls behandelnden die Forscher 20 Patienten im Zuge der klinischen Untersuchung 24 Wochen lang mit Placebos. Die anderen Patienten erhielten eine Zubereitung mit Katzenkralle.

Wäh­rend sich in der Katzekralle-Gruppe bald  eine Besserung der Beschwerden einstellte, verspürte die Placebo- keine positiven Effekte. Anschließend erhielten ­alle Patienten für die Dauer von sieben Monaten die Katzenkralle. Die Zahl der geschwollenen Gelenke sowie die Morgensteifigkeit konnte dadurch bei allen Betroffenen abnehmen. Und zwar bei geringem Auftreten von Nebenwirkungen. Die Patienten mussten drei Mal täglich eine Kapsel Katzenkralle – mit dem Markennamen Krallendorn – anwenden.

 

Inhaltsstoffe und Wirkungen der Katzenkralle

Die Wurzel der Katzenkralle enthält bis ca. 2% Indolalkaloide. Sechs stereoisomere pentazyklische Oxindolalkaloide (= POA) und 4 stereoisomere tetrazyklische Oxindolalkaloide (= TOA) wurden isoliert. Aufgrund der Spiro-Struktur am C-Atom 7 tritt in wässrigen Lösungen Isomerisierung ein, das resultierende Gleichgewicht ist pH-Wert-abhängig.

Die Geschwindigkeit der Isomerisierung hängt von der räum­lichen Struktur des Alkaloids ab. Neben penta- und tetra­zyklischen Indolalkaloiden wurden auch die Precursoralkaloide 5-Carboxystrictosidin und Lyalosid isoliert. Weiter Inhaltsstoffe sind Iridoide (7-Deoxyloganinsäure), Triterpene (vor allem Glykoside der Chinovinsäure), Procyanidine (Cinchonain 1a und 1b) und Sterole.

 

Wirkungen der Katzenkralle auf das Immunsystem

Pentazyklische Oxindolalkaloide stimulieren die phagozytotische Aktivität von Makrophagen und von Zellen des RES. Wobei ­Forscher die Isopteropodin im Vergleich mit anderen immunstimulierenden Agentien als die Substanz mit der stärksten Aktivität bezeichnen. In vivo sind die Reinsubstanzen nur in Gegenwart der Catechine aktiv. Auch ein wässriges Extrakt, das nur einen geringen Anteil an Alkaloiden aufweist, beeinflusste verschiedene Immunparameter positiv, Ebenfalls konnten sie einen antimutagen Effekt aufzeigen.



 

Einfluss auf die weißen Blutkörperchen

Humane Endothelzellen sezernieren unter dem Einfluss pentazyklischer Oxindolalkaloide aus Uncaria tomentosa ein Protein, das regulierend in die Proliferation von Lymphozyten eingreift: während die Vermehrungsrate ruhender oder schwach aktivierter Lymphozyten deutlich erhöht wird, hemmt dieses Protein die klonale Expression hoch reaktiver Lymphoblasten, die bei entzündlichen Prozessen im Rahmen von Autoimmunerkrankungen eine wesentliche Rolle spielen. Die Alkaloide selbst weisen keinen direkten Einfluss auf die Proliferation von Lymphozyten auf.

 

Gegen Entzündungen

Procyanidine und einige Vertreter aus der Gruppe der Chinovinsäureglykoside zeigen in Modellversuchen antiinflammatorische Aktivität. Das heisst sie können gegen Entzündungen wirken. Ein Dekokt inhibierte in Makrophagen die Aktivierung des Transkriptionsfaktors NF-κB, der für die Entstehung entzündlicher Prozesse mitverantwortlich ist.

 

Antiproliferative Aktivität

Pentazyklische Oxindolalkaloide aus der Pteropodingruppe zeigten in vitro eine ausgeprägte antileukämische Wirkung, ohne dabei die Vitalität der Knochenmarkstammzellen zu beeinflussen. Ein wässriges Stamm­rinden-Extrakt induzierte in vitro die Apoptose humaner leukämischer Zellen.

 

Viren effektiv bekämpfen

Die intramuskuläre Applikation pentazyklischer Oxindolalkaloide an Katzen mit retroviralen Infektionen, die unbehandelt in mehr als 90% der Fälle zum Tod führen, resultierte in einer Rückbildung der Krankheitssymptome bei 85% der Versuchstiere, 44% der Tiere waren nach 5 Beobachtungsmonaten virusfrei.

 

Wirkungen auf Herz und Kreislauf

Neben der Antagonisierung der durch pentazyklische Oxindolalkaloide ausgelösten Regulation der Lymphozytenproliferation wurden für tetrazyklische Oxindolalkaloide auch Wirkungen auf Herz und Kreislauf dokumentiert. Vertreter dieser Stoffgruppe blockieren die Ca2+-Kanäle und führen zu einer Vasodilatation. Sie senken weiter den Blutdruck, wirken antihypertensiv und üben auf das Herz einen negativ chronotropen und inotropen Effekt aus. Diese Wirkungen sind bei der therapeutischen Anwendung von Uncaria tomentosa als unerwünschte Wirkungen einzustufen.




Literatur:

Bruna C. Azevedo, Mariana Roxo, Marcos C. Borges, Herbenya Peixoto, Eduardo J. Crevelin, Bianca W. Bertoni, Silvia H. T. Contini, Adriana A. Lopes, Suzelei C. França, Ana M. S. Pereira, Michael Wink. Antioxidant Activity of an Aqueous Leaf Extract from Uncaria tomentosa and Its Major Alkaloids Mitraphylline and Isomitraphylline in Caenorhabditis elegans. Molecules. 2019 Sep; 24(18): 3299. Published online 2019 Sep 10. doi: 10.3390/molecules24183299

Della Valle V. Uncaria tomentosa. G Ital Dermatol Venereol. 2017 Dec;152(6):651-657. doi: 10.23736/S0392-0488.17.05712-1.


Quelle: Uncaria tomentosa – die ­Katzenkralle. MEDMIX 4/2004.

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