wir2 und STOP-D in der Behandlung depressiver Patienten

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STOP-D analysiert die stationäre tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie, das Elterntraining wir2 soll psychische Belastungen Alleinerziehender reduzieren.

STOP-D untersucht die Wirksamkeit stationärer tiefenpsychologisch orientierter psychosomatischer Krankenhausbehandlung auf depressive Störungen, wir2 wurde speziell für Alleinerziehende entwickelt, die sich professionelle Unterstützung wünschen, um Kraft und Selbstbewusstsein für das Leben als Familien-Alleinverantwortliche zu finden.

 

Stationäre tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie der Depression: STOP-D

Die generelle Wirksamkeit ambulanter und stationärer tiefenpsychologisch orientierter Psychotherapie ist belegt. Dagegen stehen Studien zur Wirksamkeit stationärer tiefenpsychologisch orientierter psychosomatischer Krankenhausbehandlung auf depressive Störungen noch aus. Deshalb wurde STOP-D als naturalistische Multicenterstudie mit eingangs 487 depressiv erkrankten stationär psychotherapeutisch behandelten Frauen an 15 psychosomatischen Krankenhausabteilungen mit tiefenpsychologischem Behandlungskonzept (keine Rehakliniken) durchgeführt. Die ersten Publikationen belegen nun

  • anhand sehr hoher Effektstärken die Wirksamkeit auf depressionstypische Symptome;
  • neben der symptomatischen Besserung kleine bis hohe Effekte auf psychodynamisch-relevante Zielmaße wie Adaptivität der Abwehr und der Konfliktbewältigung;
  • nachhaltige Stabilität der erreichten Verbesserungen auch sechs Monate nach der Entlassung;
  • durch die erreichten Verbesserungen wurde in der Regel die ambulante Behandlungsfähigkeit erreicht (knapp 80 Prozent der Patienten profitierten, ca. 20 Prozent veränderten sich nur wenig, nur einzelne Patienten verschlechterten sich);
  • dass Patienten, die zusätzlich Antidepressiva erhielten, bei Aufnahme, Entlassung und in der Nachuntersuchung insgesamt stärker durch depressionstypische Symptome beeinträchtigt waren. Sie wiesen allerdings von den erreichten Effekten her keinen besseren Verlauf auf als die Patienten, die ausschließlich psychotherapeutisch behandelt wurden;
  • dass Patienten, die zusätzlich an einer Persönlichkeitsstörung litten, generell etwas weniger von der Behandlung profitierten, entsprechend sind für diese Patienten Modifikationen der Behandlungsangebote möglicherweise sinnvoll;
  • dass zusätzlich bestehende Schlafstörungen zu einem schlechteren Ansprechen auf die stationäre Psychotherapie führen und deshalb eine besondere therapeutische Herausforderung darstellen, die möglicherweise zu wenig Beachtung findet.

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Dreifach erhöhtes Depressionsrisiko bei Alleinerziehenden. Wirksame Unterstützung mit wir2

1,6 Mio. Alleinerziehende sind in Deutschland seit Jahrzehnten unverändert großen Armuts- und Gesundheitsrisiken ausgesetzt – 90 Prozent von ihnen sind Mütter. Ihr Depressionsrisiko ist dreimal höher als bei Müttern in Paarfamilien. Dies kann auch die Entwicklung der mitbetroffenen Kinder beeinträchtigen. Daher wurde an der Universitätsklinik Düsseldorf das bindungsorientierte und emotionsfokussierte Elterntraining wir2 entwickelt (www.wir2-bindungstraining.de). Das Programm ist manualisiert und besteht aus vier aufeinander aufbauenden Modulen. Im Mittelpunkt stehen die Gefühlswahrnehmung und der Umgang mit den bindungsrelevanten Basisaffekten Angst, Trauer, Wut und Freude sowie der emotionale Austausch zwischen Eltern und Kind. Die Gruppen werden über 20 Sitzungen hinweg von zwei speziell geschulten Fachkräften geleitet.

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wir2 reduziert die psychische Belastung der Eltern und fördert ihre Elternkompetenzen und die Feinfühligkeit gegenüber den Signalen ihrer Kinder. Die starken und nachhaltigen positiven Effekte von wir2 auf die Depressivität und Zufriedenheit der Mütter sowie auf kindliches Problemverhalten wurden in einer RCT-Studie nachgewiesen. Das Programm wurde aufgrund seiner hohen Wirksamkeit mit dem renommierten Heigl-Preis ausgezeichnet, in die höchste Evidenzklasse der „Grüne Liste Prävention“ aufgenommen sowie von der Walter Blüchert Stiftung mit hohem Engagement gefördert.

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wir2 erfüllt alle Qualitätskriterien eines modernen psychosozialen Unterstützungsprogramms und wird deshalb jetzt auch in psychosomatischen Rehabilitationskliniken (Psychosomatische Fachklinik Schömberg und Dekimedklinik Bad Elster), finanziert von der Deutschen Rentenversicherung, als sechswöchige Eltern-Kind-Maßnahme angeboten. Das neue Präventionsgesetz ermöglicht seit 2018 erstmals auch die Umsetzung von wir2 in kommunalen Settings (Kitas, Familienzentren) unter finanzieller Beteiligung der gesetzlichen Krankenkassen und des vdek („Kasseler Modell“).

Quelle:

Statement » Aktuelle Studien: Hohe Wirksamkeit psychosomatisch-psychotherapeutischer Therapie in der Behandlung depressiver Patienten « von Professor Dr. med. Matthias Franz, Stellvertretender Direktor des Klinischen Instituts für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Düsseldorf zum Europäischen Depressionstag

Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin

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