Wermutkraut, Wermut und die Grüne Fee Absinth seit jeher begehrt

Seit hunderten von Jahren, und vielleicht noch länger, schätzen die Menschen das Wermutkraut mit seinen heilenden Wirkungen, vor allem aber auch den Absinth, die sogenannte » Grüne Fee « aus Wermut. © Joshua Resnick / shutterstock.com

Seit hunderten von Jahren, und vielleicht noch länger, schätzen die Menschen das Wermutkraut mit seinen heilenden Wirkungen, vor allem aber auch den Absinth, die sogenannte » Grüne Fee « aus Wermut. © Joshua Resnick / shutterstock.com

Das bittere Wermutkraut zeigt Wirkung vor allem bei Verdauungs- und Leberbeschwerden, doch vor allem die Grüne Fee aus Wermut – Absinth – ist auch sehr begehrt.

Wermutkraut – Artemisia absinthium L., Asteraceae – und sind vor allem auch im Zusammenhang mit Absinth (Grüne Fee) bekannt. Wobei das Wermutkraut und seine Wirkung auch seit Jahrtausenden als Heilpflanze zur Anwendung kommt. Heute schätzt man verschiedene Artemisia-Arten weltweit wegen der antioxidativen, antimikrobiellen sowie der entzündungshemmenden Wirkung.

Der lateinische Name Artemisia absinthium scheint mit der antiken römischen Jagdgöttin Artemis – gleich der griechischen Göttin Diana – zusammenzuhängen. Die Sage besagt, dass Göttin Diana das Wermutkraut fand und dem Zentauren Chiron verabreichte. Auch in der Bibel wird Wermut mehrfach erwähnt. Auch Hildegard von Bingen beschrieb den Einsatz des Wermutkrauts als Heilpflanze. Im Mittelalter wurde Wermut gegen Motten in Kleiderschränke gehängt.

Das Wermutkraut ist auch in Österreich zu finden, natürlich kommt es im gemäßigten eurasischen Raum und in Nordafrika vor. © CC BY-SA 3.0 / wikimedia

In der Poesie aber auch im allgemeinen Sprachgebrauch ist der Begriff »Wermutstropfen« sehr bekannt. Er beschreibt schöne Dinge oder Erfahrungen, die mit ein wenig Bitterkeit behaftet sind. Wie ein Tropfen Wermut in einem süßen Getränk. Für die Bedeutung dieser Metapher gibt es auch einen Bibelhinweis.

 

Die Grüne Fee – Absinth aus Wermutkraut

Das Wermutkraut, das bekannte Heilkraut mit dem charakteristischen bitteren Geschmack, ist Ausgangsprodukt des nach wie vor beliebten Absinth. Die alkoholischen Auszüge aus dem Wermut oder Lösungen des ätherischen Öles in Alkohol – Absinth-Liköre wie die Grüne Fee – können bei Dauerkonsum (Absinthismus) zu irreparablen Schäden des Körpers und des Zentralnervensystems führen.

Dies kann geistigen, körperlichen und seelischen Verfall zur Folge haben. V.a. in Künstlerkreisen war »die Grüne Fee« ein sehr beliebtes Getränk. Vincent van Gogh, Henri de Toulouse-Lautrec, Edouard ­Manet, Edgar Degas, Pablo Picasso oder Oscar Wilde ließen sich in ihrem künstlerischen Schaffen von diesem Getränk inspirieren. Charles Baudelaire, der sich vor lauter Begeisterung über sein Lieblingsgetränk die Haare grün färben ließ, trank ­damit gegen seine Schreibhemmungen an.

In Frankreich traf man sich um die Jahrhundertwende zur »Grünen Stunde«, um den Abend bei einem Glas Absinth gemütlich einzuleiten. Durch den steigenden Miss­brauch und die zunehmend erschreckenden Auswirkungen geriet die Grüne Fee immer mehr in Verruf. Schließlich wurde ihr Konsum wegen der massiven Schädigung an Körper, Geist und Seele 1910 verboten. Nicht wenige Liebhaber des Getränkes begingen damals Selbstmord, andere wiederum, wie Ernest Hemingway, versuchten, sie aus höchst undurchsichtigen Quellen zu beziehen.

 

Inhaltsstoffe

Wermutkraut enthält zahlreiche Bitterstoffe aus der Gruppe der Sesquiterpenlactone – darunter eben Absinthin als Hauptkomponente. Daneben kommen Artabsin, Matricin, Anabsinthin und andere Stoffe vor. Ätherische Öle machen 0,2 bis 0,8 % aus und enthalten (−)-Thujon, (+)-Isothujon, Thujylalkohol und dessen Ester, Chamazulen sowie weitere Mono- und Sesquiterpene.

Die Ursache der Schädigungen durch die Grüne Fee, dem Absinth, wurde auf den in Wermut enthaltenen Wirkstoff Thujon zurückgeführt. 1998 wurde der Gebrauch in der EU wieder erlaubt. Heute werden für die Herstellung des Absinth Thujon arme Wermutarten verwendet. Leider nimmt der Import von Produkten aus dem Osten zu, bei denen nicht geklärt ist, welche Stamm­pflanzen zur Herstellung verwendet wurden.

Hauptwirkstoffe in der Pflanze sind Bitterstoffe und ätherisches Öl. Die Bitterstoffe sind Sesquiterpenlactone, die als Hauptkomponente Absinthin enthalten, daneben Isoabsinthin, Absintholid, Anabsinthin, Art­absin und Artenolid. Weiters wurden verschiedene Flavonoide nachgewiesen.

Das ätherische Öl, das vor allem in den oberirdischen Teilen vorkommt, besteht aus Terpenen. Diese sind je nach Herkunft der Pflanze aus verschiedenen Konzentrationen von α-Thujon, cis-Epoxyocimen, trans-Sabinylacetat und Chrysanthenylacetat zusammengesetzt. Zu den über 50 weiteren gefundenen Terpenen gehören beispielsweise Thujan, Thujylalkohol, Linalool, Cineol, α-Bisabolol, β-Curcumen sowie Spathulenol.

 

Welche Wirkung und Nebenwirkungen Wermutkraut entfaltet

Die Wirkung von Wermutkraut soll dabei helfen, den Appetit, die Verdauung sowie auch die Menstruation zu fördern. Weiter soll es Linderung bei Kopfschmerzen, Gelbsucht und Entzündungen bringen. Als wissenschaftlich nachgewiesen gilt die Wirksamkeit zur Appetitanregung, bei Beschwerden des Verdauungstraktes. Wie Gastritis oder Blähung, zur Anregung der Leberfunktion sowie bei krampfartigen Störungen des Darms und der Gallenwege.

Die verdauungsfördernde Wirkung führt man dabei auf die enthaltenen Bitterstoffe zurück. In jüngster Zeit gab es auch vielversprechende Ergebnisse im Zusammenhang mit Morbus Crohn. Weiters wurden Steroid reduzierende Effekte sowie beobachtet.

Unter dem Strich können bei starker Überdosierung oder der Verwendung der alkoholischen Extrakte leichte aber auch schwere Nebenwirkungen auftreten. Hierzu beruht die toxische Wirkung wie bereits erwähnt auf den Inhaltsstoff Thujon.

Zudem können hohe Dosen von Wermutkraut zu unerwünschter Wirkung in Form von Störungen des Zentralnervensystems führen. Beispielsweise wie Krämpfe der Körpermuskulatur, Wahrnehmungsstörungen, Niedergeschlagenheit mit Schläfrigkeit, Zittern, Depressionen, Schwindel sowie Spasmen im Gesicht. Weiter konnte man in Untersuchungen Erbrechen, Bauchschmerzen sowie in schweren Fällen Nierenschäden dokumentieren.


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