Menstruation, Schmerzen und Endometriose

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Funktionelle Schmerzen bei einer Menstruation können auch durch eine anatomische Veränderung – der sogenannten Endometriose – verursacht werden.

Zwei bis drei Prozent aller Frauen leiden unter schmerzhafter Menstruation, bei manchen führt dies sogar zu vorübergehender Arbeitsunfähigkeit. Über die Jahrhunderte gab es unterschiedlichste Erklärungen für die Schmerzursachen, wie das »Wandern des Uterus«. Aber auch in unserer aufgeklärten Gesellschaft bestehen Informationsdefizite über die Probleme der Menstruation.

 

Der Beginn der Menstruation

Für Mädchen gilt der Eintritt der Menstruation als wichtiges Symbol der Geschlechtsreife. Der Beginn dieses rhythmischen Vorgangs schlägt sich natürlich auch im hormonbeeinflussten Wechsel von physischen und psychischen Symptomen nieder. Die individuellen Erscheinungsformen der monatlichen Blutung weisen eine große Spannweite auf und unterliegen den verschiedensten Einflussfaktoren.

Der späte Eintritt, die Unregelmäßigkeit der Blutung, die zu schwache oder zu starke Menstruation oder auch die schmerzhafte Blutung werden meist als normal angesehen, prägen jedoch das individuelle Erleben dieses physiologischen Phänomens. Daneben ist es von Bedeutung, welchen Stellenwert die Menstruation im sozialem Umfeld, wie z.B. Familie und Schule, hat. Es zeigt sich allerdings, dass die Informationen über Menstruation und deren Probleme in der scheinbar aufgeklärten modernen Gesellschaft äußerst mangelhaft sind.

 

Sind Schmerzen bei Menstruation normal?

Ein zentrales Symptom der Menstruation ist der Schmerz. Viele Frauen, Eltern, Ärzte, etc., sehen diesen Schmerz als Schicksal der Frau an. Schmerzen können aber ein wichtiges Signal von Fehlfunktionen, von Organen oder bereits pathologischen Änderungen von anatomischen Strukturen darstellen.

Es ist allgemein bekannt, dass während der Menstruation und des Geburtsvorganges eine Verstärkung der Uterusperistaltik vorliegt. Rhythmus und Stärke der Kontraktionen werden von Sympathikus und Parasympathikus mit beeinflusst. Studien haben gezeigt, dass bei Patientinnen mit starken Schmerzen eine signifikante Änderung der Frequenz und Intensität dieser Kontraktionen vorliegt. Druck­messungen in der Gebärmutterhöhle weisen deutlich höhere Werte auf.

Ob diese funktionellen Störungen auch letztendlich in eine anatomische Veränderung übergehen, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Bekannt ist jedoch, dass diese funktionellen Schmerzen auch durch eine anatomische Veränderung, der Endometriose (heterotop gelegenes Endometrium) verursacht werden können.

Die juvenile Dysmenorrhoe ohne oder mit nachgewiesener Endometriose ist durch die Gabe von Ovulationshemmern – insbesondere gestagenbetonten – gut zu beherrschen.

Die Tatsache, dass sowohl die physiologischen Vorgänge wie auch die pathologischen Veränderungen ähnliche Symptome erzeugen, führt dazu, dass die Krankheit Endometriose oft erst nach vielen Jahren entdeckt wird.

In der Zwischenzeit kann die Menstruation als Symptom des Frauseins eher zum Negativ­erlebnis, Qual, ja sogar zu einer lebensverändernden Erkrankung führen. Schwerste Störungen der Genitalfunktion, Sexualität und psychischen Gesundheit sind die Folge.

Erlangt diese Erkrankung ein fortgeschrittenes Stadium, können sogar Nachbarorgane wie Darm, Blase oder Harnleiter in Mitleidenschaft geraten. Aus diesem Grund sollten menstruationsabhängige Störungen dieser Organe und ihrer Funktionen mit der Fragestellung Endometriose abgeklärt werden.

 

Diagnose ­Endometriose

Die gezielte Erhebung der Anam­nese und gründliche gynäkologische Untersuchung inklusive der Vaginalsonographie sind obligat. Dabei lassen sich insbesondere ausgedehnte Befunde gut darstellen. Schlussendlich ist aber zur ­Diagnosesicherung ein invasives Verfahren wie die ­diagnostische Laparoskopie zur optischen und histologischen Verifizierung notwendig.

Gerade auch bei Vorliegen einer primären Sterilität und Verdacht auf Endometriose sollte dieses Verfahren frühzeitig indiziert werden. Die endoskopische Diagnosestellung kann jedoch durch atypische Endometrioseherde oder durch Verwachsungen erschwert sein. Nicht pigmentierte Herde (typischerweise schwarzrot) oder Befunde im Retroperitonealraum gelegen, können zu Fehldiagnosen führen.

Gelegentlich kann erst durch eine invasive chirurgische Präparation die Endometriose dargestellt werden (retroperitoneal, intramural etc.). Eine entsprechende Ausbildung der Operateure ist aus diesem Grund zu fordern. Bei unklaren Befunden und Verdacht auf extragenitale Endometriose kann gelegentlich auch der Einsatz von weiteren nichtinvasiven diagnostischen Verfahren (z.B. MRT, CT, etc.) notwendig werden.

 

Welche therapeutischen Möglichkeiten bei ­Endometriose bestehen

Die operative Therapie gilt immer noch als Therapie der Wahl bei der symptomatischen Endo­metriose. Viele Studien konnten nachweisen, dass die radikale Entfernung von Endometriose-Herden zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome und Lebensqualität führt. Die Radikalität steht dabei im direkten Zusammenhang mit der Erfolgs­chance.

Das Dilemma dabei ist der Widerspruch zwischen dem Wunsch, die Endometriose radikal entfernen zu wollen und gleichzeitig die Organe bei bestehendem Kinderwunsch weitgehend erhalten zu müssen. Deshalb ist vom Operateur eine entsprechende Expertise in der organerhaltenen Chirurgie zu fordern.

Die organerhaltene Chirurgie birgt damit ein hohes Risiko des Rezidivs. Konservative Therapiegrundsätze sind aus diesem Grund unerlässlich. Hier stehen Hormontherapien im Vordergrund. Durch Absenken der Östrogenkonzentration im Serum (durch GnRH-Analoga) oder die Dauergabe von gestagenhaltigen Präparaten wird die Aktivität der Endometriose-Herde reduziert bzw. stillgelegt. Weitere Entwicklungen in der Hormontherapie – z.B. Gabe von Aromatasehemmern – sind derzeit in Erprobung.

 

Welche Rolle Ovulationshemmer spielen

Die juvenile Dysmenorrhoe ohne oder mit nachgewiesener Endometriose ist durch die Gabe von Ovulationshemmern (insbesondere gestagenbetonten) gut zu beherrschen. Die längerfristige kontinuier­liche Gabe der Ovulationshemmer – gegebenenfalls auch ohne Pause – verbessert die Lebensqualität der Patientin enorm ­(Seasonal-Applikation). Die Menstruation wird nur noch drei bis einmal pro Jahr erlebt (erduldet).

Allerdings wissen wir, dass die Reduktion der Schmerzen nicht einhergeht mit der Beseitigung der Erkrankung. Aus diesem Grund sollte bei Applikation von Ovulationshemmern als Endo­metriosetherapeutikum eine regelmäßige gynäkologische Kontrolle durchgeführt werden.

 

Frauen mit ­­Endo­metriose werden nicht ­schwanger

Endometriose geht mit Entzündungsreaktionen im Bereich des inneren Genitales einher. Die Folge sind Verwachsungen, anatomische Veränderungen von Tube, Ovar und auch vom Uterus. Die Adenomyosis – eine typische Sonderform der Endometriose (auch innere Endometriose genannt) – ist durch eine ausgedehnte Veränderung der Uterusarchitektur gekennzeichnet.

Die Grenzen zwischen Endometrium und Myometrium sind aufgehoben. Moderne diagnostische Verfahren wie das MRI, aber auch die gezielte Sonographie transrektal und transvaginal geben eindeutige Hinweise auf diese Form der Erkrankung. Eine Veränderung der Uterusperistaltik und damit Funktion des Uterus führt zu einer Verschlechterung des Spermientransportes und der Nidation der befruchteten Eizelle.

Ein verändertes Sexualverhalten aufgrund der ausgeprägten Schmerzen beim Geschlechtsverkehr durch tiefe Endometriose im kleinen Becken ist ebenfalls zu berücksichtigen. Daneben können die therapeutischen Erfolge durch ART (artificial reproductive therapy) wesentlich verbessert werden (Insemination, IVF, ICSI etc.).

 

Wie sich schul­­medizinische Therapie­verfahren mit der Komplimentär­medizin vereinigen lassen

Der Menstruationsschmerz und die Endometriose bedürfen nicht selten langzeittherapeutischer Konzepte. Die Dauergabe von Hormonen, bzw. häufige Operationen werden von den Patienten zum Teil schwer toleriert und sind meist auch nicht kurativ.

Deshalb werden von den Patientinnen, aber auch den Therapeuten alternative Verfahren gesucht. Neben den typischen »Hausmitteln« stehen komplimentärmedizinische Verfahren wie die traditionelle chinesische Medizin (TCM) und die klassische Homöopathie als Therapieverfahren zur Verfügung. TCM sowie Homöopathie haben den Anspruch einer ganzheitlichen Sichtweise.

Daneben stehen noch weitere therapeutische komplimentärmedizinische Verfahren zur Verfügung, die zum Teil gerade bei chronischen Krankheitsverläufen für die Patientin nützlich sein können. Die Wahl der Therapie ist natürlich primär von der Ausprägung und der Aktivität der Erkrankung einerseits, aber auch durch das Alter, Lebenssituation und Wunsch der Patientin andererseits abhängig.

Diese Individualität erfordert sowohl von der Patientin wie auch vom Umfeld und den TherapeutInnen ein hohes Maß an Kompetenz und Offenheit für individuelle therapeutische Wege.

Literatur:

Parasar et al. Endometriosis: Epidemiology, Diagnosis and Clinical Management. Curr Obstet Gynecol Rep. 2017 Mar;6(1):34-41. doi: 10.1007/s13669-017-0187-1. Epub 2017 Jan 27.


Quelle:

Wenn die Menstruation krank macht! Prim. Univ.-Prof. Dr. Jörg Keckstein. MEDMIX 07-08/2006.

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About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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