Menstruation, Schmerzen und Endometriose

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Dr. Darko Stamenov
Dr. Darko Stamenov
MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

Funktionelle Schmerzen bei einer Menstruation können auch durch eine anatomische Veränderung – der sogenannten Endometriose – verursacht werden.

Zwei bis drei Prozent aller Frauen leiden während der Menstruation unter teilweise starken Schmerzen. Bei manchen Betroffenen führen die Schmerzen sogar dazu, dass sie vorübergehend nicht den Beruf ausüben können. Über die Jahrhunderte gab es unterschiedlichste Erklärungen für die Schmerzursachen. Dazu zählte das »Wandern des Uterus«. Aber auch in unserer aufgeklärten Gesellschaft bestehen Informationsdefizite über die Probleme der Menstruation. Unter dem Strich verursacht häufig die Endometriose die extrem starken Schmerzen während der Menstruation.



 

Der Beginn der Menstruation

Für Mädchen gilt der Eintritt der Menstruation als wichtiges Symbol der Geschlechtsreife. Der Beginn dieses rhythmischen Vorgangs schlägt sich natürlich auch im hormonbeeinflussten Wechsel von physischen und psychischen Symptomen nieder. Die individuellen Erscheinungsformen der monatlichen Blutung weisen eine große Spannweite auf und unterliegen den verschiedensten Einflussfaktoren.

Die Menstruation kann zu spät eintreten. Die Blutung kann unregelmässig erfolgen. Oft sehen Frauen auch eine zu schwache oder zu starke Menstruation sowie auch die schmerzhafte Blutung als normal an. Meistens prägt jedoch das individuelle Erleben diesdases physiologischen Phänomen der Regelblutung.

Daneben ist es von Bedeutung, welchen Stellenwert die Menstruation im sozialem Umfeld hat. Und zwar wie beispielsweise von der Familie und in der Schule. Es zeigt sich allerdings, dass die Informationen über Menstruation und deren Probleme auch in der scheinbar aufgeklärten modernen Gesellschaft äußerst mangelhaft sind.

 

Starke Schmerzen in der Menstruation können ein Signal für eine Fehlfunktion wie Endometriose sein

Ein zentrales Symptom der Menstruation sind die Schmerzen. Viele Frauen, Eltern und Ärzte sehen diese Schmerzen als Schicksal der Frau an. Jedoch können Schmerzen auch ein wichtiges Signal von Fehlfunktionen von Organen sein. Sie können auch bereits durch krankhafte Änderungen von anatomischen Strukturen auftreten.

Funktionelle Schmerzen in der Menstruation können auch durch eine Endometriose verursacht werden.

Es ist allgemein bekannt, dass während der Menstruation und des Geburtsvorganges eine Verstärkung der Uterusperistaltik vorliegt. Der Rhythmus und die Stärke der Kontraktionen werden dann von Sympathikus und Parasympathikus mit beeinflusst. Es haben Studien auch gezeigt, dass bei Patientinnen mit starken Schmerzen eine signifikante Änderung der Frequenz und Intensität dieser Kontraktionen vorliegt. Die Druck­messungen in der Gebärmutterhöhle weisen hier deutlich höhere Werte auf.

Ob diese funktionellen Störungen auch letztendlich in eine anatomische Veränderung übergehen, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Bekannt ist jedoch, dass die funktionellen Schmerzen in der Menstruation auch durch eine anatomische Veränderung, der Endometriose (heterotop gelegenes Endometrium) verursacht werden können.



Sowohl die physiologischen Vorgänge wie auch die pathologischen Veränderungen erzeugen ähnliche Symptome erzeugen. Die Tatsache führt dazu, dass man die Krankheit Endometriose oft erst nach vielen Jahren entdeckt.

In der Zwischenzeit kann die Menstruation als Symptom des Frauseins eher zum Negativerlebnis führen. Es ist eine Qual, die sogar zu einer lebensverändernden Erkrankung führen kann. Beispielsweise können in Folge schwerste Störungen der Genitalfunktion, der Sexualität sowie der psychischen Gesundheit auftreten.

Und wenn die Endometriose ein fortgeschrittenes Stadium erreicht, dann können außerdem Nachbarorgane wie Darm, Blase oder Harnleiter in Mitleidenschaft geraten. Unter dem Strich sollte man deswegen menstruationsabhängige Störungen der Organe und deren gestörte Funktionen mit der Fragestellung Endometriose abklären.

 

Die Diagnose ­Endometriose stellen

Die gezielte Erhebung der Anam­nese und gründliche gynäkologische Untersuchung inklusive der Vaginalsonographie sind obligat. Dabei lassen sich insbesondere ausgedehnte Befunde gut darstellen. Schließlich ist aber zur ­Sicherung der Diagnose  ein invasives Verfahren notwendig. Das ist beispielsweise die diagnostische Laparoskopie, mit der man die Endometriose sowohl optisch als auch histologisch bestätigen kann. Gerade auch bei Vorliegen einer primären Sterilität und Verdacht auf Endometriose sollte man diese Verfahren frühzeitig anwenden.

 

Die juvenile Dysmenorrhoe ohne oder mit nachgewiesener Endometriose ist durch die Gabe von Ovulationshemmern – insbesondere gestagenbetonten – gut zu beherrschen.

 

Allerdings können auch atypische Endometrioseherde sowie bestehende Verwachsungen das endoskopische Stellen der Diagnose erschweren. Nicht pigmentierte Herde oder Befunde im Retroperitonealraum können ebenfalls zu Fehldiagnosen führen.

Gelegentlich kann man aber erst durch eine invasive chirurgische Vorbereitung die Endometriose darstellen (retroperitoneal, intramural etc.). Eine entsprechende Ausbildung der Operateure ist aus diesem Grund unbedingt notwendig. Bei unklaren Befunden und Verdacht auf extragenitale Endometriose kann gelegentlich auch der Einsatz von weiteren nichtinvasiven diagnostischen Verfahren (z.B. MRT, CT, etc.) notwendig werden.



 

Welche therapeutischen Möglichkeiten bei ­Endometriose bestehen

Die operative Therapie gilt immer noch als Therapie der Wahl bei der symptomatischen Endo­metriose. Viele Studien konnten nachweisen, dass die radikale Entfernung von Endometriose-Herden zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome und Lebensqualität führt. Die Radikalität steht dabei im direkten Zusammenhang mit der Erfolgs­chance.

Das Dilemma dabei ist der Widerspruch zwischen dem Wunsch, die Endometriose radikal entfernen zu wollen und gleichzeitig die Organe bei bestehendem Kinderwunsch weitgehend erhalten zu müssen. Deshalb ist vom Operateur eine entsprechende Expertise in der organerhaltenen Chirurgie zu fordern.

Die organerhaltene Chirurgie birgt damit ein hohes Risiko des Rezidivs. Konservative Therapiegrundsätze sind aus diesem Grund unerlässlich. Hier stehen Hormontherapien im Vordergrund. Durch Absenken der Östrogenkonzentration im Serum (durch GnRH-Analoga) oder die Dauergabe von gestagenhaltigen Präparaten wird die Aktivität der Endometriose-Herde reduziert bzw. stillgelegt. Weitere Entwicklungen in der Hormontherapie – z.B. Gabe von Aromatasehemmern – sind derzeit in Erprobung.

 

Welche Rolle Ovulationshemmer spielen

Die juvenile Dysmenorrhoe ohne oder mit nachgewiesener Endometriose ist durch die Gabe von Ovulationshemmern (insbesondere gestagenbetonten) gut zu beherrschen. Die längerfristige kontinuier­liche Gabe der Ovulationshemmer – gegebenenfalls auch ohne Pause – verbessert die Lebensqualität der Patientin enorm ­(Seasonal-Applikation). Die Menstruation wird nur noch drei bis einmal pro Jahr erlebt (erduldet).

Allerdings wissen wir, dass die Reduktion der Schmerzen nicht einhergeht mit der Beseitigung der Erkrankung. Aus diesem Grund sollte bei Applikation von Ovulationshemmern als Endo­metriosetherapeutikum eine regelmäßige gynäkologische Kontrolle durchgeführt werden.

 

Frauen mit ­­Endo­metriose werden nicht ­schwanger

Endometriose geht mit Entzündungsreaktionen im Bereich des inneren Genitales einher. Die Folge sind Verwachsungen, anatomische Veränderungen von Tube, Ovar und auch vom Uterus. Die Adenomyosis – eine typische Sonderform der Endometriose (auch innere Endometriose genannt) – ist durch eine ausgedehnte Veränderung der Uterusarchitektur gekennzeichnet.



Die Grenzen zwischen Endometrium und Myometrium sind aufgehoben. Moderne diagnostische Verfahren wie das MRI, aber auch die gezielte Sonographie transrektal und transvaginal geben eindeutige Hinweise auf diese Form der Erkrankung. Eine Veränderung der Uterusperistaltik und damit Funktion des Uterus führt zu einer Verschlechterung des Spermientransportes und der Nidation der befruchteten Eizelle.

Ein verändertes Sexualverhalten aufgrund der ausgeprägten Schmerzen beim Geschlechtsverkehr durch tiefe Endometriose im kleinen Becken ist ebenfalls zu berücksichtigen. Daneben können die therapeutischen Erfolge durch ART (artificial reproductive therapy) wesentlich verbessert werden (Insemination, IVF, ICSI etc.).

 

Endometriose mit schul­­medizinischer Therapie und mit alternativen Behandlungen vereinigen

Die Schmerzen in der Menstruation sowie auch die Endometriose machen es nicht selten notwendig, dass man die Behandlung über einen sehr großen Zeitraum geht. Dabei tolerieren die Patientinnen der Dauergabe von Hormonen bzw. auch häufige Operationen zum Teil nur sehr schwer. Meistens bringen diese Therapien auch keine Heilung.

Deshalb werden von den Patientinnen, aber auch von den Therapeuten immer wieder alternative Verfahren gesucht. Neben den typischen »Hausmitteln« stehen komplementärmedizinische Verfahren wie die traditionelle chinesische Medizin (TCM) und die klassische Homöopathie als Therapieverfahren zur Verfügung. TCM sowie Homöopathie haben den Anspruch einer ganzheitlichen Sichtweise.

Daneben stehen noch weitere therapeutische komplementärmedizinische Verfahren wie die Pflanzentherapie zur Verfügung. Diese können gerade bei chronischen Krankheitsverläufen zum Teil  für die Patientin sehr nützlich sein. Allerdings fordern hierzu Experten mehr aussagekräftige Studien.

Die Wahl der Therapie ist natürlich primär von der Ausprägung und der Aktivität der Erkrankung einerseits, aber auch durch das Alter, Lebenssituation und Wunsch der Patientin andererseits abhängig.

Diese Individualität erfordert sowohl von der Patientin wie auch vom Umfeld und den TherapeutInnen ein hohes Maß an Kompetenz und Offenheit für individuelle therapeutische Wege.




Literatur:

Parasar et al. Endometriosis: Epidemiology, Diagnosis and Clinical Management. Curr Obstet Gynecol Rep. 2017 Mar;6(1):34-41. doi: 10.1007/s13669-017-0187-1. Epub 2017 Jan 27.

Della Corte L, Noventa M, Ciebiera M, Magliarditi M, Sleiman Z, Karaman E, Catena U, Salvaggio C, Falzone G, Garzon S. Phytotherapy in endometriosis: an up-to-date review. J Complement Integr Med. 2019 Sep 18. pii: /j/jcim.ahead-of-print/jcim-2019-0084/jcim-2019-0084.xml. doi: 10.1515/jcim-2019-0084. [Epub ahead of print]


Quelle:

Wenn die Menstruation krank macht! Prim. Univ.-Prof. Dr. Jörg Keckstein. MEDMIX 07-08/2006.

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