Wechselnde Sehschärfe als frühes Warnzeichen für Diabetes

0

Wenn sich die Sehschärfe innerhalb eines Tages verändert, so könnte dies ein frühes Warnzeichen für eine bereits bestehende Diabetes-Erkrankung sein.

Im Grunde genommen kennt man schon lange den Zusammenhang einer sich am Tag verändernden Sehschärfe und Diabetes. Dabei könnte der Augenarzt Folgen von frühem Diabetes schon mit einer einfachen Untersuchung des Augenhintergrundes erkennen. Deswegen sind die Früherkennung sowie regelmäßige Untersuchungen des Auges bei Diabetes so wichtig. Denn sonst drohen schwere Netzhautschäden drohen. In unseren Breiten gilt beispielsweise die diabetische Retinopathie (oder auch Diabetisches Makulaödem, die Schädigung der Netzhautgefäße) noch immer als die häufigste Ursache für Erblindung.

 

Schwankungen der Sehschärfe durch Diabetes

Wenn Patienten in die Augenklinik von Schwankungen der Sehschärfe im Tagesverlauf berichten, so ist die Ursache dafür häufig Diabetes mellitus. Dabei passiert es immer wieder, dass manche Patienten vor der Augenuntersuchung gar nicht wissen, dass sie bereits an Diabetes erkrankt sind.

Typische Schilderungen dieser Patienten lauten: »Heute früh habe ich noch verschwommen gesehen, jetzt ist es wieder besser«. Es kann weiter passieren, dass eine optimal angepasste Brille wenige Tage später nicht mehr passt. Der Patient sieht dann mit den neuen Gläsern in der Ferne oder Nähe plötzlich wieder schlechter.

In vielen dieser Fälle liegt die Ursache bei Blutzuckerschwankungen, die auf die Stoffwechselerkrankung hinweisen. Dabei erhöht der steigende Blutzuckerspiegel den osmotischen Druck im Auge. Dadurch kommt es zu Wassereinlagerungen in der Augenlinse. Dadurch verändert sich die Form der Linse vorübergehend sowie die Fähigkeit, scharf zu sehen. Für diese schwankende Sehschärfe erkennt der Augenarzt dann oft als Ursache Dianetes.

 

Spiegelung des Augenhintergrundes

Der Ophthalmologe kann mit einer Spiegelung des Augenhintergrundes die Gefäße der Netzhaut, der Retina, untersuchen und diabetesbedingte Veränderungen erkennen. Und zwar bevor die Stoffwechselerkrankung sich mit anderen Symptomen bemerkbar macht. Für diese Untersuchung erweitert der Augenarzt zuvor die Pupille mit Augentropfen.

Je nach Schweregrad der Erkrankung kann man dann kleine rote Pünktchen auf der Netzhaut sehen. Dabei handelt es sich um Blutungen oder Aussackungen an den Gefäßen, sogenannten Mikroaneurysmen.

Zu weiteren krankhaften Veränderungen zählen Schwellungen, Gefäßneubildungen der Netzhaut oder Glaskörperblutungen. In jedem Fall fragt der Augenarzt Patienten mit schwankender Sehschärfe, ob ein Diabetes bekannt ist. Wenn nicht, dann muss der Hausarzt oder der Internist umgehend den Patienten auf Diabetes hin untersuchen.

 

Der Blutzucker schädigt die kleinen Blutgefäße

Wenn Diabetes unbehandelt voranschreitet, so schädigt der Blutzucker zunehmend die kleinen Blutgefäße, die die Netzhaut mit Nährstoffen versorgen. So weisen 80 Prozent der Patienten, die unter Diabetes mellitus Typ 2 leiden, nach zwanzig Jahren eine diabetische Retinopathie auf. In den Industrienationen ist dies die häufigste Erblindungsursache im erwerbsfähigen Alter. Deswegen sind auch regelmäßige Augenuntersuchungen für Diabetespatienten so wichtig. Denn die Retinopathie verläuft für Patienten lange Zeit ohne Symptome.

Wenn ein Patient unter dauerhaften Sehstörungen leidet, dann ist die diabetische Retinopathie schon sehr weit fortgeschritten. Daher müssen vor allem auch Menschen mit Diabetes Typ 2 regelmäßig eine augenärztliche Untersuchung bekommen. Bei gesunden Augen reicht eine Kontrolle pro Jahr.

 

Diagnostische Möglichkeiten

Wenn man das Ausmaß der Netzhautschädigung genauer erfassen muss, können Augenärzte eine Fluoreszenzangiographie durchführen. Dabei bekommen die Patienten einen Farbstoff in die Armvene. Diese invasive Maßnahme kann allerdings allergische Reaktionen auf den Farbstoff auslösen. Weitere Informationen liefert die optische Kohärenztomographie (OCT), die einzelne Netzhautschichten abbildet.

Recht neu ist die OCT-Angiographie, die ohne Farbstoffinjektion und Pupillenerweiterung auskommt. Damit lässt sich innerhalb von zehn Sekunden ein Bild von den Mustern der Netzhautgefäße machen, indem die Bewegung der roten Blutkörperchen gemessen wird. Deswegen gilt die OCT-Angiographie als die Technologie der Zukunft, da sie genau, nicht-invasiv und schnell ist.

Dementsprechend konnten Forscher jüngst mittels OCT-Angiographie mikrovaskuläre Veränderungen nachweisen, die anderen klinischen Untersuchung nicht entdeckt wurden. Dadurch kann man die Blutzuckerkontrolle optimieren und eine klinische Retinopathie vermeiden. Übrigens hilft auch die Senkung des Blutdrucks dabei, einer diabetischen Retinopathie entgegenzuwirken.

Literatur:

Thompson IA. Optical coherence tomography angiography characteristics in diabetic patients without clinical diabetic retinopathy. Eye (Lond). 2019 Apr;33(4):648-652. doi: 10.1038/s41433-018-0286-x. Epub 2018 Dec 3.

Voigt M, Schmidt S, Lehmann T, Köhler B, Kloos C, Voigt UA, Meller D, Wolf G, Müller UA, Müller N. Prevalence and Progression Rate of Diabetic Retinopathy in Type 2 Diabetes Patients in Correlation with the Duration of Diabetes. Exp Clin Endocrinol Diabetes. 2018 Sep;126(9):570-576. doi: 10.1055/s-0043-120570. Epub 2017 Nov 28.

Do DV, Wang X, Vedula SS, Marrone M, Sleilati G, Hawkins BS, Frank RN. Blood pressure control for diabetic retinopathy. Cochrane Database Syst Rev. 2015 Jan 31;1:CD006127. doi: 10.1002/14651858.CD006127.pub2.


Quelle: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG)

Share.

About Author

Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

Comments are closed.