Was psychisch krank heißt – WHO ICD-10

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Psychisch krank beschreibt verändertes Denken, Fühlen oder Wollen einer Person, was vom Betroffenen und seinem Umfeld als sozial einschränkend empfunden wird.

Unter dem Strich bezeichnet man Psychisch krank eine grundlegende Veränderung des Denkens, Fühlens oder Wollens eines Menschen, welche in der Regel von der Umgebung und vom Individuum selbst als sozial einschränkend empfunden wird. Psychisch krank ist genauso wie bei körperlich krank. Nur durch Definition von psychisch gesund und körperlich gesund abzugrenzen.

Beispiel Bluthochdruck: Es ist evident, dass 120/80 gesund und 220/140 krank ist. Dazwischen gibt es aber ein Kontinuum, in dem jeder Punktwert möglich ist. Möchte man eine Schwelle konstruieren, welche gesund und krank unterscheidet, so ist diese künstlich und unterliegt wechselnden Definitionen.

Psychische Störungen sind in der Regel ebenfalls in einem solchen Kontinuum befindlich: eine schwerste Depression ist erkennbar psychisch krank; die Schwelle allerdings zwischen einer sehr leichten, aber noch kranken Depression und einer gesunden Verstimmung ist genauso künstlich und definitionsabhängig wie beim Bluthochdruck.

 

Bezeichnung psychisch krank

Die Weltgesundheitsbehörde WHO hatte schließlich eine internationale Definition und Klassifikation von Erkrankungen vorgelegt. Damit ist die ICD-10 gemeint, die auch psychische Erkrankungen umfasst. Dadurch sind Erkrankungen definiert und international vergleichbar. Heute nennt man die Internationale Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation WHO ICD-10 (International Classification of Diseases).

Im Grunde genommen erfolgt mit Hilfe des ICD die Klassifikation sämtlicher Erkrankungen. Dabei wurde mit der Gründung der Weltgesundheitsorganisation WHO 1948 die erste Version des ICD herausgegeben. Damit haben Experten eine international anerkannte Systematik psychischer Störungen erarbeitet. Die derzeit aktuelle Ausgabe ist die ICD-10 mit 10 Hauptkriterien. Psychische Störungen sind im Kapitel V = F enthalten.

 

Ziele der Klassifikation

  • Beschreibung und Strukturierung von psychopathologischen Merkmalen
  • Zuordnung einer Störung zu einer Systemklasse (Diagnose)
  • Entscheidung über die Behandlung (Indikation)
  • Prognostische Aussage bezüglich des Verlaufes
  • Evaluierung von Behandlungsmethoden
  • Multiaxiales System nach ICD-10

Die Grundidee des multiaxialen Systems zur Diagnostik jedenfalls ist es, den jeweiligen Patienten umfassend auf Basis von klinisch relevanten Merkmalen zu beschreiben. Und zwar will man auf diese Weise der Komplexität gerecht werden.

  • Erstens Achse I: psychiatrische (Achse Ia) und somatische (Achse Ib) Erkrankungen.
  • Zweitens Achse II: soziale Behinderungen.
  • Drittens Achse III: Faktoren der sozialen Umgebung und der individuellen Lebensbewältigung.

 

Psychische und Verhaltensstörungen (ICD-10-Notation in Klammer)

  • Organische, einschließlich symptomatische psychischer Störungen (F00-F09)
  • Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (F10-F19)
  • Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen (F20-F29)
  • Affektive Störungen (F30-F39)
  • Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen (F40-F48)
  • Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren (F50-F59)
  • Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (F60-F69)
  • Intelligenzminderung (F70-F79)
  • Entwicklungsstörungen (F80-F89)
  • Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend (F90-F98)
  • Nicht näher bezeichnete Störungen (F99)

Quelle: https://ec.europa.eu/cefdigital/wiki/display/EHSEMANTIC/WHO+ICD-10+The+International+Statistical+Classification+of+Diseases+and+Related+Health+Problems+10th+Revision

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About Author

Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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