Was hilft gegen Zungenbrennen ? Muss man sich Sorgen machen?

Zungenbrennen, Burning-Mouth-Syndrom, Brennen der Lippen, des Gaumens oder der Mundschleimhäute können viele Ursachen haben. © patrisyu / shutterstock.com

Zungenbrennen, Burning-Mouth-Syndrom, Brennen der Lippen, des Gaumens oder der Mundschleimhäute können viele Ursachen haben. © patrisyu / shutterstock.com

Selten sind ernste Erkrankungen Ursache für das Burning-Mouth-Syndrom: doch was hilft gegen Zungenbrennen, was kann man tun, welche Hausmittel gibt es?

Nur sehr selten sind schwere Erkrankungen die Ursachen für Zungenbrennen. Betroffene empfinden es jedoch als äußerst unangenehm und die Lebensqualität beeinträchtigend, so gehen beispielsweise Mundtrockenheit und Geschmacksstörungen gehen oft mit Zungenbrennen einher. Im Zusammenhang steht das sogenannte Burning-Mouth-Syndrom (BMS) oder Schleimhautbrennen, das eines der am häufigsten auftretenden Schmerzzuständen im zahnärztlichen Umfeld ist. Peri- und postmenopausale Frauen in den Wechseljahren sind am häufigsten betroffen. Wobei die Patientinnen mit Burning-Mouth-Syndrom über anhaltende brennende Schmerzen, hauptsächlich an der Spitze und am bilateralen Zungenrand klagen. Was hilft nun gegen Zungenbrennen bei den betroffenen, meist älteren Patientinnen und Patienten?

 

Zungenbrennen ab 50 Jahre sehr häufig

Das Symptom betrifft Erwachsene der Generation 50+, wobei Frauen (vor allem in den Wechseljahren) häufiger als Männer betroffen sind. Oft geht das Zungenbrennen nach mehreren Jahren wieder weg.

Die Ursache von Zungenbrennen zu finden, ist bei nahe in jedem zweiten Fall kompliziert und problematisch. Viele der chronisch betroffenen Patienten leiden andauernd unter Zungenbrennen, andere nur hin und wieder. Verstärkt treten die Beschwerden meistens am Abend auf. Die Basis einer Anamnese sind Abklärungen zu Medikamenteneinnahmen, Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Mangelerscheinungen wie Vitamin- und Eisenmangel. Dennoch wird die Behandlung von Mund- und Zungenbrennen des Burning-Mouth-Syndroms als sehr schwierig bezeichnet.

 

Ursachen für Zungenbrennen

Das Burning-Mouth-Syndrom mit den Symptomen Zungenbrennen, Brennen der Lippen, des Gaumens oder der Mundschleimhäute können viele Ursachen haben:

 

Was hilft gegen Zungenbrennen?

Mundhygiene und Lifestyle / Essen und Trinken

Wichtig ist eine gesunde Mundflora, eine gute Mundpflege sowie die Zungenreinigung. Auch eine gesunde Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse sowie regelmäßige körperliche Bewegung beeinflussen die Mundflora. Alkohol und Nikotin sind negativ, auch stark gewürzte bzw. saure Speisen, die die Mundschleimhaut reizen, sind zu meiden. Eine vermehrte Flüssigkeitszufuhr ist in jedem Fall sinnvoll, da Patienten mit Zungenbrennen häufig zu wenig trinken.

 

Was aus der Apotheke hilft gegen Zungenbrennen

Verschiedene lokal eingesetzte Mittel aus der Apotheke mit den Wirkstoffen Lidocain oder Capsaicin können symptomatisch wirken. Diese wirken entzündungshemmend und betäuben die Schleimhaut. Das wirkt lindernd auf die Beschwerden.

 

Volksmedizin: welche Hausmittel gibt es?

Urin gurgeln – die Eigenurintherapie – ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auch gegen Zungenbrennen beziehungsweise Burning Mouth Syndrom helfen soll. Dazu soll man mehrmals täglich Gurgeln und Schlucken. Dabei können sofortige Erfolge die von den meisten Menschen als ungustiös empfundene Behandlung rechtfertigen. Weiters kommen homöopathische Zubereitungen in Betracht –beispielsweise aus der Giftpflanze Seidelbast. Zur Linderung der Beschwerden empfehlen Experten auch die Heilpflanzen Kamille und Salbei. Das Gurgeln von Salbei ist ein klassischer Tipp.

 

Selbstgemachter Speichelersatz

Eine neue Studie konnte nun zeigen, dass ein selbst hergestellter Speichelersatz eine günstige, einfach herstellbare, nicht zytotoxische und praktische Alternative zur Linderung von Symptomen eines Burning Mouth Syndroms ist. Und zwar haben Frauen über 40 Jahre die Wirkung eines Speichelersatzes mit Kamillen-Blüten- und Leinsamen  zur Linderung der Symptome des primären brennenden Mundsyndroms (BMS) beobachtet. Weiter haben die Studienautoren die möglichen zellulären zytotoxischen Wirkung untersucht. Die meisten Patientinnen waren wegen Bluthochdruck, Depressionen oder Angstzuständen in Behandlung. Die Mehrzahl rauchte, trank aber keinen Alkohol.

Alle Patientinnen kauften ganze Leinsamen und trockene Kamillenblüten im selben Geschäft, um eine vergleichbare Produktzusammensetzung und Produktqualität sicherzustellen. Damit wollte man das Risiko einer Verzerrung vermeiden.

Zur Herstellung des selbstgemachten Speichelersatzes mischten die Patienten 200 ml Wasser einerseits mit zwei Esslöffeln Leinsamen (10 g) und kochten die Mischung, um einen Schleim herzustellen. Die Mischung blieb bis zum Abkühlen eingeweicht. Danach wurden die Samen herausgesiebt.

Andererseits wurde ein Tee zubereitet, mit 200 ml frisch gekochtes Wasser über einen Esslöffel (1 g) Kamillenblüten. Vor dem Sieben sollte der Tee 10 Minuten lang ziehen.

Der Leinsamenschleim und der Tee mit den Kamillenblüten wurden dann zu gleichen Anteilen gemischt, um den Speichelersatz herzustellen. Das Gemisch wurde dann 3 Tage lang bei 4 ° C gekühlt.

Schließlich wurden die Patienten angewiesen, ihren Mund drei- bis viermal täglich 1 Minute lang mit dem Leinsamen-Kamillenblüten-Gemisch zu spülen. Es wurde empfohlen, eine deutsche Kamillenblüte ( M. chamomilla L.) und keine römische Kamillenblüte [ Chamaemelum nobile (L.) All .] zu verwenden.

Unter dem Strich war das Ergebnis sehr gut. Nach der Behandlung nahmen die Schwere der BMS-Symptome und die Speichelviskosität ab. Hingegen nahm ie Speicheldurchflussrate. Weiter litten auch Patienten, die angaben, an Mundtrockenheit zu leiden, weniger an den Beschwerden.

 

Was hilft gegen Zungenbrennen, wenn die Psyche oder Mangelerscheinungen daran schuld sind?

Im Grunde genommen können bei Mangelerscheinungen die dementsprechenden Präparate mit Vitaminen, Folsäure oder Eisen helfen. Auch die Psychotherapie kann manchmal wirksam sein.

 

Low-Level-Laser Therapie: Photobiomodulation zur Behandlung des primären Burning Mouth Syndrom

Eine systematische Überprüfung und Metaanalyse untersuchte die Wirksamkeit der Low-Level-Laser Therapie bei der Behandlung des primären Burning Mouth Syndroms. Die Forscher wollten vor allem wissen, wie sehr die Photobiomodulation die Schmerzen, das Schleimhaut- beziehungsweise Zungenbrennen verringern und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern kann. Zu beiden Fragestellungen konnte diese Low-Level-Laser-Therapie Wirksamkeit und Sicherheit bei der Behandlung von pBMS zu gewährleisten.

 

Rezeptpflichtige Medikamente

Schließlich kommen Burning Mouth Syndrom auch verschiedene rezeptpflichtige Medikamente zum Einsatz. Vor allem wenn der Arzt als Ursache für das Zungenbrennen eine Erkrankung diagnostiziert hat.


Literatur:

Aitken-Saavedra J, Chaves Tarquinio SB, De Oliveira da Rosa WL, et al. Effect of a Homemade Salivary Substitute Prepared Using Chamomile (Matricaria chamomilla L.) Flower and Flax (Linum usitatissimum L.) Seed to Relieve Primary Burning Mouth Syndrome: A Preliminary Report. J Altern Complement Med. 2020;26(9):799-806. doi:10.1089/acm.2019.0478

Zhang W, Hu L, Zhao W, Yan Z. Effectiveness of photobiomodulation in the treatment of primary burning mouth syndrome-a systematic review and meta-analysis [published online ahead of print, 2020 Jul 29]. Lasers Med Sci. 2020;10.1007/s10103-020-03109-9. doi:10.1007/s10103-020-03109-9

Chen Q, Shi Y, Jiang L, et al. Management of burning mouth Syndrome: A position paper of the Chinese Society of Oral Medicine [published online ahead of print, 2020 Jun 26]. J Oral Pathol Med. 2020;10.1111/jop.13082. doi:10.1111/jop.13082

Bender SD. Burning Mouth Syndrome. Dent Clin North Am. 2018 Oct;62(4):585-596. doi: 10.1016/j.cden.2018.05.006. Epub 2018 Jul 27. PMID: 30189984.

Jääskeläinen SK, Woda A. Burning mouth syndrome. Cephalalgia. 2017;37(7):627-647. doi:10.1177/0333102417694883

Zakrzewska J, Buchanan JA. Burning mouth syndrome. BMJ Clin Evid. 2016;2016:1301. Published 2016 Jan 7.


Quellen:

http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/burning-mouth-syndrome/symptoms-causes/dxc-20179960

http://www.nidcr.nih.gov/oralhealth/Topics/Burning/BurningMouthSyndrome.htm

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