Was bei Fingerarthrose hilft, welche Wirkstoffe effektiv sind

60-70% der Bevölkerung über 65 Jahre zeigt Zeichen einer Fingerarthrose. © Image Point Fr / shutterstock.com

60-70% der Bevölkerung über 65 Jahre zeigt Zeichen einer Fingerarthrose. © Image Point Fr / shutterstock.com

Symptome und Schmerzen einer Fingerarthrose kann man meist wirksam behandeln – vor allem wenn man die Ursachen kennt, weiss man was hilft.

Die Fingerarthrose beziehungsweise Hand-Arthrose ist eine weit verbreitete Krankheit, die zu erheblichen Schmerzen und körperlichen Behinderungen führen kann. Derzeit gibt es keine krankheitsmodifizierenden Medikamente zur Behandlung dieser Volkskrankheit. Dennoch zeigen immer mehr Studien, was bei Hand- beziehungsweise Fingerarthrose hilft, wie man die verschiedenen Symptome und Schmerzen behandeln kann, wobei man die jeweiligen Ursachen herausfinden muss.

 

Arthosen – Verlust des Knorpels

Als Arthrosen bezeichnet man jene Krankheiten der Gelenke, bei denen der Verlust des Knorpels im Mittelpunkt des Geschehens steht. Die Ursache der Arthrose – wie der Fingerarthrose – liegt meistens gar nicht in einer Erkrankung des Knorpelgewebes selbst. Sondern es kommt zur Veränderung der Umgebung, deren Konsequenzen sich auf den Knorpel niederschlagen. Da der Knorpel durch ganz unterschiedliche, auch vorübergehende Krankheiten geschädigt werden kann, stellt die Arthrose bezüglich ihrer Genese ein sehr heterogenes Krankheitsbild und die gemeinsame Endstrecke vieler verschiedener Gelenkkrankheiten dar.

Die Arthrose ist ein sehr verbreitetes Leiden, mit dem die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens in Berührung kommen. In den Statistiken der Krankenkassen besitzt sie hinsichtlich Behandlungskosten, Arbeitsausfall und Invalidität einen hohen Stellenwert.

 

Fingerarthrose mit Befall der Fingergelenke am häufigsten

Prinzipiell kann sich an jedem Gelenk des Körpers eine Arthrose entwickeln. Eine der häufigsten Manifestationen der Arthrose ist der Befall der Fingergelenke – die Fingerarthrose. Unter dem Strich entwickeln 60 bis 70% der Menschen über 65 Jahre Symptome einer Fingerpolyarthrose. Einen Sonderfall stellt die erosive Verlaufsform dar, die aufgrund ihres aggressiven, gelenkzerstörenden Verlaufes besondere Bedeutung hat.

Allgemein gilt, dass sich erste, klinisch meist noch stumme röntgenologische Hinweise auf Arthrosen oft bereits am Anfang des 4. Lebensjahrzehnts finden, mit 65 bis 70 Jahren hat sie fast jeder Mensch. Dabei ist das Ausmaß des radiologischen Befundes keineswegs Gradmesser für die Beschwerden. Dabei können die auch bei schweren morphologischen Veränderungen geringfügig sein oder sogar fehlen.

Die verbreitete Anschauung, dass die Arthrose ausschließlich eine Erkrankung alter Menschen sei, ist nicht richtig. Ebenso wenig ist es richtig, dass im Alter zwangsläufig Arthrosen entstehen. Mit zunehmendem Alter steigt nur die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Arthrose manifestiert.

 

Falsche Belastung häufige Ursache der Fingerarthrose

Im Grunde genommen sind mechanische Faktoren wie Überbelastungen und Fehlbelastungen häufige Ursachen für Fingerarthrose. Die mechanische Abnutzung eines Gelenkes brachte den eher irreführenden Begriff „Verschleißkrankheit“. Besser beschreibt der Begriff „degenerative Gelenkkrankheit“ den langsamen Fortschritt der Arthrose über die Jahre.

Denn der langsame Verlauf führt natürlich dazu, dass Arthrosen mit zunehmendem Alter häufiger auftreten. Zwar beruhen auch die normalen Alterserscheinungen auf degenerativen Veränderungen des Knorpels. Doch führen sie nicht zwangsläufig zum Krankheitsbild der Arthrose. Die Arthrose ist deshalb keine unabwendbare Alterserscheinung.

Entsprechend der unterschiedlichen Genese muss die Therapie der Arthrose ganz unterschiedlichen Ansätzen entsprechen. Eine Therapie zielt darauf ab, die Noxen auf den Knorpel zu reduzieren.

Schließlich will man auch die Knorpelzellen in ihrer Vitalität und Leistungsfähigkeit verbessern. Gerade der letzte Aspekt steht seit Jahren im Mittelpunkt der Forschung.

 

Was bei Fingerarthrose hilft, wie man sie wirksam behandeln kann

Jedenfalls gehören in der Therapie der Fingerpolyarthrose – der Fingerarthrose – die Ergotherapie und Schienen zur Vermeidung von Deformitäten seit Jahren zum Standardrepertoire. Zudem kommen vor allem Wärmetherapien, Salben, Schmerzmittel und hier vor allem die sogenannten NSAR gegen die Schmerzen zum Einsatz. Unter dem Strich gibt es auch sehr gute rezente Daten, dass eine Ergotherapie für die Hand eine sehr gute kurzfristige Wirkung gegen die Schmerzen bringt.

Was bei Fingerarthrose hilft sind auch zahlreiche Nährstoffe wie die bestimmte Inhaltsstoffe aus Weinbeeren, Grüntee, Mandarine, Brokkoli und Gelbwurzel. Denn diese hemmen die Sekretion entzündlicher Botenstoffe. Allerdings lassen sich abschließende Aussagen zu dem therapeutischen Einsatz aktuell noch nicht treffen. Zudem gibt es zahlreiche weitere pflanzliche Mitteln. Dazu zählen die Zubereitungen aus Löwenzahn, Brennnessel, Ackerschachtelhalms, Weidenrinde, Arnika, Beinwell, Rosmarin, Wacholder, Teufelskralle und Heublumen.

Die Symptomatic slow-acting drugs in osteoarthritis (SYSADOA) wie Chondroitinsulfat, Glukosamin, Hyaluronsäure sind in klinischen Studien nicht ausreichend untersucht. Für krankheitsmodifizierende Medikamente (DMARD) wie Hydrochloroquin und Methotrexat stehen ausreichende Wirksamkeitsbelege in klinischen Studien nicht zur Verfügung. Methotrexat wird derzeit intensiv untersucht. Schließlich konnte man bis jetzt auch die Wirksamkeit von Biologika nicht zeigen.

 

Was bei Fingerarthrose bei schweren Verläufen hilft Operation

Schließlich muss man bei schweren Verlaufsformen der Fingerarthrose mittels Operation behandeln. Und zwar in Form von Gelenkversteifung und endoprothetischem Gelenkersatz. Die Operationen sollen vor allem von den Schmerzen durch die Fingerarthrose befreien. Man korrigiert damit entstandene Deformierungen. Der Erhalt der Beweglichkeit des Fingergelenks gelingt allerdings meist nicht oder nicht vollständig.

Übrigens zeigte eine rezente dänische Studie, dass Berufe, bei denen man mehr Handkraft einsetzen muss, ein höheres Risiko für eine Operation bei Fingerarthrose beziehungsweise bei trapeziometakarpaler Arthrose den Daumensattelgelenks haben, und zwar um die Schmerzen und andere Symptome, die die Funktion der Hand und der Finger beeinträchtigen, in den Griff zu bekommen.


Literatur:

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Quelle:

Statement » Volkskrankheit Fingerarthrose «. Professor Dr. med. Wolfgang Rüther. Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik am Klinikum Bad Bramstedt und der Klinik und Poliklinik für Orthopädie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. 2016 Berlin.

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