Was bei Fingerarthrose hilft, welche Wirkstoffe effektiv sind

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Sie ist keine unbehandelbare Alterserscheinung und ein schmerzhaftes Schicksal! Denn heute weiss man sehr genau, was gegen die Volkskrankheit Fingerarthrose hilft.

Die Fingerarthrose beziehungsweise Hand-Arthrose ist eine weit verbreitete Krankheit, die zu erheblichen Schmerzen und körperlichen Behinderungen führen kann. Derzeit gibt es keine krankheitsmodifizierenden Medikamente zur Behandlung dieser Volkskrankheit. Dennoch zeigen verschiedene Untersuchungen, was vor allem gegen die verschiedenen Beschwerden und Schmerzen bei Hand- beziehungsweise Fingerarthrose hilft.

 

Arthosen – Verlust des Knorpels

Als Arthrosen bezeichnet man jene Krankheiten der Gelenke, bei denen der Verlust des Knorpels im Mittelpunkt des Geschehens steht. Die Ursache der Arthrose – wie der Fingerarthrose – liegt meistens gar nicht in einer Erkrankung des Knorpelgewebes selbst. Sondern es kommt zur Veränderung der Umgebung, deren Konsequenzen sich auf den Knorpel niederschlagen. Da der Knorpel durch ganz unterschiedliche, auch vorübergehende Krankheiten geschädigt werden kann, stellt die Arthrose bezüglich ihrer Genese ein sehr heterogenes Krankheitsbild und die gemeinsame Endstrecke vieler verschiedener Gelenkkrankheiten dar.

Die Arthrose ist ein sehr verbreitetes Leiden, mit dem die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens in Berührung kommen. In den Statistiken der Krankenkassen besitzt sie hinsichtlich Behandlungskosten, Arbeitsausfall und Invalidität einen hohen Stellenwert.

 

Befall der Fingergelenke am häufigsten

Prinzipiell kann sich an jedem Gelenk des Körpers eine Arthrose entwickeln. Eine der häufigsten Manifestationen der Arthrose ist der Befall der Fingergelenke – die Fingerarthrose. 60-70% der Bevölkerung über 65 Jahre zeigt Zeichen einer Fingerpolyarthrose. Einen Sonderfall stellt die erosive Verlaufsform dar, die aufgrund ihres aggressiven, gelenkzerstörenden Verlaufes besondere Bedeutung hat.

Allgemein gilt, dass sich erste, klinisch meist noch stumme röntgenologische Hinweise auf Arthrosen oft bereits am Anfang des 4. Lebensjahrzehnts finden, mit 65 bis 70 Jahren hat sie fast jeder Mensch. Dabei ist das Ausmaß des radiologischen Befundes keineswegs Gradmesser für die Beschwerden. Dabei können die auch bei schweren morphologischen Veränderungen geringfügig sein oder sogar fehlen.

Die verbreitete Anschauung, dass die Arthrose ausschließlich eine Erkrankung alter Menschen sei, ist nicht richtig. Ebenso wenig ist es richtig, dass im Alter zwangsläufig Arthrosen entstehen. Mit zunehmendem Alter steigt nur die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Arthrose manifestiert.

 

Ursache Falsche Belastung

Im Grunde genommen sind mechanische Faktoren wie Überbelastungen und Fehlbelastungen häufige Ursachen für Arthrosen. Die mechanische Abnutzung eines Gelenkes brachte den eher irreführenden Begriff „Verschleißkrankheit“. Besser beschreibt der Begriff „degenerative Gelenkkrankheit“ den langsamen Fortschritt der Arthrose über die Jahre.

Denn der langsame Verlauf führt natürlich dazu, dass Arthrosen mit zunehmendem Alter häufiger auftreten. Zwar beruhen auch die normalen Alterserscheinungen auf degenerativen Veränderungen des Knorpels. Doch führen sie nicht zwangsläufig zum Krankheitsbild der Arthrose. Die Arthrose ist deshalb keine unabwendbare Alterserscheinung.

Entsprechend der unterschiedlichen Genese muss die Therapie der Arthrose ganz unterschiedlichen Ansätzen entsprechen. Eine Therapie zielt darauf ab, die Noxen auf den Knorpel zu reduzieren.

Schließlich will man auch die Knorpelzellen in ihrer Vitalität und Leistungsfähigkeit verbessern. Gerade der letzte Aspekt steht seit Jahren im Mittelpunkt der Forschung.

 

Was bei Fingerarthrose hilft – wie man sie wirksam behandeln kann.

Jedenfalls gehören in der Therapie der Fingerpolyarthrose – der Fingerarthrose – die Ergotherapie und Schienen zur Vermeidung von Deformitäten seit Jahren zum Standardrepertoire. Zudem kommen vor allem Wärmetherapien, Salben, Schmerzmittel und hier vor allem die sogenannten NSAR gegen die Schmerzen zum Einsatz.

Wirkstoffe aus Weinbeeren, Grüntee, Mandarine, Brokkoli und Gelbwurzel hemmen die Sekretion entzündlicher Botenstoffe. Allerdings lassen sich abschließende Aussagen zu dem therapeutischen Einsatz aktuell noch nicht treffen. Zudem gibt es zahlreiche weitere pflanzliche Mitteln. Dazu zählen die Zubereitungen aus Löwenzahn, Brennnessel, Ackerschachtelhalms, Weidenrinde, Arnika, Beinwell, Rosmarin, Wacholder, Teufelskralle und Heublumen.

Die sogenannten Symptomatic slow-acting drugs in osteoarthritis (SYSADOA) wie Chondroitinsulfat, Glukosamin, Hyaluronsäure sind in klinischen Studien nicht ausreichend untersucht. Für krankheitsmodifizierende Medikamente (DMARD) wie Hydrochloroquin und Methotrexat stehen ausreichende Wirksamkeitsbelege in klinischen Studien nicht zur Verfügung. Methotrexat wird derzeit intensiv untersucht. Schließlich konnte man bis jetzt auch die Wirksamkeit von Biologika nicht zeigen.

Den schweren Verlaufsformen der Fingerarthrose bleibt die operative Therapie in Form von der Gelenkversteifung und dem endoprothetischen Gelenkersatz vorbehalten. Die Operationen sind vor allem schmerzbefreiend. Sie korrigieren entstandene Deformierungen. Der Erhalt der Fingergelenkbewegung gelingt meist nicht oder nicht vollständig.

Literatur:

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Hochberg MC1, Altman RD, April KT, Benkhalti M, Guyatt G, McGowan J, Towheed T, Welch V, Wells G, Tugwell P; American College of Rheumatology. American College of Rheumatology 2012 recommendations for the use of nonpharmacologic and pharmacologic therapies in osteoarthritis of the hand, hip, and knee. Arthritis Care Res. 2012;64(4):465-74.

Klaus P, Detert J. Entzündliche Fingerpolyarthrose – Herausforderungen in der Diagnostik und Therapie. Dtsch Med Wochenschr. 2014;139(17):898-904.

Punzi L, Frigato M, Frallonardo P, Ramonda R. Inflammatory osteoarthritis of the hand. Best Pract Res Clin Rheumatol. 2010;24(3):301-12.

Sahinbegovic E, Schett G. Therapiestrategien der erosiven Fingerpolyarthrose. Internist 2011;52:682-7

Valdes K, Marik T. A systematic review of conservative interventions for osteoarthritis of the hand. J Hand Ther. 2010;23(4):334-50.


Quelle:

Statement Volkskrankheit Fingerarthrose – Professor Dr. med. Wolfgang Rüther, Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik am Klinikum Bad Bramstedt und der Klinik und Poliklinik für Orthopädie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf 2016, Berlin.

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About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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