Das Wachstumsvitamin Riboflavin oder Vitamin B2

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Axel Rhindt
Axel Rhindt
MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

Riboflavin (oder Lactoflavin, Ovoflavin, Vitamin B2 bzw. Vitamin G) wird im Volksmund als Wachstumsvitamin bezeichnet und gehört zum Vitamin B-Komplex.

Riboflavin wird auf Grund biochemischer Synergien und Abhängigkeiten oft im B-Komplex eingesetzt. Zu Recht gelten B-Vitamine  als „Energievitamine“ – durch ihre bedeutende Rolle im Energiestoffwechsel werden sie gegen Leistungsabfall, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Erschöpfung bis hin zu depressiven Verstimmungenpräventiv präventiv, supportiv und curativ eingesetzt. Bei Haut-, Schleimhaut- und Nervenaffektionen aber auch bei Augenbeschwerden sind sie ebenfalls eine vielversprechende und risikolose Therapieoption. Durch seinen Beitrag zur Homocystein-Entgiftung wird Riboflavin in Kombination mit Folsäure, Vitamin B12 und Vitamin B6 in der Prävention der Atherosklerose eingesetzt. Dem Riboflavin wird vor allem positiver Einfluss für Haut und Augen zugesprochen.

Als Wachstumsvitamin wird Riboflavin deswegen volkstümlich bezeichnet, da Vitamin B2 an der Steuerung zahlreicher Wachstumsprozesse beteiligt ist. Das Vitamin unterstützt die Umwandlung von Eiweißen, Fetten und Kohlehydraten im Stoffwechsel, was Energie freisetzt, die wiederum unter anderem für Wachstumsprozesse zur Verfügung gestellt wird.

Klinische Therapieansätze mit Riboflavin

Klinische Therapieansätze mit hohen Dosen von Riboflavin als wesentlichem Teil der Zellatmung existieren für mitochondriale Myopathien und Atmungskettendefekte. Auch bei sonstigen Dysfunktionen der „Zellkraftwerke“ können Mitochondrien-Substrate wirksam sein.

So wird das Wachstumsvitamin – vor allem in Kombination mit Coenzym Q10, NADH u.a. – fallweise mit Erfolg in der Migräneprophylaxe oder bei CFS eingesetzt. Synergistisch wirken hierbei seine antioxidativen, lipidmembranprotektiven Effekte, da oxidativer Stress und radikalassoziierte Schäden (wie Lipidperoxidation) im Besonderen die vulnerable Mitochondrienmembran betreffen.

 

Riboflavin für die Augen

Riboflavin wird auch unterstützend für die durch UV-Strahlung stark radikalbelastete Augenlinse eingesetzt, wo eine besonders hohe Glutathionreduktaseaktivität für gelöste Linsenproteine nötig ist. Eine schlechte Riboflavin-Versorgung korreliert in epidemiologischen Studien mit einem erhöhten Kataraktrisiko.

Bei Augenbeschwerden kommt Riboflavin daher am häufigsten zum Einsatz: vorwiegend in Form von (Augen-) Antioxidantien-Mischungen und Vitamin-B-Komplex-Präparaten. Zielgruppen für eine Supplementierungsempfehlung sind vor allem Senioren, Patienten mit chronischen Erkrankungen und/oder Dauermedikamenten (bes. Trizyklika), Migräne, Energiemangelsymptomen, (Schleim-)Haut- und Nervenproblemen sowie Personen mit erhöhtem B(2)-Vitamin-Bedarf.

 

Riboflavin in Nahrungsquellen

Wenn man sich ausgewogen und abwechslungsreich ernährt, ist kein Riboflavin-Mangel zu befürchten. Das intensiv gelbe, wasserlösliche, UV-empfindliche Riboflavin findet sich – mit seinen Coenzymen – reichlich in tierischen Lebensmitteln, vor allem in Milchprodukten, Eiern, Leber, Fleisch und Fisch. Beste pflanzliche Quellen sind Weizenkeime, Vollkornprodukte, Mandeln, Hefe und Soja, etwas weniger Riboflavin ist hingegen in Gemüse und Obst enthalten, hier sind Broccoli, Spargel oder Spinatgute die wichtigsten Lieferanten.

Mangelursachen

Mangelzufuhr/Wechselwirkungen: (meist vergesellschaftet mit anderen B-Mängeln, Symptome überlappen)

  • UV-Lagerungs-Verluste in Lebensmitteln
  • Malnutrition, Milchunverträglichkeit
  • Malabsorption: Alkoholismus, Sprue, Colitis,…
  • Medikamente: trizykl. Antidepressiva!, Kontrazeptiva!, Antibiotika, Antiepileptika, Zytostatika, Reverse-Transkriptasehemmer
  • Ballaststoffe, Mineralstoffe in hohen Dosen (Al, Fe, Cu, Zn)

 

Erhöhter Bedarf:

  • SST, Wachstum, Schwerarbeit, Sport, Stress, Rauchen
  • Schwere Krankheiten: Mitochondriopathien, AIDS, Colitis,…
  • UV-Therapie der Neugeborenen-Gelbsucht

 

Mangelsymptome

  • Haut/Schleimhaut: Rhagaden (um Mund, Nase), Glossitis, Stomatitis, Dermatitis
  • Auge: Konjunktivitis, Keratitis, UV-Empfindlichkeité, Linsentrübung
  • Mitochondrien: Energiemangel, Leistungsabfall, Müdigkeit, Myopathien, Migräne
  • ZNS: Depression, Müdigkeit, Lethargie, Migräne
  • STW-Störungen von B-Vitaminen (B3, B6, B12, Folsäure), Eisen und Glutathion
  • Blut: Hypochrome Anämie, Homocysteiné
  • Embryonalentwicklungsstörungen, Missbildungen

 

Riboflavin unter der pharmazeutischen Lupe

Riboflavin ist Baustein der ausgeprägt redoxaktiven Coenzyme Flavin-Adenin-Dinucleotid (FAD/FADH+H+) und Flavin-Mononucleotid (FMN/FMNH+H+), welche Elektronentransporter in etwa 60 Oxidoreduktasen des Stoffwechsels sind. Flavinabhängige Enzyme katalysieren zB die β-Oxidation von Fettsäuren, den Aminosäure- und Purinabbau und sind als Teil der mitochondrialen Atmungskette essenziell für die Energiegewinnung aus Kohlehydraten, Fetten und Eiweißen.

Flavine wirken außerdem antioxidativ, vor allem als Co-Faktor der Bereitstellung von reduziertem Glutathion (GSH) – einem der wichtigsten endogenen Antioxidanzien. Auch die hepatische CYP-450-Entgiftung, die Phagozytose, der Eisen-, B3-, B6-, B12-, Folsäure-Stoffwechsel und nicht zuletzt die Embryonalentwicklung, Haut-, Schleimhaut- und Myelinbildung sind von Flavin-Nucleotiden abhängig.

 

Digestion/Absorption

Riboflavin wird nach Hydrolyse aus FAD/FMN im Darm fast quantitativ – aber sättigbar – über einen aktiven Transport in hohen Dosen über passive Diffusion resorbiert. Chelatierung mit Metallen oder Ballaststoffen kann die Verfügbarkeit einschränken. Spezifische Proteine transportieren Riboflavin/FAD/FMN zu Leber und Geweben, wobei diese sich besonders im Auge, Erythrocyten, Leber und Milz anreichern und etwa 2 bis 6 Wochen speicherbar sind. Riboflavin wird im Harn eliminiert, wobei auch seine Metaboliten gelb sind.

Quelle und weitere Information:

Das Wachstumsvitamin Riboflavin / Vitamin B2. MEDMIX 08/2008.

https://www.nlm.nih.gov/medlineplus/ency/article/002411.htm

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