Wacholder für die Verdauung, bei Sodbrennen, Rheuma und Gicht

Hauptanwendungsgebiet für den Wacholder heute sind Verdauungsbeschwerden wie Aufstoßen, Völlegefühl und Sodbrennen. © FooTToo / shutterstock.com

Hauptanwendungsgebiet für den Wacholder heute sind Verdauungsbeschwerden wie Aufstoßen, Völlegefühl und Sodbrennen. © FooTToo / shutterstock.com

Wacholder wird in der Naturmedizin vor allem als Tee zur Unterstützung bei Verdauung, Harnausscheidung und gegen Sodbrennen sowie in der Rheuma- und Gicht-Therapie eingesetzt.

Im Grunde genommen setzt man den Wacholder, Juniperus communis, schon seit der Antike in der Kräutermedizin ein. Traditionell wird die Pflanze als Mittel für die Verdauung, gegen Durchfall und Sodbrennen sowie bei Rheuma und Gicht ein. Die heilenden Naturstoffe der Pflanze entfalten entzündungshemmende, Haut und Schleimhaut adstringierende (zusammenziehende) und antiseptische Wirkungen. Die Pflanze ist jedenfalls durch ihre vielen chemischen Wirkstoffe, die für verschiedene medizinische und pharmakologische Eigenschaften verantwortlich sind, eine wichtige Heilpflanze mit vielen gesundheitlichen Vorteilen gegen zahlreiche Erkrankungen.

 

Der Wacholder-Baum

Der bis zu zwölf Meter hohe Wacholder ist charakteris­tisch für Heidelandschaften. Der Baum spielt für den Naturschutz und das Landschaftsbild eine bedeutende Rolle. Nicht zu letzt deswegen wurde der Wacholder Baum 2002 zum Baum des Jahres gekürt. Damit wollte man auch um auf die Seltenheit der Baum­art, auf die ­Gefährdung durch neuartigen Waldschäden oder Baumkrankheiten, auf die Bedeutung eines Baumes für die Menschen, auf die Relevanz der Bäume für eine Ökosystem oder auf den Lebensraum des Baumes hinzuweisen. Auch heutzutage wird Wacholder in verschiedenen Varianten in der Apotheke angeboten, wobei Wirkung gegen Sodbrennen, Gicht und Rheuma. Zudem sind die Inhaltsstoffe von Wacholder gut für die Verdauung und die Harnwege.

 

Wacholder – ein Baum in der Naturheilkunde

Die diuretische Wirkung von Wacholder kommt durch die nierenreizenden Inhaltsstoffe der Scheinfrüchte zustande. Wacholder darf deswegen nur in Kombination mit anderen Diuretika eingesetzt werden, da die Verwendung des Wacholder als Einzeldroge leicht zu einer Überdosierung und daraus resultierender Nierenschäden führen kann.

Bereits im alten Rom hat Dioskurides – Leibarzt Neros und berühmteste Pharmakologe der Antike – die Blätter des Wacholder gegen Schlangenbisse eingesetzt. Plinius wusste, dass die Samenkörner von Wacholder gut für die Verdauung sowie bei Magen-, Lungen- und Seitenschmerzen seien.

Weiter, meinte er, sei Wacholder bei Schwellungen und Erkältungen sinnvoll, soll die Schärfe des Hustens lindern und Geschwüre zum Stillstand bringen. In Wein getrunken festigt Wacholder den Leib, fördert Verdauung sowie den Harn und ist ein Schutz- und Gegenmittel bei Vergiftungen.

Wacholder heißt munterer, lebensfrischer Baum. Und zwar wohl wegen seiner immergrünen Blätter.

Pharmazeutisch werden vom Wacholder (Juniperus communis) die Wacholderbeeren (Fructus Juniperi) – das sind die reifen, sorgfältig getrockneten Beerenzapfen (Scheinfrüchte) – sowie das Wacholderholz (Lignum Juniperi) verwendet.

Die Nutzung der Wacholderbeeren als Diuretikum ist stark umstritten, da die Diurese durch eine (unter Umständen toxische) Reizung der Nieren ausgelöst wird. Hauptanwendungsgebiet für den Wacholder heute sind Verdauungsbeschwerden wie Aufstoßen, Völlegefühl und Sodbrennen.

 

Ursprung des »Zauberbaums« gegen Kobolde, Druden, Hexen, böse Dämonen und sogar den Teufel

Der Wacholderstrauch wird manchmal auch als Wacholderbaum bezeichnet. Das ist abhängig vom jeweiligen Geäst. Doch gerade in den Urzeiten unseres Kontinents hatte der Wacholderstrauch als Zauberbaum eine noch sehr viel größere Bedeutung, weil seine Zweige mit den stechenden Nadeln Kobolde, Druiden, Hexen, sogar den Teufel und alle bösen Dämonen in die Flucht schlagen konnten.

Der Wacholderstrauch beziehungsweise ein aus seinem Holz hergestellter Schemel entlarvte auch Hexen und Zauberer. Wenn die Milch gut buttern sollte, wurde sie mit einem Wacholderstecken gerührt, damit sie nicht verhext werden konnte.

 

Hohes Ansehen im Laufe der Geschichte

Der Name »Wacholder« ist im ersten Wortteil auf das althochdeutsche »wehal« oder »wechal« zurückzuführen, was lebendig, munter bedeutet. Der zweite Wortteil bedeutet Baum oder Strauch (vergleiche engl. tree). Zusammengesetzt bedeutet der Name also »munterer, lebensfrischer Baum« – wohl wegen seiner immergrünen Blätter.

Im Mittelhochdeutschen nannte man den Wacholderstrauch »Queckolder« (queck = lebendig, munter; heute noch gebräuchlich in »quicklebendig«). Volkstümlichen Bezeichnungen sind »Wäckholder« (Eifel), »Weckolder« (Schwaben), »Queckholder« (Elsaß), »Wachandel« (Norddeutschland). In Süddeutschland und Österreich ist auch der Name »Kranewitt« als Bezeichnung üblich, daraus abgeleitet der Name Krametsvogel für die Wacholderdrossel. Auch in Ortsnamen – Kronabitten bei Innsbruck, Kramsach im Inntal, Kranzach in Oberbayern – findet man den Kranewitt wieder.

Wacholder bringt die Harnwege sowie die Verdauung in Schwung und hilft bei Beschwerden durch Gicht und Rheuma sowie gegen Sodbrennen.

Der Wacholder Baum genoss schon immer ein hohes Ansehen. Er lieferte den Germanen das heilige Holz, das diese bei ihren Opferritualen verwendeten. Es war deswegen verboten, dass man einen Wacholderstrauss zu profanen Zwecken fällt. Der Wacholderstrauch ist auch heute eine geschützte Pflanze.

Wacholderbeeren dürfen aber gesammelt werden. Das sollte man im Herbst machen, wenn sie blau bereift sind. Zum Trocknen werden die Wacholderbeeren in dünner Schicht in einem ­geheizten Raum ausgebreitet. Nach der Trocknung stark geschrumpft verbreiten sie einen kräftigen aromatischen Geruch.

 

Wacholder für Speis‘ und Trank zur Unterstützung der Verdauung

Wacholderbeeren sind in der Küche nach wie vor ein beliebtes Gewürz für Fisch, Fleischgerichte, Wild, Marinaden, Sauerkraut. Gemahlene Wacholderbeeren zeichnen sich als Bestandteil verschiedenster Gewürzmischungen aus. Sehr beliebt sind Getränke sowie Sirup aus Wacholder, die in der Küche gerne zum Mischen und ähnlichen Anwendungen eingesetzt werden, auch um die Verdauung zu unterstützen.

Große Mengen werden jedenfalls zur Herstellung von Wacholderschnaps, Steinhäger, Gin sowie Genever verwendet. Wacholderschnaps ist ein Branntwein, der aus­schließlich aus vergorenen, wässrigen Auszügen der zuckerhaltigen Wacholderbeeren hergestellt wird. Bei billigerem Wacholderschnaps wird dem Alkohol das durch Destillation gewonnene Wacholderöl zugesetzt.

 

Verwechslung mit dem Sadebaum

Alle Teile des Sadebaum oder Stink-Wacholder – Juniperus sabina – sind giftig. Beim Zerreiben riechen die Zweige unangenehm und seine Beeren sind schwarzblau. Der Sadebaum bezieht seinen Namen auf den berühmten Marquis de Sade, ist weit verbreitet und kann Übelkeit, Krämpfe, Herzrhythmusstörung, Atemlähmung, Nieren- und Leberschädigung sowie blutigen Urin hervorrufen.

Quelle: Mykola Ivashchenko / shutterstock.com
Der Sadembaum und seine Beeren (und auch alle anderen Bestandteile) sind giftig. © Mykola Ivashchenko / shutterstock.com

Bei Einnahme von mehr als fünf Gramm kann es zu Bewusstlosigkeit sowie sogar auch zum Tod nach Stunden oder Tagen kommen. Der Sadebaum stammt aus unserer Alpen und wurde im Mittelalter bis in die frühe Neuzeit zur Abtreibung eingesetzt. Diese für Schwangere lebensgefährliche Anwendung brachte dem Sadembaum Bezeichungen wie Jungfernpalme und Jungfrauenrosmarin sowie außerdem drastisch Kindsmord ein.


Literatur:

Fejér J, Kron I, Gruľová D, Eliašová A. Seasonal Variability of Juniperus communis L. Berry Ethanol Extracts: 1. In Vitro Hydroxyl Radical Scavenging Activity. Molecules. 2020 Sep 9;25(18):E4114. doi: 10.3390/molecules25184114. PMID: 32916817.

Unterholzner L, Carrer M, Bär A, Beikircher B, Dämon B, Losso A, Prendin AL, Mayr S. Juniperus communis populations exhibit low variability in hydraulic safety and efficiency. Tree Physiol. 2020 Aug 12:tpaa103. doi: 10.1093/treephys/tpaa103. Epub ahead of print. PMID: 32785622.

Peruč D, Gobin I, Abram M, Broznić D, Svalina T, Štifter S, Staver MM, Tićac B. Antimycobacterial potential of the juniper berry essential oil in tap water. Arh Hig Rada Toksikol. 2018 Mar 1;69(1):46-54. doi: 10.2478/aiht-2018-69-3085.

Bais S, Gill NS, Rana N, Shandil S. A Phytopharmacological Review on a Medicinal Plant: Juniperus communis. Int Sch Res Notices. 2014 Nov 11;2014:634723. doi: 10.1155/2014/634723. PMID: 27419205; PMCID: PMC4897106.

Pepeljnjak S, Kosalec I, Kalodera Z, Blazević N. Antimicrobial activity of juniper berry essential oil (Juniperus communis L., Cupressaceae). Acta Pharm. 2005 Dec;55(4):417-22.


Quellen:

Wacholder gegen Rheuma und Gicht. MEDMIX 2/2006

http://baum-des-jahres.de/index.php?id=347

Die mobile Version verlassen