Vorzeitiger Samenerguss, Ejaculatio praecox: wenn Mann zu früh kommt

Paar © Grechko Vlada / shutterstock.com

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Vorzeitige Samenerguss – medizinische Ejaculatio praecox genannt: wenn der Mann immer zu früh kommt, ist es für beide Partner frustrierend.

Ein Quickie kann das Liebesleben bereichern, aber wenn die Ausnahme zur Regel wird, weil der Mann immer zu früh kommt, ist das für beide Partner frustrierend. Der vorzeitige Samenerguss (Ejaculatio praecox, EP) gilt als die häufigste Sexualstörung bei Männern unter 60 Jahren. Studien zufolge sind davon in Deutschland 20 Prozent aller Männer betroffen.

 

Vorzeitige Samenerguss untersucht

Die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit e.V. (DGMG) hat im Jahr 2015 eine Studie dazu unter der Leitung von Prof. Dr. Frank Sommer durchgeführt. Dabei hat man nicht nur die tatsächliche Ejakulationszeit betroffener und nicht betroffener Männer untersucht. Sondern man dokumentierte auch die Einschätzung der Männer über ihre Zeit bis zur Ejakulation. An der Studie nahmen 93 Männer teil.

Die Ergebnisse zeigen, dass die persönliche Einschätzung über die Dauer bis zur Ejakulation von der tatsächlichen Dauer abweicht. Sowohl Männern, die mit ihrer Ejakulation zufrieden waren, als auch solchen, die nicht zufrieden waren, wurden pornografische Filme zur Verfügung gestellt. Die Männer wurden anschließend gebeten, die Zeit der Pornodarsteller bis zur Ejakulation einzuschätzen. Männer, die bei sich selbst eine EP vermuteten, schätzten diese Zeit auf 22:31 Minuten, Männern, die ihre Ejakulationsdauer „normal“ nannten, schätzten den Filmausschnitt auf 19:53 Minuten. Tatsächlich dauerte der Geschlechtsakt 6:12 Minuten. Die jeweiligen Partnerinnen wurden ebenfalls nach ihrer Zeiteinschätzung befragt. Sie schätzten sie entsprechend auf 14:23 Minuten und 12:43 Minuten.

Es war interessant, wie sehr Männer den Zeitraum des sexuellen Aktes überschätzen. Das weibliche Geschlecht vermutet ebenso das Doppelte bis Dreifache der Zeit. In der Studie wurde auch bei den Probanden die tatsächliche Zeit bis zur Ejakulation gemessen. Bei den Männern, die von sich selbst sagten, sie hätten einen vorzeitigen Samenerguss, betrug die Zeit durchschnittlich 1:59 Minuten. Bei den Männern, die den Eindruck einer erfüllten Sexualität hatten, dauerte die Zeit bis zum Samenerguss durchschnittlich 4:36 Minuten.

 

Leidensdruck für beide Partner

Der vorzeitige Samenerguss kann bei beiden Partnern einen hohen Leidensdruck ausüben. Zu früh kommende Männer fühlen sich als „Versager“, weil sie ihre Partnerinnen beim Beischlaf nicht befriedigen können. Die Partnerinnen leiden ebenso, weil ihnen einerseits keine Zeit bleibt, um richtig in Fahrt zu kommen. Zudem ist ihr Partner andererseits so sehr mit seiner Performance beschäftigt, dass er ihre Bedürfnisse vernachlässigt. Der Druck, dem sich beide aussetzen, macht am Ende alles nur noch schlimmer. Manche Paare verzichten künftig ganz auf Sex oder trennen sich.

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Ejaculatio praecox und die Therapie

Heute versucht man eine wirksame Therapie bei Ejaculatio praecox einzuleiten. Allerdings ist die Behandlung nicht in jedem Fall erfolgversprechend. Vor jeder Therapie muss erst einmal die Diagnose stehen und die Ursachen geklärt werden. Diese können organischen oder aber auch psychischen Ursprungs sein. Gleichzeitig kann die psychische Komponente eine große Rolle auch bei organischen Störungen spielen.

Der vorzeitige Samenerguss kann durch eine medikamentöse Therapiert behandelt werden. Aber auch auf nicht medikamentösem Wege ist eine Behandlung möglich. Die oralen Medikamente verändern Botenstoffe im Gehirn. Damit wird allerdings nur das Symptom behandelt. Es gibt aber auch vielfältige, individuell auf den Patienten zugeschnittene nicht-medikamentöse Behandlungen, die Beachtung finden sollten. Hierbei wird häufig die Partnerin einbezogen. Ein erster Schritt kann auch der Sex ohne Geschlechtsverkehr sein. Das reduziere den Erfolgsdruck. Chirurgische Eingriffe werden zurzeit nicht empfohlen.

 

Der betroffene Mann mit Ejaculatio praecox sollte jedenfalls zur vollständigen Diagnose und Therapie die folgenden Untersuchungen durchführen lassen.

Nach längerer sexueller Abstinenz oder beim ersten Verkehr mit der neuen Partnerin sind viele Männer sehr stark erregt. Dann können sie ihren Orgasmus nicht hinauszögern. Das kann jedenfalls passieren und ist keineswegs krankhaft. Von einer Ejaculatio praecox als Sexualstörung spricht man erst, wenn ein vorzeitiger Samenerguss häufiger über einen längeren Zeitraum vorkommt.

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Vorzeitige Samenerguss (Ejaculatio praecox)

Im Grunde genommen unterscheidet man zwei Formen. Erstens die primäre (lebenslange) Form ist angeboren und besteht Beginn der sexuellen Aktivität. Dieser vorzeitige Samenerguss erfolgt (fast) immer vor oder innerhalb von einer Minute nach Einführen des Gliedes in die Scheide. Zweitens die sekundäre (erworbene) Form entwickelt sich im Laufe des Lebens. Übrigens haben Männer mit einem erworbenen Ejaculatio praecox häufig auch Probleme mit der Potenz (erektile Dysfunktion).

Bei beiden Formen ist der Mann unfähig, seinen Höhepunkt bei (fast) jedem Sexualakt zu verzögern. Beispielsweise wirken sich Stress, Aufregung, Frustration sowie die Vermeidung sexueller Aktivität ebenfalls negativ auf die Zeit bis zur Ejakulation aus.


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Quelle:

https://www.mann-und-gesundheit.com

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