Vitamin E-Wirkung durch Alpha-Carboxychromanol gegen Entzündungen

Vitamin E (Alpha-Tocopherol) © SBG2017 / shutterstock.com

Für manche Vitamin E-Wirkungen ist das Alpha-Carboxychromanol verantwortlich, das für Entzündungen hemmende Eigenschaften bekannt ist.

Die zahlreichen vermuteten Vitamin E-Wirkungen sollen gegen Hautalterung helfen, die Gelenke bei Rheuma und Arthrose unterstützen und sogar vor Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen schützen. Seit fast 100 Jahren erforschen Wissenschaftler verschiedene Wirkungen von Vitamin E – Vitamin E nennt man fachsprachlich Alpha-Tocopherol – und haben die chemischen Grundlagen weitgehend geklärt.

 

Vitamin E gegen Schädigung der Zellen

Vitamin E ist ein starkes lipidlösliches Antioxidans. Es kommt in Immunzellen im Vergleich zu anderen Zellen im Blut in höherer Konzentration vor und ist einer der wirksamsten Nährstoffe, die bekanntermaßen die Immunfunktion modulieren. So konnten Forschungen beispielsweise zeigen, dass ein Vitamin E-Mangel die normalen Funktionen des Immunsystems bei Tieren und Menschen beeinträchtigt, was man durch Verbesserung des Vitamin E-Spiegels korrigieren kann.

Obwohl ein Mangel selten ist, hat sich gezeigt, dass eine Vitamin E-Supplementierung über den aktuellen Ernährungsempfehlungen die Funktion des Immunsystems verbessert. Zudem kann es das Infektionsrisiko verringert, insbesondere bei älteren Personen.

Die Mechanismen, die für die Wirkung von Vitamin E auf das Immunsystem und Entzündungen verantwortlich sind, wurden in zellbasierten, präklinischen und klinischen Interventionsstudien untersucht. Vitamin E moduliert die T-Zell-Funktion, indem es die Integrität der T-Zell-Membran direkt beeinflusst. Diese Modulation der Immunfunktion durch Vitamin E ist klinisch relevant, da sie neben allergischen Erkrankungen wie Asthma auch die Anfälligkeit des Wirts für Infektionskrankheiten wie Infektionen der Atemwege beeinflusst.

Im Grunde genommen ist das Vitamin E jedenfalls auch ein Antioxidans, das zellschädigende freie Radikale neutralisiert. Doch obwohl dies in Zell- und Tiermodellen unter Laborbedingungen hinreichend belegt ist, überzeugen die untersuchten Vitamin E-Wirkungen in klinischen Studien bisher nicht. Stattdessen finden sich hierzu sehr heterogene Ergebnisse. Nicht nur, dass die positiven Effekte oft nicht in der erwarteten Stärke auftreten, manchmal zeigt die Gabe von Vitamin E sogar nachteilige Wirkungen.

Eine mögliche Ursache für unterschiedliche Vitamin E-Wirkungen konnte nun in einer breit angelegten interdisziplinären Studie gezeigt werden: dementsprechend kommt die entzündungshemmende Wirkung von Vitamin E nicht vom Vitamin selbst, sondern von seinem Stoffwechselprodukt Alpha-Carboxychromanol, das unter anderem eine vielversprechende entzündungshemmende Wirkung bringt.

Jedenfalls bildet der Körper das Alpha-Carboxychromanol in der Leber. Wobei es von Patient zu Patient aber sehr verschieden ist, in welchem Maße das passiert. Wie Forschende zeigen konnten, weist der Spiegel des Metaboliten im Blut von Versuchspersonen eine sehr große individuelle Spannweite auf.

 

Wirkung von Vitamin E durch Alpha-Carboxychromanol gegen Entzündungen

Wenn die Wirkung von Vitamin E davon abhängt, in welchem Maße der bioaktive Metabolit gebildet wird, dann erklärt das sehr gut, wieso die gleiche Menge Vitamin E bei einer Person eine bestimmte Wirkung zeigt und bei einer anderen Person womöglich eine wesentlich geringere. Dies belegt den großen Nutzen, den eine personalisierte Medizin zu bieten hat. Denn wenn man zuvor den Stoffwechsel eines Patienten charakterisieren könnte, dann lässt sich ein Therapieerfolg – nicht nur für Vitamin E – wesentlich präziser erzielen.

In einer Studie zu Vitamin E haben die Forschende beispielsweise das Potenzial von Alpha-Carboxychromanol mit seinen Wirkungen gegen Entzündungen detailliert untersucht. Der bioaktive Metabolit hemmt ein Schlüsselenzym von Entzündungsprozessen (5-Lipoxygenase, kurz 5-LO). Dies sind vielversprechende Erkenntnisse, denn die 5-LO spielt anscheinend eine zentrale Rolle bei Entzündungserkrankungen wie Asthma oder Arthritis.

Bislang gibt es aber nur ein einziges zugelassenes Arzneimittel, das die 5-LO hemmt, das aber aufgrund starker Nebenwirkungen nur sehr eingeschränkt eingesetzt werden kann. Die Forschung will diese Erkenntnisse nutzen, um einen neuen Wirkstoffkandidaten für die Behandlung entzündlicher Erkrankungen zu entwickeln. Ein erster von Alpha-Carboxychromanol abgeleiteter Kandidat ist bereits patentiert.


Literatur:

Khadangi F, Azzi A. Vitamin E – The Next 100 Years. IUBMB Life. 2019 Apr;71(4):411-415. doi: 10.1002/iub.1990. Epub 2018 Dec 14. PMID: 30550633.

Pein H et al. Endogenous metabolites of vitamin E limit inflammation by targeting 5-lipoxygenase. Nature Communications (2018), volume 9, Article number: 3834, DOI: 10.1038/s41467-018-06158-5

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