Vitamin E bei neuropathischen Schmerzen ohne Wirkung

Sehr typisch für neuropathische Schmerzen sind brennende Dauerschmerzen sowie vorübergehende elektrisierende Schmerzen. © StudioSmart / shutterstock.com

Sehr typisch für neuropathische Schmerzen sind brennende Dauerschmerzen sowie vorübergehende elektrisierende Schmerzen. © StudioSmart / shutterstock.com

Keine falsche Hoffnung: Vitamin E scheint bei Patienten mit Diabetes und neuropathischen Schmerzen keine Linderung zu bringen.

In einer klinischen Studie mit 300 Teilnehmern erfüllte sich die Erwartung, dass Vitamin E diabetischen Patienten mit neuropathischen Schmerzen Linderung bringen könnte. Deswegen sollte man den vielen Patienten mit diesem schwierig zu behandelnden Leiden keine falschen Hoffnungen machen.

 

Millionen Menschen mit neuropathischen Schmerzen und diabetischer Neuropathie

In Europa leiden Millionen Menschen an neuropathischen Schmerzen, die durch Verletzungen oder Erkrankungen von Nerven entstehen. Die häufigste Ursache dieser neuropathischen Schmerzen ist Diabetes mellitus – von diesen sind etwa die Hälfte aller Patienten betroffen, man spricht dann von einer diabetischen Neuropathie.

Die Betroffenen leiden unter brennenden Schmerzen, die häufig an den Füßen und Unterschenkeln auftreten. Auch Störungen der Empfindung wie Gefühle der Taubheits und Kribbeln beeinträchtigen die betroffenen Patienten. Die Behandlung ist schwierig und selten vollständig erfolgreich. Deswegen suchen viele Patienten nach Alternativen.

 

Hilfreiche Medikamente bei neuropathischen Schmerzen

Es gibt verschiedene Empfehlungen zur Behandlung der Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter. Dazu gehören manche Antidepressiva, Pregabalin und einige ausgewählte Schmerzmittel. Abgeraten wird aber mangels wissenschaftlicher Belege von Cannabis-Extrakten, Capsaicin-Salbe, Alpha-Liponsäure sowie Vitamin B1 und dem verwandten Benfotiamin.

Auch der Leiter der aktuellen Studie, der renommierte Pharmakologe Kah-Hay Yuen (Penang, Malaysia), hatte gehofft, mit einem Gemisch aus verschiedenen Formen von Vitamin E (Tocotrienole) die Schmerzen seiner Patienten zu lindern. Um dies zu überprüfen, wurden für die sogenannte VENUS-Studie (Vitamin E in Neuroprotection Study) 300 Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus mit neuropathischen Schmerzen ausgewählt, die nach dem Losverfahren über zwölf Monate hinweg entweder zweimal täglich 200 Milligramm eines Gemisches von Tocotrienolen erhielten oder ein Scheinmedikament.

 

Enttäuschende Resultate zu Vitamin E bei neuropathischen Schmerzen

Die Forscher haben das von den Patienten selbst berichtete Ausmaß neuropathischer Schmerzen nach zwölf Monaten gemessen. Außerdem analysierte man die Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die Neuropathie und die Geschwindigkeit der Nervenleitung. Das Resultat war enttäuschend, denn auf allen drei Bewertungsskalen gab es keine Unterschiede zwischen der Gruppe mit Vitamin E und jener mit dem Scheinmedikament.

Lediglich bei zwei Untergruppen von Patienten deuteten nachträgliche Auswertungen auf einen geringfügigen Nutzen hin. Solche mit vergleichsweise hohen  Blutzuckerwerten (> 183 mg/dL) und diejenigen mit normalen Konzentrationen von Homozystein im Blut (< 15 µmol/L) hatten weniger stechende Schmerzen.

Man konnte aber auch feststellen, dass bei ansonsten identischen Nebenwirkungen in den beiden Gruppen Infektionen bei 6,7 Prozent der Patienten unter Tocotrienolen auftraten. Und zwar war das fast zehnmal so häufig wie mit dem Scheinmedikament.

In der Gesamtbilanz müssen die Ärzte jedenfalls ihren Patienten deshalb davon abraten, ihr Geld für Vitaminpräparate sowie Nahrungsergänzungsmittel auszugeben. Denn es besteht keinen Wirkungsnachweis gibt. Auch wenn Vitamin E offenbar keinen Erfolg verspricht, so können die Betroffenen dennoch selbst aktiv werden. Schließlich können häufige Kontrollen der Füße sowie den Verzicht auf Alkohol und Nikotin mithelfen, Schäden an den Nerven zu verhindern.


Literatur:

Vitamin E in Neuroprotection Study (VENUS) Investigators, Hor CP, Fung WY, Ang HA, Lim SC, Kam LY, Sim SW, Lim LH, Choon WY, Wong JW, Ch’ng ASH, Beh KKM, Wee HC, Ong LM, Khan NAK, Sulaiman SAS, Shuaib IL, Bakar A, Yusof Y, Yusof YM, Abu Bakar F, Tang WS, Teh HL, Wahid NA, Saaidin S, Idris N, Yoon CK, Ong HN, Ganapathy JT, Loo CE, Samy MM, Zainal H, Dharan SCS, Ooi BY, Teoh PY, Tye YL, Yeoh CA, Low DW, Looi I, Yuen KH. Efficacy of Oral Mixed Tocotrienols in Diabetic Peripheral Neuropathy: A Randomized Clinical Trial. JAMA Neurol. 2018 Apr 1;75(4):444-452. doi: 10.1001/jamaneurol.2017.4609. PMID: 29379943; PMCID: PMC5885181.


Quellen

Nationale Versorgungsleitlinie „Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter“, Langfassung. 1. Auflage, 2011. Version 5. AWMF-Register-Nr.: nvl-001e

Patientenleitlinie zur Nationalen Versorgungsleitlinie „Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter“, 1. Auflage. Version 1.0 vom 06. Mai 2014

Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Studie: Botulinumtoxin A, eine therapeutische Alternative gegen neuropathische Schmerzen, 19. Mai 2016, online

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