Samstag, April 20, 2024

Vitamin E-Mangel bei Diabetes mit zusätzlicher Vitamin E-Gabe vermeiden

Eine Substitution bei Vitamin E-Mangel wirkt positiv für Diabetes-Patienten mit unzureichender Blutzucker-Kontrolle und niedrigem Vitamin E-Spiegel.

Aktuelle Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die zusätzliche, unspezifische Gabe von Vitamin E bei nicht ausgewählten Patienten mit Typ-2-Diabetes keine positive Wirkung von Vitamin E im Sinne der Verbesserung der Blutzucker-Kontrolle bringt. Allerdings kann der zusätzliche Einsatz von Vitamin E den HbA₁c-Wert bei jenen Diabetes-Patienten senken, bei denen eine unzureichende Blutzucker-Kontrolle sowie bereits ein Vitamin E-Mangel durch niedrige Serumspiegel vorliegt. Die Anwendung im Sinne eine zielgerichteten Therapie scheint bei Vitamin E-Mangel und Diabetes somit gerechtfertigt zu sein. Wenngleich weitere Studien zum Thema beziehungsweise zu Sicherheit und langfristigen Nutzen durchgeführt werden sollten.



 

Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen

Diabetes mellitus erhöht die Gefahr für kardiovaskuläre Gefäßerkrankungen, wobei die Erkrankungsgefahr in besonderer Weise durch weitere Risikofaktoren – wie Rauchen, Übergewicht und Metabolisches Syndrom sowie Hypercholesterinämie – begünstigt wird.

75% aller Todesfälle sind bei Diabetikern durch kardiovaskuläre Erkrankungen bedingt, wobei die koronare Herzerkrankung und der Herzinfarkt zu den häufigsten diabetischen Folgeerkrankungen gehören.

 

Vitamin E antioxidativ wirksam

Vitamin E (Tocopherol) wirkt als Radikalfänger in der Lipidphase, führt zum Ketten­abbruch bei Lipidperoxidation und schützt die Lipoproteine im Plasma. β-Carotin ist ebenfalls ein Radikalfänger in der ­ Lipidphase, der jedoch bei niedrigem Sauer­stoffpartialdruck wirksam ist – es hat die stärkste Wirkung gegen den Singulettsauer­stoff.

Die antioxidativ wirksamen Vitamine ergänzen sich in ihrer Wirkung mit Glutathion, so dass eine Zufuhr aller Antioxidantien für eine optimale Wirkung essenziell ist.

Die thrombogene Transforma­tion der Gefäßwand und die Bildung von atherosklerotischen Läsionen sowie die reduzierte Stabilität atherosklerotischer Plaques wird als wichtige Ursache der akuten kardialen Komplikation beim Diabetiker gesehen.

Der zusätzliche Einsatz von Vitamin E kann den HbA₁c-Wert bei jenen Diabetes-Patienten senken, bei denen eine unzureichende Blutzucker-Kontrolle sowie bereits ein Vitamin E-Mangel durch niedrige Serumspiegel vorliegt.

Unter dem Strich sollen Vitamin E und andere Anti­oxidantien die genannten Prozesse hemmen können. Das ließen zell- und molekularbiologische Untersuchungen vermuten. Eine weiland durchgeführte Untersuchung an der Harvard Medical School unterstellte eine Hemmung der Entwicklung von Retino- und Nephropathien durch Einsatz von hohen Dosierungen mit 1.500 I.E. Vitamin E pro Tag für Menschen mit Dia­betes Typ 1 im Rahmen der Primärprävention.

Die Glykierung von Proteinen verursacht die Inaktivierung von Enzymen sowie die Veränderung der Struktur und Funktion von Kollagen. Das Ausmaß des glykierten Hämoglobins reflektiert das Ausmaß der Glykierung anderer Proteine. Die Bildung glykierten ­Hämoglobins ist nicht­enzymatisch, langsam und weitgehend irreversibel. Zahlreiche Studien haben belegt, dass bei Menschen mit Diabetes eine Vitamin E-Supplementierung die Konzentration glykierten Hämoglobins reduzieren kann.

Als Mechanismus wird vermutet, dass eine vermehrte Biogenese von Sauerstoffradikalen die Lipidperoxidation forcieren kann. Und zwar mit dem Korrelat einer Akkumulation von Malondialdehyd, die beim Diabetiker die Glykierung von Proteinen stimuliert.

Durch die Hemmung der radikalinduzierten Lipidperoxidation kann Vitamin E die Malondialdehyd-Bildung und damit die Glykierung von Protein reduzieren.



 

Fazit: Vitamin E-Mangel vermeiden

Die Frage der optimalen Dosierung kann nach den bisher vorliegenden Studien nur unzureichend beantwortet werden. Für den gesunden Menschen wird eine Zufuhr von 40 bis 60 mg Vitamin E täglich empfohlen. Die Evidenz deutet jedenfalls darauf hin, dass eine Vitamin E-Supplementierung keine vorteilhafte Wirkung auf die Verbesserung der Blutzuckerkontrolle bei gut eingestellten Patienten mit Typ-2-Diabetes hat. Bei Patienten mit unzureichender Blutzuckerkontrolle oder niedrigen Vitamin E-Serumspiegeln kann der HbA1c-Wert jedoch mit einer Vitamin E-Supplementierung abnehmen. Dies zeigt, wie wichtig es ist, die Diabetes-Therapie gezielt zu behandeln.


Literatur:

Suksomboon N, Poolsup N, Sinprasert S. Effects of vitamin E supplementation on glycaemic control in type 2 diabetes: systematic review of randomized controlled trials. J Clin Pharm Ther. 2011 Feb;36(1):53-63. doi: 10.1111/j.1365-2710.2009.01154.x. PMID: 21198720.

Alqasim AA, Nour Eldin EEM, Hammadi SH, Esheba GE. Comparing the renoprotective effects of the antioxidants melatonin, vitamin D and vitamin E in diabetic rats. J Taibah Univ Med Sci. 2020 Jul 17;15(5):351-357. doi: 10.1016/j.jtumed.2020.05.007. PMID: 33132806; PMCID: PMC7564901.

Suksomboon N, Poolsup N, Sinprasert S. Effects of vitamin E supplementation on glycaemic control in type 2 diabetes. Systematic review of randomized controlled trials. J Clin Pharm Ther. 2011;36(1):53-63. doi:10.1111/j.1365-2710.2009.01154.x

Lonn E, Yusuf S, Hoogwerf B, et al. Effects of vitamin E on cardiovascular and microvascular outcomes in high-risk patients with diabetes. Results of the HOPE study and MICRO-HOPE substudy. Diabetes Care. 2002;25(11):1919-1927. doi:10.2337/diacare.25.11.1919

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