Vitamin D gegen Demenz wie Alzheimer und psychische Erkrankungen

Vitamin D-Mangel kann als negative Auswirkung das Entstehen einer Demenz fördern. © Kedar Shukla / shutterstock.com

Vitamin D-Mangel kann als negative Auswirkung das Entstehen einer Demenz fördern. © Kedar Shukla / shutterstock.com

Vitamin-D-Mangel erhöht das Alzheimer-Risiko beträchtlich, doch ob auch hohe Konzentrationen an Vitamin D gegen Demenz helfen können, ist unklar.

Schätzungen zufolge sind etwa 30% bis 50% der Weltbevölkerung von einem Vitamin-D-Mangel betroffen. Manche Experten sprechen deswegen auch von einer stillen Pandemie. Wobei es auch eindeutige Ergebnisse aus klinischen Studien gibt, die zeigen, dass ein Abnahme der Gedächtnisleistung mit einem Vitamin-D-Mangel vergesellschaftet ist. Bei einem schweren Vitamin-D-Mangel ist beispielsweise das Risiko für Demenz mehr als doppelt so hoch. Ob im Gegensatz dazu die zusätzliche hochdosierte Gabe von Vitamin D gegen Demenz beziehungsweise gegen eine Verschlechterung der Gedächtnisleistung hilft, ist bis dato nicht belegt. Bestätigt scheint im Grunde genommen zu sein, dass das Vitamin D kognitive Funktionen in Bezug auf bestimmte neurologische und psychische Erkrankungen fördern kann. Und das es auch im Gehirn das dort befindliche Serotonin beeinflussen kann. Und damit auch das Verhalten und die Psyche.

Im Grunde genommen vermutet man jedenfalls eine wichtige Rolle von Vitamin D für die Entwicklung und Gesunderhaltung des Nervensystems und des Gehirns. Es hat entzündungshemmende, antioxidative sowie neuroprotektive Eigenschaften, um die Nerven zu schützen und die Gesundheit des Gehirns weiter zu fördern. Denn Vitamin D gilt als ein sogenanntes Neurosteroid-Hormon, das Signalstoffe wie die Neurotransmitter und die Neurotrophine reguliert. Vitamin D kann die Bildung von Nervenverbindungen und die Signalübertragung durch Nerven und Neurotransmitter positiv beeinflussen. Schließlich soll Vitamin D auch vor Nervenschäden schützen, was auch bei Demenz wie Alzheimer hilft.

 

Hohe Konzentrationen von Vitamin D gegen Demenz-Risiko

Eine große US-amerikanische Demenzstudie kam zum Ergebnis, dass zu wenig Vitamin D die Symptome von Alzheimer verstärkt. Ein Vitamin-D-Mangel kann demnach den Krankheitsverlauf bei Alzheimer Demenz beschleunigen, fanden Forscher unlängst heraus. Doch ob Vitamin-D-Mangel auch Auslöser für Alzheimer Demenz sind kann, bleibt unbestätigt.

Bewiesen ist, dass zwischen Alzheimer Demenz und Vitamin D-Mangel ein deutlicher Zusammenhang besteht. Vitamin D kann zwar vermutlich die Erkrankung nicht verhindern, anscheinend kann es aber bei Demenz den Krankheitsverlauf bremsen.

 

Hoher Serotonin-Spiegel und Vitamin D gegen Demenz-Symptome und andere psychische Erkrankungen

Der genaue Mechanismus, wie ein Mangel an Vitamin D kognitive Funktionen bei neurologischen sowie auch psychischen Erkrankungen wie Demenz, Stimmungsstörungen und den verschiedenen neuropsychologischen Störungen der Psychose fördert beziehungsweise unterstützt, ist bislang ungeklärt.

Laut einer aktuellen US-Studie könnte möglicherweise der Neurotransmitter Serotonin das Missing Link beziehungsweise die bislang unbekannte Verbindung sein, die dafür verantwortlich ist, dass Vitamin D die Symptome bestimmter neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer Demenz verbessert. Ein niedriger Serotonin-Spiegel ist für bestimmte psychische Erkrankungen typisch – wie Autismus, bipolare Störung, Schizophrenie und Depression.

Serotonin übt einen beträchtlichen Einfluss auf kognitive Funktionen und Verhalten aus. Eine ältere Studie konnte bereits zeigen, dass Vitamin D die Umwandlung der essenziellen Aminosäure Tryptophan zu Serotonin reguliert.

 

Studien: Niedriger Vitamin D-Spiegel und sein Zusammenhang mit kognitiven Beeinträchtigungen und Demenz

Denn Vitamin D hilft auch bei der Verhinderung der Amyloid-Akkumulation und fördert die Amyloid-Clearance. Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass es bei der Verringerung der Merkmale der Alzheimer-Krankheit wie Amyloid-Beta und phosphoryliertem Tau eine Rolle spielt.

Viele präklinische Studien haben die Hypothese gestützt, dass ein Mangel Vitamin D zu Aufmerksamkeits-, Verhaltensproblemen und kognitiven Beeinträchtigungen führt. Querschnittsstudien haben durchweg gezeigt, dass die Vitamin-D-Spiegel bei Personen mit Alzheimer-Krankheit und kognitiven Beeinträchtigungen im Vergleich zu gesunden Erwachsenen signifikant niedrig sind.

Längsschnittstudien und Metaanalysen haben auch einen Zusammenhang zwischen niedrigem Vitamin D-Spiegel und kognitiven Beeinträchtigungen sowie der Alzheimer-Demenz gezeigt. Trotz dieser Beweise kann der Kausalzusammenhang nicht ausreichend beantwortet werden.

 

Im Gegensatz zu Beobachtungsstudien haben Ergebnisse aus Interventionsstudien gemischte Ergebnisse zur Rolle der Vitamin-D-Supplementierung bei der Prävention und Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen und Demenz erbracht.

Das größten Problem der vorhandenen randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) sind

Daher sind weitere große doppelblinde randomisierte Kontrollstudien erforderlich, um die Vorteile einer Vitamin-D-Supplementierung bei der Prävention und Behandlung kognitiver Beeinträchtigungen zu bewerten.

 

Fazit: Zusätzlich Vitamine dennoch mit Bedacht einsetzen

Die Ergebnisse mehrerer aktueller systematischer Metaanalysen bestätigen damit die Annahme, dass Vitamin-d-Mangel Demenz begünstigt. Beziehungsweise heisst das, dass niedrige Spiegel des Sonnenvitamins zur Entwicklung von Demenz beitragen könnten.

Hierzu sind aber noch weitere Studien gefordert. Und zwar vor allem auch im Zusammenhang mit der Sonnenexposition. Es gibt allerdings auch offensichtlich signifikante Zusammenhänge zwischen Vitamin-D-Mangel und Alzheimer.

Allgemein betonen Experten, dass die Einnahme von hochdosierten Vitaminen einschließlich von Vitamin D gegen Demenz nicht empfohlen wird, zur Wirksamkeit von Vitaminen in Verbindung mit anderen Mikronährstoffen seien weitere wissenschaftliche Untersuchungen notwendig.

Ein gesunder Geist und ein gesunder Körper im Alter sollten jedenfalls unbedingt durch eine gesunde, ausgewogene Ernährung und einem aktiven Lebensstil mit ausreichend Bewegung – auch an der frischen Luft – gefördert werden. Die zusätzliche Gabe von Vitaminen gegen Demenz sollte eigentlich nur bei nachgewiesenen Mangelzuständen geschehen.


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