Vitamin D für Kinder ab 2 Jahren kritisch betrachtet

Ein ausreichender Vitamin-D-Spiegel ist auch bereits bei Kindern mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden. © serato / shutterstock.com

Ein ausreichender Vitamin-D-Spiegel ist auch bereits bei Kindern mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden. © serato / shutterstock.com

Deutsche Kinderärzte haben unlängst eine kritische Stellungnahme zur zusätzlichen Gabe von Vitamin D für Kinder ab 2 Jahren veröffentlicht.

Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat unlängst die zusätzliche Gabe von Vitamin D für Kinder ab 2 Jahren kritisch beurteilt. Unter dem Strich halten viele Experten 600 bis 800 Internationale Einheiten Vitamin D am Tag für die wünschenswerte Zielgröße der Gesamtzufuhr. Und zwar egal ob über Sonne tanken oder Tablette.

Im Grunde genommen gilt heutzutage das Vitamin D als ein Nährstoff, der für die öffentliche Gesundheit eine wichtige Bedeutung hat. Beispielsweise empfehlen die US-Richtlinien zur Ernährung eine höhere Aufnahme von natürlichen oder angereicherten Nahrungsquellen für Vitamin D wie beispielsweise Milch seit dem Jahr 2015.

Dazu zeigen rezente Ergebnisse, dass Konsumenten von Milch, und vor allem auch die Kinder, deswegen durchwegs höhere Spiegel an Vitamin D im Serum haben. Dementsprechend haben sie auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, die empfohlenen Werte für Vitamin D zu erreichen. US-Experten sehen darin übrigens eine wirksame Strategie zur Verbesserung des Vitamin-D-Status der Bevölkerung der USA.

 

Diskussion zur Supplementierung von Vitamin D für Kinder ab 2 Jahren

Viele Kinder in unseren Breiten erreichen die empfohlenen Werte im Winter und Frühling nicht. Deshalb ist die Supplementierung von Vitamin D für Kinder ab 2 Jahren ein wichtiges Thema. Die Frage ist, ob man daher eine flächendeckende Empfehlung zur Supplementierung von Vitamin D bei über 2-jährigen Kinder aussprechen sollte.

Nach einer intensiven und kritischen Literaturübersicht der vorliegenden randomisierten kontrollierten Studien kamen deutsche Experten zu einem Ergebnis. Nämlich, dass eine niedrige Konzentration an Vitamin D für sich alleine keine Indikation für die Supplementierung von Vitamin D für Kinder ab 2 Jahren ist. Und zwar sofern Kinder gesund sind.

 

Supplementierung von Vitamin D für Kinder bis 2 Jahren als bewährte Prophylaxe

Für die ersten 12 bis 18 Lebensmonate bleibt jedenfalls alles beim Alten. Hierzu erneuert die Ernährungskommission ihre Empfehlung einer Supplementierung von Vitamin D3 in Höhe von 400 bis 500 IE / Tag. Und zwar kombiniert mit der Fluoridprophylaxe. Für Frühgeborene oder für chronisch kranke Kinder gelten hingegen andere Empfehlungen. Darüber sollte der Kinder- und Jugendarzt die Eltern individuell beraten.

Unabhängig von der Jahreszeit weisen zudem bestimmte Kinder ein erhöhtes Risiko für eine Rachitis auf. Das sind beispielsweise adipöse Kinder. Aber auch Kinder aus sozial benachteiligten Schichten sowie Kinder mit Migrationshintergrund haben ein höheres Risiko. Weiter sind auch Säuglinge betroffen, die ausschließlich Muttermilch zur Ernährung bekommen und keine Supplementierung mit Vitamin D.

Bei gesunden Kleinkindern mit ausreichenden Werten an Vitamin D verschafft allerdings die Supplementierung im Zusammenhang mit der Immunfunktion keinen zusätzlichen Vorteil.

 

Mit Sonne und Nahrung Vitamin D tanken

Unter dem Strich sollte Kinder über 2 Jahren in unseren geographischen Breiten weiterhin zwischen April und September mindestens zweimal pro Woche Sonne tanken. Damit können sie ihre Speicher mit Vitamin-D gut auffüllen. Hierzu empfehlen Experten den Aufenthalt im Freien zwischen 10 und 15 Uhr. Und zwar mit möglichst freien Armen und Beinen 5 bis 30 Minuten. Zudem ohne Sonnenschutz. Aber Vorsicht vor einem Sonnenbrand! Weiter sollten auch Kinder 1 bis 2mal wöchentlich Fisch mit hohem Gehalt an Vitamin D essen. Beispielsweise bieten das Hering, Makrele sowie Lachs.

Jedenfalls empfehlen Experten nach wie vor nicht eine ungezielte Bestimmung der Serum-Konzentration von Vitamin D bei gesunden Kindern. Lediglich bei Kindern und Jugendlichen mit bestimmten chronischen Erkrankungen und Risikofaktoren halten sie das für sinnvoll.

Die eingangs erwähnte Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin-D wie Milch ist durchaus auch eine überlegenswerte Strategie gegen Vitamin-D-Mangel in vielen Ländern der Erde. In diesem Sinne hat man in den USA bislang gute Erfahrungen mit dem Konsum von Vitamin D angereicherter Milch gemacht. Das gilt schließlich insbesondere für fettarme und fettfreie Milch.

 

Serum-Konzentration von 25-OH-Vitamin-D im Fokus

Der Zielbereich für die 25-OH-Vitamin-D-Serum-Konzentration liegt bei 20-100 ng/ml Blut. Ein dezidierter Mangel liegt bei unter 12 ng/ml vor. Der reine Blick auf diese Werte lässt aber keine Schlussfolgerung einer durchgängigen Supplementierung von Vitamin D über das 2. Lebensjahr hinaus zu.

Von dieser Diskussion unberührt bleiben jedenfalls die nachgewiesenen positiven Effekte von Vitamin D für die Kindergesundheit. Beispielsweise etwa auf das Skelettsystem sowie Autoimmunerkrankungen und Asthma. Schließlich kann Vitamin D den Verlauf zahlreicher anderer Krankheiten und Problemen mit der Gesundheit positiv beeinflussen.

In diesem Sinne könnten laut internationaler Daten Kinder mit Asthma oft bezüglich ihrer Spiegel von 25-OH-Vitamin-D einen Mangel haben. Dabei scheint ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Schwere der Symptome von Asthma und dem Mangel an 25-OH-Vitamin-D zu bestehen.

Wenn man jedoch eine ganze Altersgruppe mit einer Supplementierung versorgen will, muss ein konkreter Nutzen eben dieser Zusatzgabe nachgewiesen sein. Übrigens bestehen keinerlei Bedenken hinsichtlich der bekannten Werte zur Supplementierung von 600 – 800 IE bei Kindern. Denn es sind keine Nebenwirkungen zu erwarten.


Literatur:

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Quelle:

Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ e. V.) und Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und Diabetologie (DGKED e. V.)

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