Virale Hepatitis – Diagnostik und moderne Behandlung

Hepatitis C / SSCREATIONS / shutterstock.com

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Virale Hepatitis-Erkrankungen wie Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Virusinfektion gehören weltweit zu den häufigsten chronischen Viruserkrankungen.

Die virale Hepatitis stellt ein weltweit ein enormes Gesundheitsproblem dar. Prinzipiell verursachen virale Hepatitis-Infektionen wie Hepatitis C akute oder chronische Entzündungen der Leber. Vor allem verursachen sie eine fortschreitende Lebererkrankung. Es droht eine hepatische Dekompensation. Schließlich kann die mögliche Entwicklung eines Leberzellkarzinoms sogar zum Tod führen. In den letzten Jahren konnte die Wissenschaft durchaus große therapeutische Fortschritte erzielen. Darunter waren solche, die auch die Virale Hepatitis-Diagnostik maßgeblich beeinflussten.

 

Virale Hepatitis C-Infektionen sind heilbar

Eine chronische Virale Hepatitis C ist nach heutigem Stand in nahezu 100 Prozent der Fälle heilbar. Schließlich ermöglichte das die Einführung antiviral wirksamer Medikamente (DAA). Die Heilung ist deshalb möglich, weil das Hepatitis-C-Virus (HCV) ein sogenanntes Positiv-Strang-RNA-Virus ist, das ausschließlich über einen komplementären Negativ-RNA-Strang repliziert und nicht in das Wirtszellgenom integriert.

Die Virale Hepatitis C beziehungsweise das Hepatitis-C-Virus könnte somit weltweit ausgerottet werden. Dementsprechend hat die WHO das Ziel, die virale Hepatitis C bis 2030 weitgehend zu eliminieren.

 

Vollständiges Screening der Risikogruppen

Voraussetzung dafür ist ein möglichst vollständiges Screening der Risikogruppen, die unter anderem aktive und ehemalige intravenöse und nasale Drogenkonsumenten, EmpfängerInnen von Blut und Blutprodukten sowie Transplantaten vor 1992 und Insassen von Justizvollzugsanstalten umfassen.

Die Verdachtsdiagnose wird dabei durch den Nachweis von Hepatitis-C-Virus-Antikörpern im Blut gestellt. Die definitive Diagnose erfolgt durch den spezifischen Nachweis von Hepatitis-C-Virus RNA im Blut.

 

Virale Hepatitis C mit antiviral wirksamen Medikamenten bekämpfen

Die modernen antiviral wirksamen Medikamente, die üblicherweise aus einer Kombination von 2 oder 3 Substanzen bestehen, führen zu einer Hemmung von viralen Enzymen, die für die HCV-Replikation unbedingt benötigt werden. Die neueste Generation der Medikamente wirkt pangenotypisch. Das heißt, es ist keine aufwändige Bestimmung des HCV-Genotyps beziehungsweise HCV-Subtyps mehr erforderlich. Die Therapiedauer beträgt üblicherweise 12 Wochen. Von einer Heilung spricht man dann, wenn man 12 beziehungsweise 24 Wochen nach Therapieende keine HCV RNA mehr im Blut nachweisen kann.

Allerdings verursachen diese neuen Therapien einerseits kurzfristig sehr hohe Kosten, andererseits können aber langfristig Kosten eingespart werden. Es entfallen die sonst oft über Jahre und Jahrzehnte notwendigen Verlaufskontrollen, die auch die Kontrolle der HCV-RNA-Konzentration im Blut umfassen, entfallen. ebenso wie die enormen Kosten für die Behandlung der dramatischen Spätkomplikationen der chronischen Hepatitis, die unter anderem zu langen Krankenhausaufenthalten führen.

 

Virale Hepatitis B gut kontrollierbar, aber nicht heilbar

Das Hepatitis-B-Virus (HBV) ist ein teilweise doppelsträngiges DNA-Virus. Aufgrund des Auftretens der „Circular Covalently Closed DNA“ (cccDNA), die während der Replikation im Wirtszellkern auftritt und dort dauerhaft verbleiben kann, ist eine Heilung der Hepatitis B derzeit nicht möglich.

Die Erkrankung kann nach Jahren oder Jahrzehnten wieder aufflammen, beispielsweise wenn der Patient/die Patientin schwer immunsupprimiert ist, wie dies etwa nach einer Transplantation der Fall sein kann. Hepatitis B bleibt somit im sprichwörtlichen Sinn eine tickende Zeitbombe.

Als Screeningparameter dient das Hepatitis-B-Suface (HBs)-Antigen. Auch bei der Hepatitis B ist ein möglichst vollständiges Screening der Risikogruppen, wie zum Beispiel aktive und ehemalige intravenöse/nasale Drogenkonsumenten, aber vor allem auch Personen mit Migrationshintergrund von größter Bedeutung.

Die moderne Indikationsstellung für eine antivirale Therapie berücksichtigt die Höhe der HBV-DNA-Konzentration im Blut (≥ 2000 IU/ml), die entzündliche Aktivität in der Leber (Alaninaminotransferase, ALT) und den Fibrosestatus (Elastographie, Fibroscan).

Alle anderen serologischen Parameter, wie beispielsweise Hepatitis-B-e- (HBe)-Antigen und Hepatitis-B-core (HBc)-Antikörper, haben heute stark an Stellenwert verloren und werden nur noch bei speziellen Fragestellungen eingesetzt.

 

Anti-HBV-Therapie – starke Unterdrückung der Virusreplikation

Durch die Anti-HBV-Therapie wird eine möglichst starke Unterdrückung der Virusreplikation angestrebt. Die moderne Therapie erfolgt als Monotherapie mit den Nukleos(t)idanaloga Entecavir bzw. Tenofovir. Dabei wird aktuell das bisher verwendete Tenofovirdisoproxilfumarat zunehmend durch das Tenofoviralafenamidfumarat ersetzt, welches weniger Nebenwirkungen auf den Knochenbau und die Nierenfunktion im Vergleich zur bisher verwendeten Formulierung zeigt. Die Therapie muss in den meisten Fällen zeitlich unbegrenzt durchgeführt werden. Dabei sind regelmäßige Kontrollen der HBV-DNA-Konzentration im Blut erforderlich.

Menschen mit Hepatitis B können zusätzlich mit dem Hepatitis-D-Virus (HDV) infiziert sein. Personen mit Hepatitis B und Migrationshintergrund, besonders wenn sie aus den beiden Ländern (Mongolei, Pakistan) mit der weltweit höchsten Hepatitis-D-Prävalenz kommen, sollten mittels Antikörpertestung auf das Vorliegen eine HDV-Koinfektion gescreent werden.

 

Vorteile moderner Therapien

Die modernen Therapien zeichnen sich durch zahlreiche Vorteile aus. Sie werden nicht mehr wie früher eingesetzte Medikamente gespritzt, sondern oral eingenommen und sind deutlich verträglicher, sprich nebenwirkungsärmer. Darüber hinaus verursachen sie kaum Resistenzentwicklungen, daher sind die früher häufig erforderlichen, aufwändigen Resistenzgentestungen nicht mehr notwendig.

 

Zukunftsperspektiven

Verschiedene Forschungszentren arbeiten im Rahmen von Grundlagenstudien weltweit an Möglichkeiten, die cccDNA des Hepatitis-B-Virus auszuschalten. Bisher konnte die Forschung allerdings diesbezüglich noch keine relevanten Fortschritte erzielen. Es besteht jedoch die Hoffnung, dass dies innerhalb des kommenden Jahrzehnts geschieht. Das könnte dann wiederum in Zukunft eine Heilung der Hepatitis B möglich machen.


Quelle:

Statement » Neue Therapien – virale Hepatitis aus diagnostischer Sicht. « Univ.-Prof. Dr. Harald H. Kessler, Medizinische Universität Graz, Diagnostik- & Forschungszentrum für Molekulare Biomedizin. 7. Jahrestagung der Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und Klinische Chemie (ÖGLMKC), November 2018, Salzburg.

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