Vibrationstraining auf Vibrationsplatten auch bei schwerer COPD effektiv

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Das sogenannte (Ganzkörper-)Vibrationstraining auf Vibrationsplatten kann bei Menschen mit schwerer COPD allgemein die körperliche Belastbarkeit steigern.

Unter dem Strich leiden viele Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) unter Funktionsstörungen und Muskelschwund in den unteren Extremitäten. Hierzu hat aber sportliches Training das Potenzial, die Muskelfunktion und die Muskelmasse zu verbessern. In einer aktuellen Metaanalyse haben Forscher 70 Studien untersucht, in denen die 2504 eingeschlossenen COPD-Patienten Übungen zur Verbesserung der Muskelkraft, der Muskelmasse und der Ausdauer machten. Dabei machten die COPD-Patienten Aerobic- und / oder Krafttraining, Intervalltraining mit hoher Intensität, elektrische oder magnetische Muskelstimulation, Ganzkörper-Vibrationstraining und Training auf Wasserbasis.

Im Grunde genommen habe mehrere Studien in den letzten Jahren gezeigt, dass der ganze Körper von einem Vibrationstraining profitieren. Dieses Training macht Sinn bei vielen chronischen Krankheiten und Erkrankungen wie Osteoporose, Fibromyalgie, multiple Sklerose sowie chronische Rückenschmerzen. Man vermutete schon länger, dass das Vibrationstraining bei COPD deutliche Vorteile in Bezug auf die Belastbarkeit (6 Minuten zu Fuß) bringt. Deswegen kann es als wirksame Trainingsmethode zur Verbesserung der funktionellen Trainingskapazität bei Patienten mit COPD empfohlen werden.

 

Verbesserungen der Muskelkraft, Muskelausdauer und Muskelmasse der unteren Extremitäten

Im Blickpunkt der Studien waren vor allem Veränderungen der Muskelfunktion und der Muskelmasse der unteren Extremitäten nach den Übrungen  bei Patienten mit klinisch stabiler COPD. Dabei stieg die Muskelkraft in 78%, die Muskelausdauer in 92% und die Muskelmasse in 88% der Fälle. Trotz der großen Heterogenität bei den verwendeten Trainingseinheiten und Ergebnissen zeigten die meisten trainingsbasierten Studien Verbesserungen der Muskelkraft, Muskelausdauer und Muskelmasse der unteren Extremitäten bei den COPD-Patienten. Das war wiederum sehr wichtig während der Lungenrehabilitation. Welche Intervention für welche Untergruppe von Patienten am besten ist, ist derzeit unklar.

 

Studie mit Vibrationstraining zeigt Vorteile bei COPD

Wenn Patienten mit schwerer COPD bei der letzten Lungenrehabilitation durch ein Vibrationstraining auf Vibrationsplatten richtig durchgeschüttelt worden sind, so haben Behandler und Patienten vieles richtig gemacht. Denn aktuelle Studien zeigen, dass das Vibrationstraining auf Vibrationsplatten bei Menschen mit schwerer COPD die körperliche Belastbarkeit steigert. Unklar war aber bisher, welcher Trainingseffekt dafür verantwortlich ist. In einer früheren Studie konnten die Forscher schon zeigen, dass das Ganzkörper-Vibrationstraining eine praktikable und sichere Trainingsmethode selbst bei Patienten mit schwerer COPD ist. Und zwar hatte die Kombination vonÜbungen mit den Viberationsplatten bei Patienten mit schwerer COPD keinen Einfluss auf die Beatmungsanforderungen. Es kam zu keinen akuten Anstieg des kardiopulmonalen Stresses.

Als Whole body vibration (WBV), Vibrationstraining oder auch Schwingungstraining werden Übungen bezeichnet, die Sportler aber auch Reha-Patienten auf Vibrationsplatten durchführen. Und zwar schwingen die Platten mit einer Frequenz zwischen 5 bis 60 Hz. Damit regen sie den Organismus besonders an. Um den Trainingseffekt von Vibrationstraining bei Menschen mit schwerer COPD genauer zu untersuchen, mussten 74 der Patienten aus einem dreiwöchigen Lungenrehabilitationsprogramm neben dem konventionellen Ausdauer- und Krafttraining auch Kniebeugen machen. Dies sollten sie in ihrem eigenen Rhythmus, dreimal wöchentlich und dann vier Runden lang für einen Trainigszeitraum von 2 Minuten Kniebeugen machen.

 

Auf Vibrationsplatten oder festem Boden

Die per Zufall in 2 Gruppen aufgeteilten Teilnehmer machten ihre Kniebeugen entweder ganz normal mit beiden Füßen auf festem Boden, oder auf Vibrationsplatten (Galileo), die mit hoher Intensität vibrierten (24–26 Hz). Beim Vergleich der körperlichen Belastungsfähigkeit aller Studienteilnehmer zeigte sich, dass sich die Positionsbalance bei den Teilnehmern, die auf Vibrationsplatten trainiert hatten, stärker verbessert hatte als bei den Teilnehmern, die Kniebeugen auf nicht vibrierendem Untergrund machten.

Die COPD-Patienten mit den Vibrationsplatten konnten auch länger im Tandemstand balancieren. Das heißt, dass die Füße voreinander stehen und die Ferse des vorderen Fußes die Zehen des hinteren Fußes berührt. Außerdem konnten sie besser auf einem Bein stehen. Die Teilnehmer auf Vibrationsplatten waren nach dem Vibrationstraining auch beim Gehzen wesentlich leistungsfähiger. Und zudem hatten sie eine größere Schnellkraft. Keine Verbesserung zeigte sich allerdings bei der Kraftausdauer.

 

Bessere Balance

Es zeigt sich auch, dass besonders COPD-Patienten, die durch Balance-Probleme eingeschränkt sind, vom Training auf Vibrationsplatten profitierten. Dies hängt vermutlich mit der Verbesserung der Balance durch das Vibrationstraining durch neuromuskuläre Anpassungen zusammen. Diese Anpassungen scheinen wiederum ein wichtiger Mechanismus bei der der Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit zu sein. Deswegen sollte das Vibrationstraining bei schwerer COPD als zusätzliches Übungselement in der Lungenrehabilitation überlegt werden.

Literatur:

Eulogio Pleguezuelos, Paula Casarramona, Lluis Guirao, Beatriz Samitier, Pilar Ortega, Xavier Vila, Amin Del Carmen, Laura Ovejero, Eva Moreno, Noemi Serra, Manuel Gomís, Manuel V Garnacho-Castaño, Marc Miravitlles. How whole-body vibration can help our COPD patients. Physiological changes at different vibration frequencies. Int J Chron Obstruct Pulmon Dis. 2018; 13: 3373–3380.
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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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