Vertigo – Differenzialdiagnostik bei Drehschwindel

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Vertigo steht lateinisch-fachlich für Schwindel, der zu den häufigsten gesundheitlichen Symptomen zählt, aber keine eigene Krankheitseinheit darstellt.

Im Grunde genommen zählt Vertigo – der sogenannte Drehschwindel – neben Schmerzen zu den Hauptgründen, dass Menschen ärztliche Hilfe suchen. Dabei differenziert man eigentlich zwischen mehreren Schwindelarten. Vor allem bei vorliegendem Drehschwindel spricht man von Vertigo. Weitere Formen sind Schwankschwindel und Angstschwindel, die oft auch psychische Ursachen haben können. Schließlich zählen auch benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel sowie die sogenannte posturale Instabilität dazu. Dabei beschreibt letztere eine Gang- sowie Standstörung beziehungsweise mangelnde Stabilität einer aufrechten Körperhaltung.

 

Visual Vertigo-Analogskala

Viele Menschen leiden an Schwindel durch visuelle Stimulation. Unlängst haben nun Forscher eine Visual Vertigo-Analogskala – Visual Vertigo Analogue Scale, abgekürzt VVAS – entwickelt, um Symptome und Reaktionen der Betroffenen auf eine Rehabilitation zu bewerten. Die Experten wollten die neue Visual Vertigo-Analogskala gegen sogenannten SITQ-Score (Situation Characteristics Questionnaire) validieren und seine Aussagekraft im Zusammenhang mit einer Behandlung festlegen. Letztendlich zeigte sich eine ähnliche Aussagekraft der beiden Methoden, mit denen man Patienten mit visuellem Schwindel erkennen und das Fortschreiten der Symptome analysieren kann.

 

Vertigo ist ein Leitsymptom

Vertigo ist keine Krankheit, sondern Symptom verschiedener Erkrankungen unterschiedlicher Ätiologie, die von Innenohr, Hirnstamm oder Kleinhirn ausgehen. Es gibt aber auch psychische Ursachen. Etwa jeder dritte Mensch über 60 Jahren klagt häufig über Vertigo mit einen benommen Gefühl, Drehschwindel im Kopf und einem sehr beeinträchtigten Wohlbefinden.

Vertigo assoziiert mit Angst vor unsicheren Bewegungen oder auch Stürzen stellt auch eine psychische Belastung für die Betroffenen dar. Die Patienten wollen nicht mehr das Heim verlassen, sind in ihrer Lebensqualität und Mobilität stark eingeschränkt.

 

Differenzialdiagnostik notwendig: Schwindel sollte immer ärztlich abgeklärt werden

Grundsätzlich sollte bei Schwindel ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. In der Erstdiagnostik werden abhängig von der klinischen Manifestation gefährliche Erkrankungen ausgeschlossen und zielgerichtete Behandlungen durchgeführt. Nach überstandener Akutphase muss so rasch wie möglich die Mobilisierung des Patienten eingeleitet werden. Ziel der Behandlung ist es, die Haltung des Körpers im Raum zu stabilisieren.

Jedenfalls sind die Sinnesorgane, die Nerven, das Gehirn sowie die Muskeln am Gleichgewichtsgefühl beteiligt. Hier können Störungen zu Beeinträchtigungen des Gleichgewichtsgefühls führen. Dementsprechend vielfältig sind die Krankheiten, durch die Vertigo entstehen kann. Es ist aber auch häufig nicht das Gleichgewichtsgefühl verantwortlich. Beispielsweise können niedriger Blutdruck und Stoffwechselerkrankungen Schwindel verursachen – aber auch Herzkrankheiten, Hormonstörungen, Erkrankungen des Nerven- und Muskelsystems.

Man differenziert zwischen periphen vestibulären Ursachen, neurologischen und Angst-Störungen, Herz-Kreislauf-Störungen, Gleichgewichtsproblemen der Stellmotorik und Schwindel im Alter. Bei Drehschwindel dreht sich die Umgebung hin- und her, sehr viele Ältere müssen mit diesem Problem leben. Schließlich ist jeder dritte über 70 betroffen sowie bei über 80-Jährigen jeder zweite Patient.

Störungen im vestibulären System äußern sich in Form eines anfallsartigen Schwindels, bestehend aus Drehschwindel, Liftgefühl, dem Gefühl zu Boden zu sinken oder zur Seite gezogen zu werden. Es gibt aber auch noch zahlreiche andere Erkrankungen wie beispielsweise Augenerkrankungen.

Für den behandelten Arzt ist bei Vertigo eine ausführlichen Anamnese sehr wichtig, denn nur mit einer adäquaten Differenzialdiagnostik lässt sich der Schwindel in der überwiegenden Mehrheit der Fälle erfolgreich therapieren.

Literatur:

Dannenbaum E, Chilingarian G, Fung J. Validity and Responsiveness of the Visual Vertigo Analogue Scale. J Neurol Phys Ther. 2019 Apr;43(2):117-121. doi: 10.1097/NPT.0000000000000261


Quellen: https://www.meduniwien.ac.at/. Statement »Schwindelarten und deren Ursachen«, Univ. Lektor Dr. Benjamin Loader, Wien 2017.

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About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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