Vernakalant bei Vorhofflimmern

0

Der neu eingesetzte Wirkstoff Vernakalant wirkt im direkten Vergleich mit etablierten Medikamenten bei der Behandlung von Vorhofflimmern effektiver.

 

Der neue Wirkstoff Vernakalant konnte in der Behandlung von neu aufgetretenem Vorhofflimmern im direkten Vergleich mit Ibutilid eine deutlich verbesserte Effektivität zeigen: so konnte bei sehr gutem Nebenwirkungsprofil der Herzrhythmus bei den Patienten schneller normalisiert werden. Das hat eine Studie an der Universitätsklinik für Notfallmedizin der MedUni Wien/AKH Wien ergeben, deren Ergebnisse soeben in „Europace“, einem Journal der Europäischen Kardiologischen Gesellschaft, veröffentlicht wurden.

 

Vorhofflimmern – die häufigste Herzrhythmusstörung

Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung, die aufgrund zahlreicher ambulanter Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte eine dementsprechende Belastung für das Gesundheitssystem ist. 2 von 1000 Menschen leiden unter Vorhofflimmern, die Häufigkeit steigt mit dem Alter an – bei den über-80-Jährigen ist bereits jeder zehnte betroffen.

Herzstolpern, Herzrasen, Schwindel und Atemnot sind die typischen Symptome dieser Herzrhythmusstörung. Im Krankenhaus kommen bei Vorhofflimmern unter anderem intravenös verabreichte Wirkstoffe – die sogenannten Antiarrhythmika – zum Einsatz. Durch die Therapie soll möglichst rasch wieder ein normaler, regelmäßiger Herzschlag (Sinusrhythmus) erreicht werden.

 

Vernakalant versus Ibutilid

Wissenschaftler der MedUni Wien haben nun zwei Wirkstoffe aus der Gruppe der Antiarrhythmika mit ähnlichen pharmakokinetischen Eigenschaften in ihrer Studie verglichen: der neue Wirkstoff Vernakalant (Brinavess) und das für die Behandlung von Vorhofflattern etablierte Ibutilid (Corvert), wobei Vernakalant eindeutige Vorteile verbuchen konnte.

Durch den Einsatz von Vernakalant konnte der Sinusrhythmus bei den Patienten schon nach durchschnittlich zehn Minuten wiederhergestellt werden, mit Ibutilid dauerte das durchschnittlich 26 Minuten. 69 Prozent der PatientInnen hatten durch die Therapie mit Vernakalant 90 Minuten nach der Wirkstoffgabe ein normaler Rhythmus, bei Ibutilid waren das 43 Prozent.

Daraus ergab sich auch, dass die mit Vernakalant behandelten PatientInnen seltener mittels elektrischer Kardioversion in Kurznarkose weitertherapiert werden mussten, bis ein Sinusrhythmus erzielt werden konnte.

Studienautor Univ.-Prof. Dr. Hans Domanovits erklärte dazu: „Der Wirkstoff Ibutilid wird als Mittel der Wahl bei Vorhofflattern eingesetzt und zeigt dort sehr gute Erfolge. Diese Vergleichsstudie legt nun nahe, dass zur Behandlung eines neu aufgetretenen Vorhofflimmerns bei PatientInnen mit leicht bis mittelgradig eingeschränkter Pumpfunktion des Herzens Vernakalant Vorteile hat. Unter der Behandlung mit den beiden verglichenen Substanzen traten bei keinem der PatientInnen ernsthafte Nebenwirkungen auf.“

 

Nebenwirkungen von Vernakalant

Die häufigsten Nebenwirkungen durch die Anwendung von Vernakalant sind Geschmacksstörung (Dysgeusie), Niesen und Parästhesien (teilsweise schmerzhafte Missempfindungen), die während oder kurz nach der Infusion auftreten. Nur selten kommt es dadurch zu einer Einschränkung der Therapie. Eine signifikant unerwünschte Arzneimittelwirkung wurde in einer Studie mit einer schweren Hypotonie mit kardiogenem Schock beobachtet. Mögliche unerwünschte Wirkungen wie Husten, Niesen, Hitzegefühl, Dysgeusie und Schwindel treten meist nur 3 bis 5 Minuten lang auf, sind selbstlimitierend und beeinträchtigen die Therapie nicht.

Quelle und weitere Informationen:

„Vernakalant is superior to ibutilide for achieving sinus rhythm in patients with recent-onset atrial fibrillation: a randomized controlled trial at the emergency department.“ Alexander Simon, Jan Niederdoeckl, Ekaterini Skyllouriotis, Nikola Schuetz, Harald Herkner, Christoph Weiser, Anton N. Laggner, Hans Domanovits, Alexander O. Spiel, DOI: http://dx.doi.org/10.1093/europace/euw052

http://www.ema.europa.eu/ema/index.jsp?curl=pages/medicines/human/medicines/001215/ human_med_001375.jsp&mid=WC0b01ac058001d124

http://www.pharmazie.com/graphic/A/31/1-22031.pdf

http://www.meduniwien.ac.at/hp/fileadmin/zpp/downloads/B11-Pharma-Antiarrhythmika-0412-2.pdf

http://www.meduniwien.ac.at

Share.

About Author

MEDMIX Newsroom

Aktueller Dienst der MEDMIX Redaktion

Comments are closed.