Verkehrslärm kann sich negativ auf das Herz und die Gefäße auswirken

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Je stärker das Ausmaß der Belastung durch Verkehrslärm ist, desto häufiger sind durch Gefäßverengung verursachte Herz- und Gefäßerkrankungen zu beobachten.

Unter dem Strich steigt mit dem Ausmaß der Belastung durch Verkehrslärm auch die Häufigkeit von ischämischen Herz- und Gefäßerkrankungen an. Dies ergab die Meta-Analyse eines internationalen Forscherteams. Die Daten sind in der Aktualisierung der Richtlinie der WHO-Region Europa zum Thema Beeinträchtigungen durch Verkehrslärm im Jahr 2018 berücksichtigt.

Die Lärmbelastung wirkt sich auf die Ausschüttung von Stresshormonen und die Schlafqualität aus. Außerdem scheint ein kausaler Zusammenhang zwischen Verkehrslärm und einer ischämischen Herzerkrankung plausibel zu sein. Denn durch Gefäßverengungen hervorgerufene ischämische Herz- und Gefäßeerkrankungen treten umso häufiger auf, je größer das Ausmaß der Belastung durch den Verkehrslärm ist.

 

Auswirkungen von Verkehrslärm auf Herz und Gefäße

Ein internationales Forscherteam hat im Jahr 2018 die „Environmental Noise Guideline“ des WHO-Regionalbüros für Europa aktualisiert. Dazu haben die Wissenschaftler die durch Längsschnittstudien bestehende Evidenz zu kardiologischen und metabolischen Auswirkungen von Lärm systematisch analysiert. Sie identifizierten dazu 600 Studien über die Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System zwischen 2000 und 2015. Und zwar zu Straßen-, Schienen- und Luftverkehrslärm sowie Lärm von Windkraftanlagen.

Unter Einbeziehung von insgesamt 61 Publikationen (seit dem Jahr 2000) wurde eine Risikoanalyse gemacht. Aussagekräftig waren vor allem die Daten zum Straßen-Verkehrslärm, weniger die im Zusammenhang mit der Belastung durch Zug- oder Flugzeuglärm. Bei einer Analyse von 7.451 Fällen von ischämischer Herzerkrankung errechneten die Forscher einen Anstieg des relativen Erkrankungsrisikos. Und zwar um 1,08 pro 10 Dezibel Anstieg der Belastung durch Straßen-Verkehrslärm.

Man spricht von relativem Risiko, wenn bei einem Wert von 1 das Risiko in beiden Gruppen gleich verteilt ist. Ein Wert größer als 1 ist ein Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang zwischen einem Risikofaktor und einer Erkrankung. Nur wenige Studien zeigten übrigens einen Zusammenhang zwischen Verkehrslärm und Schlaganfall, Diabetes sowie Fettleibigkeit.

 

Herzgesundheit und Umweltwelteinflüsse wie Lärm oder Luftverschmutzung im Blickpunkt der Forschung

Die Beeinträchtigung der Herzgesundheit durch verschiedene Umweltwelteinflüsse wie Lärm oder Luftverschmutzung ist zunehmend Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Organisationen wie die WHO oder die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) beschäftigen sich intensiv damit. Laut Schätzungen der WHO gehen in Westeuropa pro Jahr eine Million gesunde Lebensjahre durch Lärm verloren.

Eine deutsche Arbeitsgruppe hat dazu beispielsweise das Endothel – die Innenwand der Blutgefäßen –untersucht. Dabei entdeckten die Wissenschaftler bestehende Zusammenhänge zwischen Lärmbelastung und der Endotheldysfunktion. Im Grunde genommen gilt eine Endotheldysfunktion als wichtige Ursache für schwere kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.

Literatur:

Elise van Kempen, Maribel Casas, Göran Pershagen, Maria Foraster. WHO Environmental Noise Guidelines for the European Region. A Systematic Review on Environmental Noise and Cardiovascular and Metabolic Effects. A Summary. Int J Environ Res Public Health. 2018 Feb; 15(2): 379.
Published online 2018 Feb 22. doi: 10.3390/ijerph15020379

G. Pershagen, E. Van Kempen, M. Casas, M. Foraster. Traffic noise and ischemic heart disease. Review of the evidence for the WHO environmental noise guidelines for the European region. European Heart Journal, Volume 38, Issue suppl_1, August 2017, ehx504.P3410, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehx504.P3410

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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