Venenerkrankungen vorbeugen oder rechtzeitig eine Behandlung beginnen

Krampfadern, Varizen, sind Venenerkrankungen, die als Besenreiser und netzförmige Venen sichtbar werden. © Hriana / shutterstock.com

Krampfadern, Varizen, sind Venenerkrankungen, die als Besenreiser und netzförmige Venen sichtbar werden. © Hriana / shutterstock.com

Venenerkrankungen sollte man vorbeugen, wenn Besenreisern, Krampfadern und Co. dennoch auftreten, muss man rechtzeitig eine Behandlung beginnen.

Die Bedeutsamkeit der Thematik Venenerkrankungen im Alter wird aus verschiedenen Ergebnissen wissenschaftlicher Untersuchungen (beispielsweise die Bonner Venenstudie) ersichtlich, die unter anderem besagen, dass 90% der Menschen – speziell in Mitteleuropa – Venenveränderungen und 56% Varizen haben. Ältere Menschen sollten Venenerkrankungen vorbeugen und gegebenenfalls rechtzeitig mit einer Behandlung beginnen.

Ohne Behandlung kommt es übrigens oft zur Ausbildung einer chronisch venösen Insuffizienz (CVI) und in Folge kann eine offenes Geschwür auftreten, auch als Ulcus cruris venosum bezeichnet. 25% der Ulcera entstehen durch eine nicht behandelte Varikose der Stammvenen. In Europa ist Ulcus cruris venosum eine der häufigsten Ursachen für chronische Wunden.

 

Venenerkrankungen differentialdiagnostisch abklären

Geschwollene oder schmerzende Beine sowie sichtbare Knoten können eine Fülle von Ursachen haben und gehören auf jeden Fall differentialdiagnostisch abgeklärt. Die ersten Anzeichen für Venenerkrankungen sind Besenreiser und kleineren Krampfadern. Viele Patienten kommen zu spät zur Untersuchung teilweise erst in Stadien der chronisch venösen Insuffizienz.

Auf die Entstehung von Venenerkrankungen nehmen zahlreiche unterschiedliche Faktoren Einfluss. Dazu zählen neben Erbfaktoren, Körpergröße und Bewegungsverhalten auch Faktoren wie Rauchen, Übergewicht und die Art der beruflichen Tätigkeit – beispielsweise wenn man überwiegend sitzt die die Gefahr größer.

Die große Mehrzahl der Bevölkerung in unseren Breiten ist mehr oder minder schwer von Venenerkrankungen betroffen. Jeder fünfte davon muss sich im Laufe seines Lebens aus diesem Grund einem Eingriff unterziehen, jeder achte Erwachsene leidet an einer Form der chronischen Venenerkrankungen.

Auf jeden Fall muss man Venenerkrankungen ernst nehmen. Denn sonst riskiert man offene Wunden oder Thrombosen bis hin zu tödlichen Lungenembolien.

In der Medizin gibt es eine Reihe innovativer Therapien, die zum Teil bereits die herkömmlichen chirurgischen Methoden abgelöst haben. Mittlerweile lassen sich beispielsweise Krampfadern auch mit Hilfe von Laser- und Hochfrequenzwellentherapie entfernen.


Tipps, die beim Vorbeugen von Venenerkrankungen helfen


Medikamentöse und operative Behandlung

Zur Behandlung von Venenerkrankungen sind operative und medikamentöse Methoden verfügbar. Ein relativ neues, innovatives, minimal invasives Konzept in der Varizenchirurgie – als Alternative zu Stripping – ist die endovenöse Obliteration.

Dabei kann die Obliteration thermisch, mittels Radiofrequenzkatheter, mit verschiedenen Laser-Methoden beziehungsweise Wasserdampf oder chemisch durch Schaumverödung erfolgen. Durch den Eingriff entstehen keine Narben und der Behandlungsablauf kann intraoperativ mittels Ultraschall kontrolliert werden.

Zur Therapie der oberflächlichen Thrombophlebitis werden neben Kompressionsverbänden (Kurzzug), Heparin (topisch und bei Bedarf systemisch), Antiphlogistika, Enzyme und Flavonoide eingesetzt.

Zur konservativen Behandlung der Venenerkrankungen mit Venenmedikamenten ist zu bemerken, dass Venenmedikamente gegen Ödeme wirken, die Venenwand abdichten, antientzündlich wirksam sind und die Gefäßwände vor Schäden schützen können. Sie sind aber kein Ersatz für Kompression, Operation oder Verödung.

 

Kompressionstherapie bei Ulcus cruris venosum

Neben der konservativen und interventionellen Wund- und Venentherapie, ist die Kompressionstherapie die Basis der Behandlungsstrategien bei Ulcus cruris venosum. Die Kompressionstherapie kann heute mit sehr unterschiedlichen Materialien und Systemen durchgeführt werden. Während in der Entstauungsphase insbesondere Verbände mit Kurzzugbinden oder Mehrkomponentensysteme zur Anwendung kommen, sind es anschließend überwiegend Ulkus-Strumpfsysteme.

Eine weitere, bislang wenig verbreitete Alternative sind adaptive Kompressionsbandagen. Insbesondere für die Rezidivprophylaxe werden medizinische Kompressionsstrümpfe empfohlen. Durch die Vielzahl der heute zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen, kann für nahezu alle Patienten ein Konzept entwickelt werden, dass sich an den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten orientiert und daher auch akzeptiert und durchgeführt wird.

Die Kompressionstherapie ist für die Behandlung von Patienten mit Ulcus cruris venosum jedenfalls essenziell. In den letzten Jahren sind viele verschiedene Therapieoptionen verfügbar, die in den deutschsprachigen Ländern unterschiedlich angewendet oder durchgeführt werden.

 

Pflanzliche Mittel zur Behandlung von Venenerkrankungen

Rosskastanie. Der in den Samen der Rosskastanie enthaltene Wirkstoff Aescin kommt häufig bei Beschwerden chronischer Venenerkrankungen unterstützend zur herkömmlichen Behandlungen zum Einsatz. Beschwerden wie Schweregefühl, Schmerzen, Schwellungen und Juckreiz in den Beinen sowie nächtliche Wadenkrämpfe bessern sich beim Einsatz der Rosskastanie.

Aescin dichtet geschädigte Blutgefäße ab, so dass weniger Flüssigkeit aus den Venen ins Gewebe übertritt. Dadurch wird die Ansammlung von Wasser in den Beinen verringert. Obwohl man die Erwähnung der Rosskastanie erst in den Kräuterbüchern aus der Mitte des 16. Jahrhunderts findet, ist diese Phytotherapie schnell zum festen Bestandteil der Humanmedizin geworden.

Weinlaub. Eine weitere Heilpflanze, die einen positiven, unterstützenden Einfluss bei Venenerkrankungen zeigt, ist das rote Weinlaub. Es enthält etwa fünf Prozent Flavonoide – beispielsweise die Substanzen Quercitrin und Rutin sowie verschiedene Gerbstoffe.

Rotes Weinlaub soll positiv auf die Venenfunktion wirken, wobei speziell die Flavonoide – sekundäre Pflanzenstoffe – dafür verantwortlich sein sollen. Die Wirkungen sind der Rosskastanie ähnlich, sind entzündungshemmend, dichten die Gefäßwände ab und verhindern ein Eindringen von Wasser ins Gewebe.

Mäusedornwurzelstock. Der Mäusedornwurzelstock ist ebenfalls ein altbekannter pflanzlicher Wirkstoff zur unterstützenden Hilfe gegen Beschwerden bei Venenerkrankungen – vor allem bei leichten Durchblutungsstörungen der Venen, die moderate Schmerzen und ein Schweregefühl in den Beinen hervorrufen.

Medizinisch verwendet wird der Wurzelstock Mäusedorns – Rusci aculeati rhizoma, dessen wichtigste Inhaltstoffe Saponine sowie Ruscin und Ruscosid sind, hinzu kommen ätherische Öle und Phytosterole. Die Qualitätsanforderungen im Europäischen Arzneibuch (PhEur) fordern übrigens ein Gehalt an Steroidsaponine von mindestens 1%.

Zinnkraut. Zur Stärkung des Bindegewebes in Prophylaxe und Behandlung von Venenerkrankungen kann man unterstützend Zinnkraut-Zubereitungen einsetzen. Diese bewähren sich dabei mit seinem hohen Gehalt an Kieselsäure. Diese sorgt nicht nur für gesunde und harte Finger- und Fußnägel, sondern strafft auch die Haut und verbessert ebenfalls die Durchblutung.


Literatur:

Abud B, Kunt AG. Midterm varicose vein recurrence rates after endovenous laser ablation. Comparison of radial fibre and bare fibre tips. Interact Cardiovasc Thorac Surg. 2020 Nov 19:ivaa219. doi: 10.1093/icvts/ivaa219. Epub ahead of print. PMID: 33212479.

Raetz J, Wilson M, Collins K. Varicose Veins: Diagnosis and Treatment. Am Fam Physician. 2019 Jun 1;99(11):682-688. PMID: 31150188.

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Quellen:

Venenerkrankungen im Alter vorbeugen. MEDMIX 4/2009

https://www.nlm.nih.gov/medlineplus/ency/patientinstructions/000615.htm

http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/varicose-veins/basics/definition/con-20043474

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