Vegane und Vegetarische Ernährung bei Kindern und im Jugendalter

Frisches Gemüse – Kind © Tatevosian Yana / shutterstock.com

Im Grunde genommen erhöhen eine vegane und vegetarische Ernährung bei Kindern und im Jugendalter die Risiken für die Entwicklung von Nährstoffdefiziten – umso stärker, je umfassender man das Lebensmittelsortiment eingeschränkt.

Immer öfter betreuen Kinder- und Jugendärzte Familien mit Eltern und ihren Kindern, die sich für vegane oder vegetarische Kostformen entschieden haben. Doch um Kindern rein pflanzlich alle für das Wachstum und die Entwicklung benötigten Nährstoffe anbieten können, müssen betroffene Menschen sehr viel über Vegane und Vegetarische Ernährung bei Kindern und im Jugendalter wissen. Dazu ist die kompetente Beratung durch den Kinder- und Jugendarzt von großer Bedeutung.

 

Ovo-lakto-vegetarische Ernährung und andere vegetarische Kostformen

Vegetarische Kostformen sind kein Modetrend, sondern haben sehr lange Tradition: Ernährung ohne Fleisch ist bereits seit dem Altertum der Menschheit bekannt. Doch die diversen Beweggründe für eine Entscheidung für vegetarische Kostformen sind vielfältig: ethisch-moralisch, religiös, ökologisch begründet, oder durch die Ablehnung industrieähnlicher Massentierhaltung konkret motiviert sowie durch Krankheiten oder Übergewicht bedingt.

Wobei es unterschiedliche Vegetarische Kostformen und dementsprechende Bezeichnungen ausübender Menschengruppen gibt. Vegetarier essen beispielsweise neben pflanzlichen Lebensmitteln auch von lebenden Tier stammende Produkte wie Eier, Milch, Käse, Joghurt und andere Milchprodukte; Nur Fleischsorten und Fisch werden gemieden. Veganer hingegen meiden alle vom Tier stammende Lebensmittel, neben Fleisch und Fisch auch Milch und Milchprodukte sowie Eier und Honig. Lakto-Vegetarier verzehren neben Pflanzlichem auch Milch und Milchprodukte (Käse), eine Ovo-lakto-vegetarische Ernährung schließt auch Eier mit ein.

 

Empfehlungen und Warnungen zu veganer und vegetarischer Ernährung bei Kindern und im Jugendalter

Eine ausgewogene omnivore Ernährung mit viel pflanzlichen Lebensmitteln und moderatem Verzehr von Fleisch, Meeresfisch und Milch beziehungsweise Milchprodukten gilt als bevorzugte Option für die Kinderernährung. Damit kann der Nährstoffbedarf für Wachstum und Entwicklung der Kinder und Jugendlichen unter den Ernährungsbedingungen in unseren Breiten am einfachsten und sichersten abgedeckt werden.

Eine ausgewogene lakto-ovo-vegetarische Ernährung stellt für die Experten der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. (DGKJ) eine Alternative zur Mischkost dar. Denn bei guter Auswahl ermöglicht diese Kostform auch im Kindes- und Jugendalter den Nährstoffbedarf decken sowie ein normales Wachstum und eine dem Alter entsprechende Entwicklung. Allerdings muss auf eine höhere Eisenzufuhr Wert gelegt werden, um die bei dieser Kostform niedrigere Bioverfügbarkeit von Eisen zu kompensieren.

 

Risiken einer veganen Ernährung

Rein vegane Ernährung ohne Zufuhr tierischer Lebensmittel erfordert detailliertes Wissen zum Nährstoffhaushalt, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden. Ohne konsequente Nährstoff-Supplementierung führt vegane Ernährung über einen längeren Zeitraum regelmäßig zu einem Mangel an Vitamin B12, so die Ernährungskommission. Besondere Beachtung sollten hier zudem auch die Zufuhr an Eisen, Zink, Jod, die Omega-3-Fettsäure DHA, Calcium, Protein und Energie erhalten, um kein Risiko für ernste klinische Folgen wie Gedeihstörung oder Anämien einzugehen.

So führt ein Vitamin B12-Mangel bei Säuglingen zu schweren Beeinträchtigungen bis hin zur dauerhaft bestehenden neurologischen Schädigung, warnt die Kommission der DGKJ. Alle vegetarisch oder vegan ernährten Frauen mit Kinderwunsch sollten sich daher möglichst frühzeitig ärztlich beraten lassen. Dazu sollte auch eine Untersuchung auf eine mögliche Unterversorgung mit kritischen Nährstoffen erfolgen.

Das Risiko eines Nährstoffmangels ist umso größer, je restriktiver die Ernährung ist und je mehr Lebensmittelgruppen aus der Ernährung ausgeschlossen werden. Diese Problematik tritt besonders bei Familien mit jungen Kindern häufig auf. Denn es ist auch zu beachten, dass Kinder nicht immer alles mögen. Beispielsweise verweigern sie oft Hülsenfrüchte als wichtige Nährstofflieferanten. Dann stimmt zwar das Essensangebot am Tisch. Aber die Nährstoffbilanz ist bei diesen vegetarischen Kostformen für die Betroffene im Kindes- und Jugendalter dennoch aus der Balance.

 

Nahrungsmittelallergien bei Kindern und im Jugendalter mit veganer oder vegetarischer Ernährung

Unter dem Strich erfreuen sich vegane und vegetarische Kostformen jedenfalls immer größerer Beliebtheit. In den letzten Jahren hat allerdings auch die Häufigkeit von Nahrungsmittelallergien zugenommen und betrifft Kinder überproportional. Wenn nun eine vegane und / oder eine vegetarische Ernährung bei Kindern und im Jugendalter gleichzeitig mit Nahrungsmittelallergien auftreten, dann kann diese Kombination eine Herausforderung darstellen. Denn das Risiko von Nährstoffmängeln sind insbesondere im Kindesalter beträchtlich.

Bei vegan oder vegetarisch ernährten Kindern oder Jugendlichen mit Nahrungsmittelallergien sollte durch den Arzt eine regelmäßige und vollständige Anamnese einschließlich des Screenings auf mögliche Nährstoffmängel erfolgen. Und zwar sollten insbesondere die in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln häufiger vorkommenden Nährstoffe im Fokus stehen. Dazu zählen Jod, Eisen, Zink, Kalzium, die Vitamine B12, D, B2 und A, ausgewählte Omega-3-Fettsäuren sowie Proteine.

Bei Säuglingen und Kindern sollte die Anthropometrie in regelmäßigen Abständen in Längsrichtung verfolgt werden, um Abweichungen vom vorherigen Wachstumsmuster des Kindes festzustellen. Und um den erhöhten Anforderungen an Wachstum und Entwicklung Rechnung zu tragen.


Literatur:

Protudjer JLP, Mikkelsen A. Veganism and paediatric food allergy: two increasingly prevalent dietary issues that are challenging when co-occurring. BMC Pediatr. 2020;20(1):341. Published 2020 Jul 10. doi:10.1186/s12887-020-02236-0

Dubaj C, Czyż K, Furmaga-Jabłońska W. Vitamin B12 deficiency as a cause of severe neurological symptoms in breast fed infant – a case report. Ital J Pediatr. 2020;46(1):40. Published 2020 Mar 30. doi:10.1186/s13052-020-0804-x

Müller P. Vegan Diet in Young Children. Nestle Nutr Inst Workshop Ser. 2020;93:103-110. doi:10.1159/000503348

Mariotti F, Gardner CD. Dietary Protein and Amino Acids in Vegetarian Diets-A Review. Nutrients. 2019;11(11):2661. Published 2019 Nov 4. doi:10.3390/nu11112661. PMCID: PMC6893534

Baroni L, Goggi S, Battaglino R, et al. Vegan Nutrition for Mothers and Children: Practical Tools for Healthcare Providers. Nutrients. 2018;11(1):5. Published 2018 Dec 20. doi:10.3390/nu11010005. PMCID: PMC6356233


Quelle:

Mit der Stellungnahme der DGKJ-Ernährungskommission steht ein sachlicher und umfassender Überblick zur Verfügung, der viele Aspekte aufgreift, die bei der Beratung von Familien oder Jugendlichen, die sich für eine vegan oder vegetarisch ausgerichtete Ernährung entschieden haben, wichtig werden. https://www.dgkj.de/

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