Schwangerschaft vermeiden, Variabilität des weiblichen Zyklus verstehen

Durchschnittliche Länge des weiblichen Zyklus © Janos Levente / shutterstock.com

Wichtiger ­Faktor für Frauen, die eine ungewollte Schwangerschaft vermeiden möchten, ist die Kenntnis der Variabilität des weiblichen Zyklus.

Kenntnis der Variabilität des weiblichen Zyklus ist ein wichtiger ­Faktor für Frauen, die eine ungewollte Schwangerschaft vermeiden möchten. Dies ist auch für medizinisches und pharmazeutisches Fachpersonal in der Beratung von großer Bedeutung. Diverse Einflussfaktoren ­bedingen inter- und intraindividuelle physiologische Variabilität der Zykluslänge und damit auch des fertilen Fensters.

 

Unterschiedliche Länge des weiblichen Zyklus

Die durchschnittliche Dauer eines Menstruationszyklus beträgt 29 Tage (1). Kann aber von sehr kurz mit 22 und sehr lange mit bis zu 36 Tagen reichen. Die größte Variabilität besteht bei den ersten Jahren nach Einsetzen der Menstruation bzw. 2–3 Jahre vor der Menopause (2).

Studien zufolge finden sich unterschiedliche Zykluslängen außerdem nach dem Wiedereinsetzen der ­Ovulation nach der Geburt und nach Beendigung einer hormonellen Kontrazeption.

 

Wichtige Einflussfaktoren

Eine großangelegte amerikanische Studie untersuchte mögliche ­Einflussfaktoren auf die Zykluslänge und kam zu dem Ergebnis, dass ­zunehmender BMI (Body-Mass-Index) mit dem Auftreten von ­längeren und unregelmäßigeren ­Zyklen verbunden ist. Die ­Wahrscheinlichkeit für kürzere bzw. irreguläre Zyklen war vor allem bei Raucherinnen stark erhöht. ­Verschiedene Krankheiten wie ­Diabetes mellitus und Depression unter ­Behandlung mit Medikamenten waren ebenfalls mit einer ­Irregularität verbunden (3). Weitere Beispiele für mögliche Ursachen einer Irregularität (4,5,6):

 

Länge von Zyklus zu ­Zyklus ­verschieden

Bei sehr vielen Frauen variiert die Länge von Zyklus zu Zyklus und es ist nicht möglich, genaue Zeitfenster zu berechnen. So wurden in einer Studie bei 42,5% der 141 Teilnehmerinnen Differenzen in der ­Zykluslänge von mehr als 7 Tagen und bei 2,2% von mehr als 14 Tagen festgestellt. Variabilität des ­Ovulationszeitpunktes Während eines normalen Menstruationszyklus einer Frau besteht im Allgemeinen an 6 Tagen die Möglichkeit, durch ungeschützten Geschlechtsverkehr schwanger zu werden. Das sogenannte Fertile Fenster setzt sich aus den 5 Tagen vor der Ovulation und aus dem Tag des Eisprungs zusammen. Im Idealfall sollte, bei regelmäßigem Zyklus mit durchschnittlicher Länge, der Eisprung ca. am Tag 14 stattfinden und das Fertile Fenster von Tag 10 bis 17 berechnet werden. Dies ist jedoch selten der Fall. Zahlreiche Studien zu diesem Thema zeigen auf, dass ungefähr 70% der Frauen ihre fruchtbaren Tage außerhalb dieser Zeit haben. Die Angaben ­reichen vom 3. bis zum 29. Zyklustag (2,7). Die fruchtbaren Tage lassen sich bei Frauen mit ­unregelmäßigem Zyklus, Jugendlichen und ­während der Perimenopause noch schwerer ­bestimmen (7).

Fazit. Die vorliegenden Studiendaten zeigen eindeutig auf, dass der Menstruationszyklus der Frau – sogar bei anscheinend regelmäßigem weiblichen Zyklus und guter Gesundheit – einer hohen Variabilität unterliegt und wenige Tage übrig bleiben, an denen Frauen nicht potentiell fertil sind. Die inter- und intra­individuellen Abweichungen haben deshalb große Bedeutung in der Beratung von Frauen, die eine ungewollte Schwangerschaft verhindern möchten. Jeder Tag im Zyklus ist ein potentiell fruchtbarer Tag!


Quellen:

Beitrag »Variabilität des ­weiblichen Zyklus« von Dr. Doris Linsberger, Fachärztin für ­Frauenheilkunde & Geburtshilfe.


Literatur:

1. Rabe T et al., Seminar in Gynäkologischer Endokrinologie – Band 2; Ein Praxisleitfaden; 1. Auflage; 2013; Seite 23

2. Fehring RJ et al., Variability in the phases of the menstrual cycle, Journal of Obstetric, Gynecologic, & Neonatal Nursing, 35: 376–384

3. Rowland AS et al., Influence of medical conditions and lifestyle factors on the menstrual cycle, Epidemiology 2002;13:668 –674

4. Mahoney MM et al., Shift Work, Jet Lag, and Female Reproduction, Int J Endocrinol. 2010;2010:813764

5. Harlow SD et al., Am J Epidemiol. 1991 Jan;133(1):38-49

6. Diaz A et al., Menstruation in girls and adolescents: using the menstrual cycle as a vital sign. Pediatrics. 2006 Nov;118(5):2245-50.

7. Wilcox AJ et al., The timing of the „fertile window“ in the menstrual cycle: day specific estimates from a prospective study. BMJ. 2000 Nov 18, 321 (7271):1259-1262

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