Reizdarmsyndrom – Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

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Bei Reizdarmsyndrom sind abdominale Schmerzen mit ­veränderter Stuhlfrequenz und Stuhlkonsistenz, Müdigkeit, Migräne, Kreislaufstörungen und Depressionen symptomatisch.

Der Darm ist ein autonomes Nervensystem, das sich mit mehr als 100 Millionen Nervenzellen von der Speiseröhre bis zum Darmausgang erstreckt. Bei jedem vierten Menschen sind die Nervenzellen in der Darmwand besonders empfindlich, man spricht von einem Reizdarm. In der Folge reagieren sie überschießend auf ganz normale Reize wie etwa die Füllung mit Speisebrei sowie auf Stress oder emotionale Probleme. Schließlich führen diese Verstärker zu einer Störung der Muskelbewegungen im Darm, wobei natürlich auch die Ernährung eine sehr große Rolle spielt. Es kommt entweder zu einem plötzlichen Anhalten, der Verstopfung, oder viel zu heftigen Darmbewegungen, zu Durchfall!. Ein Reizdarmsyndrom kann vor allem Durchfall und Verstopfung verursachen. Schließlich treten auch Bauchkrämpfe sowie Völlegefühl und Blähungen häufig auf.

 

Diagnose bei Reisdarmsyndrom

Das Reizdarmsyndrom ist eine so genannte »Ausschlusserkrankung« anderer organischer Ursachen. Dazu wird das Blut untersucht, um Entzündungswerte, Leber- und Bauchspeicheldrüsenwerte, die Schilddrüsenfunktion und Elektrolyte zu untersuchen.

In einem Stuhltest wird das Vorhandensein von Blut, Würmern und Parasiten ausgeschlossen. Häufig liegt auch eine Lactoseintoleranz, also eine Milchzuckerunverträglichkeit, vor. Ein diesbezüglicher Test gibt Aufschluss darüber.

Bei Frauen kann eine gynäkologische Untersuchung Probleme in diesem Bereich ausschließen. Eine Ultraschalluntersuchung, bei der Leber, Bauchspeicheldrüse und Gallenblase angesehen werden, kann ebenfalls sinnvoll sein. Weiters wird ab dem 40. Lebensjahr eine Koloskopie empfiehlt.

 

ROM-Kriterien bei Reizdarmsyndrom

Die Erkrankung Reizdarmsyndrom hat ein weites Spektrum an Symptomen: Bauchkrämpfe, Völlegefühl, Verstopfung, Durchfall und Blähungen. Indikatoren nach den so genannten ROM-Kriterien sind Bauchschmerzen über zwölf Wochen, die nicht immer durchgehend sein müssen, Durchfälle, Schleimbeimengungen, Blähungen und Krämpfe.

Zahlreiche Patienten erleben allerdings auch einen Wechsel zwischen Durchfall- und Verstopfungsepisoden. Aber auch andere psychosomatische oder psychische Erkrankungen (Angst, Depression), Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwierigkeiten und Schlafstörungen sowie Kopfschmerzen, Migräne oder Rückenschmerzen können Hinweis auf einen Reizdarm sein.

Vorsicht ist geboten bei Blut im Stuhl, ungewollter Gewichtsabnahme, Fieber und eventuell nächtlichem Auftreten von Durchfällen – diese Symptome können Hinweis auf eine schwere Erkrankung des Darmes sein. Ein Reizdarmsyndrom ist therapierbar Medikamente gegen die Symptome.

 

Mebeverin bei Reizdarmsyndrom

Bei der obstipierten Form sind Laxantien einzusetzen, bei der Diarrhöe-betonten Form können kurzfristig obstipierende Maßnahmen gesetzt werden. Eine bewährte Wirksubstanz in der Therapie bei der Reizdarm-Subgruppen, sowohl der diarröhischen als auch der obstipierten, ist Mebeverin.

Mebeverin wirkt selektiv muskulotrop an zwei Rezeptoren der Darmmuskulatur und stoppt sowohl plötzliche Depolarisationen wie auch anhaltende Hyperpolarisationen der Muskelzellen. Dadurch wird die Bioelektrik der Darmmuskulatur wieder ins Gleichgewicht gebracht, die quälenden Schmerzen des Patienten gelindert. Durch die Normalisierung der Darmbewegungen werden auch Durchfall und/oder Verstopfung wesentlich gebessert. Schließlich ist Mebeverin gut verträglich.

 

Kombinationstherapie mit Psychotherapie

Patienten mit funktionellen gas­trointestinalen Störungen wie das Reizdarmsyndrom oder funktionelle Oberbauchbeschwerden leiden häufig auch unter psychosozialen Problemen. Zahlreiche Studien beweisen, dass Psychotherapien bei Patienten mit Reizdarmsyndrom eine bessere Wirkung zeigen als die alleinige Gabe von medikamentösen Therapien. Enorm erfolgreich ist die »gut-directed« Hypnose. Positives Ansprechen auf Psychotherapie allgemein ist wahrscheinlich, wenn:

  • Stress die Symptome verstärkt oder auslöst,
  • milde Angst und Depression vorhanden ist,
  • das vorherrschende Symptom Schmerz und Durchfall ist,
  • der Schmerz sich mit Nahrungsaufnahme oder Stress verstärkt, bei Stuhlentleerung vermindert und nicht konstant vorhanden ist,
  • und wenn das Beschwerdebild noch relativ kurz andauert.

Quelle: http://www.dgvs.de/fileadmin/user_upload/Leitlinien/Reizdarmsyndrom/Leitlinie_Reizdarmsyndrom.pdf

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About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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