Vorsicht Unfallrisiko: wenn sich Kinder bei einem Reitunfall verletzen

So ist es richtig: Kinder reiten mit Helm sicherer. © SUSAN LEGETT / shutterstock.com

Reiten bedeutet viel Spaß aber auch Unfallrisiko, wobei die Gefahren, dass sich Kinder bei einem Reitunfall verletzen, oft unterschätzt werden.

Das Glück dieser Erde liegt auch für manches Kind auf dem Rücken der Pferde – besonders häufig bei Mädchen. Bei allem Schwärmen für die schönen Tiere mit den riesigen Augen sollte man aber eines nicht vergessen: wenn Kinder reiten, kann es gefährlich werden – der Umgang mit einem Pferd und ein Reitunfall kann sogar im Rollstuhl enden. Die Risiken , dass sich Erwachsene aber auch Kinder bei einem Reitunfall verletzen, werden allerdings häufig unterschätzt.

 

Verletzungen nahezu so gefährlich wie Autounfälle

Im Grunde genommen gehört das Reiten zu den drei unfallträchtigsten Sportarten bei Kindern und Jugendlichen in unseren Breiten. Etwa die Hälfte aller Patienten, die wegen eines Reitunfalls im Krankenhaus behandelt werden müssen, sind unter 18 Jahre alt, wobei besonders junge Reiterinnen – Mädchen unter 14 Jahren – gefährdet sind. Dabei ist die Schwere der Unfälle, wenn sich Kinder bei einem Reitunfall verletzen, im Vergleich zu anderen Sportarten besonders hoch sind. Im Durchschnitt weisen lediglich Kinder und Jugendliche, die von einem Auto angefahren wurden, schwerere Verletzungen auf als diejenigen, die beim Reiten verunglücken.

 

Bremer Daten

Im Jahr 2006 begannen Kinderchirurgen des Klinikums Bremen-Mitte alle Unfälle der in ihrer Klinik vorgestellten kleinen Patienten zu erfassen, die mit dem Kinder Reiten zusammenhingen. Die Hälfte der Kinder (52,6%) erlitt Verletzungen an Armen und Händen, jedes Fünfte (18,4%) zog sich Verletzungen am Kopf zu. In jedem zehnten Fall (10,6%) wurden Wirbelsäule oder Rücken in Mitleidenschaft gezogen. Und dies, obwohl die meisten jungen Reiterinnen eine adäquate Schutzkleidung – in 87,7 Prozent der Fälle einen Helm – getragen haben. Wie die Bremer Kinderchirurgen auf einem Pädiaterkongress in München berichteten, mussten sie nicht nur Knochenbrüche, sondern auch Fälle von Milz- oder Nierenrisse behandeln.

 

Gefährliche Tritte und Bisse

Die Gefährlichkeit des Umgangs mit Pferden ergibt sich unter anderem aus der mit der Größe und Kraft eines Pferdes entstehenden kinetischen Energie und seiner Unkontrollierbarkeit. Die Stiftung Kindergesundheit rechnet vor: Ein Pferd besitzt eine Masse von ca. 500 kg und ist bis zu zwei Metern hoch. Der Kopf des Reiters befindet sich bis zu drei Meter über dem Boden.

Ein Pferd kann bis auf 65 km/h beschleunigen und bringt bei einem Tritt eine Kraft von bis zu einer Tonne auf. Es ist ein Flucht-, Herden- und Steppentier und benimmt sich oft entsprechend. Wird es in die Enge getrieben, verteidigt es sich mit Huftritten und Bissen. „Pferde sind keine Sportgeräte, sondern autonom denkende und dabei unberechenbare Lebewesen“, betont Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit mit großem Nachdruck.

 

Kinder reiten für Fitness und Seele

Trotz der Risiken halten die meisten Sportmediziner viel vom Reitsport, oft empfehlen sie sogar, dass Kinder als Therapie reiten sollen. Die Gründe sind vielfältig: wenn Kinder reiten, trainiert das den ganzen Stütz- und Bewegungsapparat, vor allem die Lendenwirbelsäule und das Becken und wirkt deshalb vorbeugend und heilend bei Haltungsschäden.

Da sich der Reiter den unterschiedlichen Gangarten des Pferdes rhythmisch anpassen muss, begünstigt das Reiten auch den Kreislauf und die Herzfunktion. Die inneren Organe werden intensiv durchblutet, sogar die Verdauung funktioniert besser.

Aber auch auf die seelische und soziale Entwicklung von Kindern hat das Reiten offenbar eine ausgleichende und fördernde Wirkung:

 

Kinder sollten besser mit Reithelm als mit Kappe reiten

Pferde haben ihre Eigenheiten. „Eltern sollten es sich deshalb gut überlegen, ehe sie ihr Kind zu Reitstunden anmelden“, so Professor Berthold Koletzko. „Selbst Zehnjährige sind nicht unbedingt schon in der Lage, mit einem großen Pferd auch in kritischen Situationen angemessen umzugehen. Hinzukommt, dass viele Kinder und Jugendliche als Anfänger ihre Reitfähigkeiten oft überschätzen“. Um Verletzungen vorzubeugen, sollten Eltern pferdenärrischer Kinder darauf achten, dass ihr Kind

 

Ungeübte Kinder haben ein deutlich höheres Risiko, sich bei einem Reitunfall zu verletzen

Ungeübte Reitende haben ein höheres Verletzungsrisiko. Die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt deshalb sowohl erwachsenen Reitern als auch pferdebegeisterten Kindern eine kontinuierliche Teilnahme an Falltrainingsprogrammen, wie sie von der Reiterlichen Vereinigung (FN) deutschlandweit angeboten werden.
Eine gute Vorübung für das Reiten und zugleich auch für jüngere Kinder geeignet ist das Voltigieren. Dabei lernt das Kind das Turnen auf einem im Kreis laufenden Pferd, aber auch den richtigen Umgang mit dem Tier und – was besonders wichtig ist – das richtige Fallen, mit dem man Sturzverletzungen vorbeugen kann.

Ein letzter wichtiger Hinweis der Stiftung Kindergesundheit gilt erwachsenen Autofahrern: wenn man auf der Strasse Kinder reiten sieht, sollte man vorsichtig mit dem Auto überholen! Denn falls man zu nahe an einem Pferd vorbeifährt, könnte das Tier scheuen und das Kind gefährden.


Quelle: Stiftung Kindergesundheit

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