Übertriebene Sauberkeit schadet Kindern

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Übertriebene Sauberkeit schadet laut Experten den Kindern. Verschiedene Umwelteinflüssen wie spielen am Bauernhof können präventiv gegen Allergien helfen.

Zahlreiche Experten vermuten, dass Kinder, die ihre ersten Lebensjahre in ­sehr sauberen, nahezu sterilen Wohnungen aufwachsen, ­ein beträchtlich höheres Risiko haben, eine Allergie zu entwickeln. So konnte mehrfach gezeigt werden, dass das Immunsystem eines Kindes ­eine natürliche Menge an Bakterien und ­Viren benötigt. Schließlich sollen diese die körpereigene Abwehrkraft beziehungsweise das Immunsystem stärken. Anscheinend erhöht also übertriebene Sauberkeit das Allergie- sowie das Asthma-Risiko.

 

Mikroorganismen, die beispielsweise in Tierställen eingeatmet werden, helfen bei der Abwehr gegen Asthma und Infektionen der unteren Atemwege

So haben zum Beispiel Bauernkinder, die in den ersten Lebensjahren viel Zeit im Stall verbrachten, laut verschiedener Untersuchungen ein geringeres Risiko, nach dem fünften ­Lebens­jahr allergisches Asthma oder Heuschnupfen zu bekommen. Kinder, die in Tierställen spielen, atmen eine komplexe Mischung von Mikroorganismen ein. Sehr kleine Partikel von Heu und Gras, die eine Vielzahl von Bakterien, Pilze und Pollen enthalten, treten in ihre Atemwege ein.

Grund dafür ist die Regulation der so genannten IgE-­Antikörpermoleküle in der frühen Kindheit. Diese Moleküle sind dazu da, in der Natur Parasiten abzuwehren. Wenn kleinere Infektionen mit Bakterien oder Viren das Immun­system in den ersten Lebensjahren zu selten fordert, könnten sich diese IgE-­Antikörpermoleküle gegen harmlose Stoffe wie ­Lebensmittel oder Tierhaare richten. Schließlich können sie so Allergien verursachen.

Statis­tisch gesehen sind Kinder, die weitgehend isoliert aufwachsen und sich so seltener bei Spiel­kameraden mit Schnupfen oder ähnlichen harmlosen Infekten anstecken, stärker für Allergien anfällig. ­Dagegen seien Buben und Mädchen mit vielen Geschwistern weniger allergiegefährdet.

Dennoch betonen Experten, dass es dringend davon ab­zuraten ist, Kinder gezielt Infekten auszusetzen. Auf keinen Fall sollte auch auf Grund dieser ­Ergebnisse auf die empfohlenen Schutzimpfungen verzichtet werden.

 

Asthma-Risiko minimieren

Kürzlich konnten Allergologen übrigens zeigen, dass sich bei Infekten der unteren Atemwege mit Umwelteinflüssen durch Stall beziehungsweise Bauernhof oder Ähnliches sogar genetische Veranlagungen wettmachen lässt. Experten sprechen vom so genannten genetischen Asthma-Risiko.

Quelle und weitere Informationen:

Übertriebene Sauberkeit und Allergien. MEDMIX 1/2009

The early development of wheeze: Environmental determinants and genetic susceptibility at 17q21. In: American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine 2015, DOI: 10.1164/rccm.201507-1493OC
http://www.atsjournals.org/doi/abs/10.1164/rccm.201507-1493OC#.VkwzxOmFPcs

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Lena Abensberg

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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