Überlebenschancen bei Lungenkrebs – Lungenkrebs-Screening erfolgreich

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Das Verständnis der molekularen Grundlagen mit Fortschritten in der Diagnostik und der Therapie hat die Überlebenschancen von Lungenkrebs-Patienten deutlich verbessert.

Es gibt verschiedene, teilweise spektakuläre Berichte über neue Behandlungsformen bei Lungenlrebs. Dazu zählen wie zielgerichtete, personalisierte Therapien sowie die Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren. Alle diese Entwicklungen lassen die Ärzte und die Patienten hoffen, dass Überlebenschancen bei Lungenkrebs größer werden und der Krebs seinen Schrecken verliert. Schließlich soll Krebs bald wie eine chronische Erkrankung behandelt werden können. Doch es ist nicht alle Gold was glänzt. Unter dem Strich hat beispielsweise die durchschnittliche Überlebensrate bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) in mehr als einem Jahrzehnt nur um 1,5 Monate erhöht.

 

Erhöhte Überlebensrate

Die Behandlung hat sich in den letzten zehn Jahren grundlegend geändert. Außerdem hat in vielen Fällen auch die Überlebensrate beträchtlich erhöht. Dennoch gibt es aber auch Beobachtungen wie die eingangs erwähnten Überlebenschancen beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs. Wobei dies auch die Grenzen und Unzulänglichkeiten der zytotoxischen Chemotherapie widerspiegelt.

 

Risikovermeidung, um die Überlebenschancen bei Lungenkrebs zu erhöhen

Zwar versteht die Forschung heute die molekularen Grundlagen der Krankheit viel besser und somit hat sich sowohl in der Diagnostik als auch der Therapie viel Positives bewegt. Allerdings gilt eben nach wie vor Lungenkrebs – trotz der Fortschritte und der besseren Überlebenschancen – als „Killer-Erkrankung“. Dessen Hauptverursacher ist das Rauchen. Damit ist ein Rauchstopp die sinnvollste Maßnahme gegen Lungenkrebs.

Doch auch wenn Rauchen der Hauptrisikofaktor für Lungenkrebs ist, erkranken dennoch rund 15% der Nichtraucher daran. Passivrauchen, Luftverschmutzung oder andere umwelt- oder auch arbeitsbedingte Belastungen, wie Staub, Asbest, Teer u.a. sind Risikofaktoren, die zur Entstehung eines bösartigen Lungentumors führen können.

Ein familiäres Risiko entsprechend einer genetischen Belastung spielt nur eine untergeordnete Rolle. Von entscheidender Bedeutung ist die Früherkennung – neben auffälligen Symptomen wie lang andauernder Husten vor allem mit blutigem Auswurf, können auch scheinbar harmlose Symptome wie unerklärlicher Gewichtsverlust, ein allgemeines Schwächegefühl aber auch Heiserkeit Anzeichen für Lungenkrebs sein.

 

Lungenkrebs ist eben nicht gleich Lungenkrebs

Beim Bronchialkarzinom geht die bösartige Zellveränderung zumeist von Schleimhautzellen der Bronchien aus. Die Zellen entarten, vermehren sich unkontrolliert und zerstören durch ihr Wachstum gesundes Lungengewebe. Aber es gibt viele unterschiedliche Ausformungen von Lungenkrebs und diese zu kennen und identifizieren, ist für die Wahl der geeigneten Therapie von großer Bedeutung. Man unterscheidet zwei Arten des Lungenkarzinoms:

  • das kleinzellige (Small Cell Lung Cancer, SCLC) und
  • das nicht-kleinzellige (Non-Small Cell Lung Cancer, NSCLC), wobei das NSCLC mit etwa 80% die deutliche Mehrheit ausmacht.

Bei beiden Lungenkrebsformen liegt bei Diagnose in etwa in zwei Drittel der Fälle bereits ein fortgeschrittenes Tumorstadium vor. Grundsätzlich wird beim SCLC nur in sehr frühen Tumorstadien ohne Lymphknotenbefall eine Operation angestrebt. Das steht im Gegensatz zum NSCLC, wo in bestimmten Konstellationen auch bei Lymphknotenbefall eine chirurgische Entfernung des Lungentumors ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung ist.

Weiters ist beim SCLC eine prophylaktische Ganzhirnbestrahlung, d.h. ohne Vorliegen von Gehirnmetstasen, oft ein fixer Therapiebestanteil. Beim NSCLC kommt die Bestrahlung des gesamten Gehirns oder eine gezielte Bestrahlung einzelner Läsionen nur beim Vorhandensein von Metastasen zum Einsatz.

Die Chemotherapie ist beim metastasierten SCLC weiterhin die Methode der Wahl. Beim metastasierten NSCLC hat sich das in letzten Jahren entscheidend geändert.

 

Bessere Überlebenschancen durch Biomarker, Immuntherapien und zielgerichtete Behandlungsoptionen

Einen großen Fortschritt stellt die Vielzahl von neuen Biomarkern dar. Mit Hilfe dieser charakteristischen, messbaren Merkmale am Tumor können prognostische Aussagen, also den Krankheitsverlauf betreffende, und prädiktive Aussagen, also die Wahrscheinlichkeit des Ansprechens auf ein bestimmtes Medikament, getroffen werden.

Von zunehmender Wichtigkeit sind die prädiktiven Biomarker, die mit hoher Wahrscheinlichkeit voraussagen, auf welche Therapieform der jeweilige Tumor voraussichtlich am besten ansprechen wird. So muss man nicht verschiedene Therapien auf ein wirksames Ansprechen hin „ausprobieren“, sondern es kommt von Beginn an die vielversprechendste Therapie zur Anwendung.

 

Biomarker EGF-Rezeptor

Der EGF-Rezeptor liegt in verschiedenen Tumorarten hochreguliert und/oder in mutierter Form vor. Das kann dazu führen, dass die Tumorzellen unkontrolliert wachsen und sich vermehren. Als Folge davon kommt es bei Tumoren, die diesen Biomarker aufweisen, oft auch zu einer verstärkten Metastasenbildung. Also zur Absiedelung von Krebszellen in andere Regionen des Körpers.

Moderne zielgerichtete Krebstherapien zielen nun darauf ab, dieses Krebs-Signal von EGFR zu blockieren und somit das Tumorwachstum zu unterbinden. Liegt also eine EGFR-Mutation im Tumorgewebe vor, wird der Patient heute bereits in der Erstlinientherapie mit einer zielgerichteten Therapie behandelt.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Denn Verträglichkeit, Ansprechrate sowie Überlebenschancen sind der Chemotherapie klar überlegen. Und außerdem kann der Patient das Medikament oral einnehmen. Das wiederum erleichtert die Behandlung zu Hause, der Pantient kann sich weitere Krankenhausaufenthalte ersparen.

Irgendwann aber beginnt der Tumor sich auf das Medikament ‚einzustellen‘. Dann entwickelt er eine Resistenz und beginnt wieder zu wachsen. Diese Resistenz-Mechanismen werden heute besser verstanden und können durch verschiedene neue Verfahren – wie zum Beispiel die Liquid Biopsy, bei der man Tumorzellen oder Tumor-DNA im Blut analysiert – abschätzen, welche Zweitlinientherapie in Folge am erfolgversprechendsten ist.

 

PDL1-Biomarker

Liegt eine hohe PDL1-Expression im Tumorgewebe vor, was auf rund ein Drittel der Patienten mit NSCLC zutrifft, weiß man heute, dass sie von einer Immuntherapie bedeutend mehr profitieren als von einer Chemotherapie. Die Immuntherapie – einer der größten Hoffnungsträger bei Lungenkrebs – ist der Chemotherapie hinsichtlich Ansprechrate, Überlebenschancen, Verträglichkeit und Lebensqualität bei diesen Patienten weit überlegen.

 

Das Lungenkrebs-Screening steigert die Überlebenschancen bei Lungenkrebs deutlich!

Lungenkrebs zeigt im Frühstadium in der Regel keine Symptome. Daher wird er zumeist erst in einem deutlich fortgeschrittenen und somit prognostisch ungünstigen Stadium diagnostiziert. Ein Früh-Test, ein Lungenkrebs-Screening bei Risikogruppen, hat daher große Bedeutung. Eine systematische, qualitätsgesicherte und nach evidenzbasierten Kriterien durchgeführte Früherkennung durch ein Screening von Personen mit hohem Lungenkrebsrisiko – wie starke Raucher, die älter als 55 Jahre sind und eine Packung Zigaretten oder mehr über 30 Jahre hindurch geraucht haben – würde die Überlebenschancen dieser Zielgruppen deutlich erhöhen. Durch ein jährliches Lungenkrebs-Screening mittels Niedrig-Dosis-Computertomographie kann die Lungenkarzinom-Sterblichkeit um 20% reduziert werden. Dies konnte 2011 in einer großen amerikanischen Studie, dem National Lung Screening Trial, gezeigt werden.

 

Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören!

Mehrere Untersuchungen belegen einen beträchtlichen »Rückgewinn« an Lebenszeit, selbst wenn man das Rauchen erst mit 55 Jahren beendet. Deshalb sind Präventionsprogramme, Raucherentwöhnungsprogramme und Nichtraucherschutz von großer Bedeutung.

Literatur:

Sanjeet Bagcchi. Lung cancer survival only increases by a small amount despite recent treatment advances. NEWS| VOLUME 5, ISSUE 3, P169, MARCH 01, 2017

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About Author

Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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