Türsteher für die Notfallaufnahme

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Deutschlands Kliniken reagieren auf verbale und körperliche Angriffe auf Ärzte und Pflegepersonal und installieren Türsteher vor der Notfallaufnahme.

Verbale und körperliche Angriffe auf Ärzte und Pflegepersonal in Deutschlands Kliniken nehmen zu. Allein im Klinikverbund Nürnberger Land melden Mitarbeiter monatlich zwischen 30 und 40 Vorfälle, die mit Beleidigungen und körperlichen Übergriffen einhergehen. In der Fachzeitschrift „kma – Das Gesundheitswirtschaftsmagazin“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2016) berichten Klinikverantwortliche, wo sie die Gründe sehen und mit welchen Maßnahmen sie der wachsenden Gewalt begegnen. Günter Niklewski ist Ärztlicher Direktor am Klinikum Nürnberg und beobachtet die zunehmende Gewalt sehr genau. Die steigenden Patientenzahlen – gerade in der Notfallaufnahme – sind für ihn ein Teil des Problems. Die Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) verzeichnet hier seit 2005 jährlich einen Zuwachs um vier bis acht Prozent. Die Wartezeiten sind deshalb häufig sehr lang, das birgt Konfliktpotenzial: „Zu warten, scheinbar nicht beachtet zu werden und anderen schwerkranke Patienten leiden zu sehen – das schürt Angst und macht manchen aggressiv“, erklärt er gegenüber der „kma“.

Florian Demetz, der die Notfallaufnahme am Klinikum Ingolstadt leitet, bemerkt zudem, dass immer mehr Patienten das Krankenhaus mit dem Anspruch betreten, sofort behandelt zu werden. Da das nicht gewährleistet werden kann, kommt es zu Konflikten mit dem Personal. Andere Verantwortliche sprechen über „Gewaltexzesse“, die sie mit dem Konsum von synthetischen Rauschmitteln, wie Crystal Meth, in Zusammenhang bringen. Zudem scheint insgesamt die Hemmschwelle gegenüber Personen „mit ordnender Funktion“ zu sinken, wie Kirsten Gaede in ihrem Beitrag schreibt. So klagen zum Beispiel auch immer mehr Beschäftigte der Polizei, des Rettungsdienstes und auch der Deutschen Bahn über körperliche Übergriffe.

Krankenhäuser reagieren unterschiedlich auf die Vorfälle. Während einige Einrichtungen einen Wachschutz engagieren und dafür tief in die Tasche greifen, setzen andere auf Deeskalationstraining für ihre Mitarbeiter. Ein bis zweimal im Jahr finden Veranstaltungen statt, in denen sie auf unangenehme Situationen vorbereitet werden und lernen, darauf besonnen zu reagieren. Die Anwesenheit ist Pflicht. Andere Häuser statten ihre Mitarbeiter mit Geräten aus, mit denen sie einen Notruf absetzen können, um Kollegen oder Sicherheitskräfte zur Hilfe zu rufen. Zudem etablieren manche Kliniken ein Meldesystem für das Klinikpersonal. Hier werden Art und Zusammenhang der Übergriffe aufgenommen. Das hilft der Geschäftsführung dabei, die Lage in ihrem Haus einzuschätzen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. In manchen Fällen bestärkt die Klinikleitung das Personal auch darin, Anzeige zu erstatten, und bietet den Betroffenen Rechtshilfe an.

Wie und in welchem Umfang Kliniken Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, obliegt der Leitung. Fest steht, dass kaum jemand das Thema noch ignorieren kann, konstatiert Kirsten Gaede in der „kma“. Vielen mangele es jedoch an einer systematischen Gefährdungsbeurteilung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen, wie Heike Schambortski von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) beklagt. Eine solche diene nicht nur der Sicherheit der Mitarbeiter, sondern sei auch für die rechtliche Absicherung Geschäftsführung notwendig. So überprüfe die Staatsanwaltschaft bei schweren Vorfällen durchaus auch, ob eine geeignete Gefährdungsbeurteilung vorliegt.

Quellen:

https://www.thieme.de/

K. Gaede:
Mitarbeitersicherheit: Was tun?
kma – Das Gesundheitswirtschaftsmagazin 2016; 21 (10); S.30–35

K. Gaede:
Sicherheitskonzept: Kliniken sind keine Flughäfen…
kma – Das Gesundheitswirtschaftsmagazin 2016; 21 (10); S.32–35

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