Tropische Riesenzecke: verfolgen auch Menschen und greifen an

Tropische Riesenzecke (Hyalomma sp.) © Georg Duscher / Vetmeduni Vienna

Tropische Riesenzecke (Hyalomma sp.) © Georg Duscher / Vetmeduni Vienna

Die tropische Riesenzecke, Hyalomma marginatum, kann Fleckfieber und Krim-Kongo-Fieber übertragen, Riesenzecken verfolgen auch Menschen und greifen sie an.

Seit kurzem bedroht die Tropische Riesenzecke – eine neue Zeckenart der Gattung Hyalomma marginatum – die Gesundheit von Tieren und Menschen und kann Erkrankungen wie Fleckfieber und Krim-Kongo-Fieber verursachen. Diese Jagd- und Riesenzecken haben auch Augen (»omma«), entdecken ihre Opfer, auch Menschen, bereits bei einem Abstand von 10 Metern, können sie dann bis zu 100 Meter lang verfolgen und greifen sie an. Die Gattung Hyalomma umfasst übrigens viele Zeckenarten wie eben die Hyalomma marginatum. Die meisten Arten dieser Gattung sind afrikanische Arten, einige kommen auch in Europa vor und sind aufgrund ihrer Ähnlichkeit sehr schwer zu unterscheiden.

 

Intensives Zeckenjahr 2020

Schon zu Beginn des Frühlings im März gab Meldungen über ein vermehrtes Auftreten von Zecken. Feuchtigkeit und Wärme sind die idealen klimatischen Bedinungen für sie. Das milde Frühlingswetter gefolgt von reichlich Regen war für Zecken ideal, um sich auszubreiten der. Das gilt für die Hyalomma-Riesenzecken ebenso wie unseren heimischen Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus), wie man die Zecken auch nennt.

Die vielen, durch Zeckenstich übertragenen Erkrankungen in den letzten Jahren spiegeln sich übrigens auch in der Zeckenaktivität wider. So konnte man in vielen Gegenden in unseren Breiten eine erhöhte Aktivität der Zecken feststellen. Dies könnte Folge einer höheren Zeckendichte sein. Dazu gibt es auch Hinweise, die einen allgemeinen Trend zu einer höheren Zeckenaktivität in den letzten Jahren zeigen.

Forscher glauben beispielsweise, dass eine bessere Verfügbarkeit von Wirtstieren wie Wildtiere und Mäuse dafür mitverantwortlich ist. Die höheren Erkrankungszahlen könnte man aber auch darauf zurückführen, dass sich Menschen und Tiere häufiger als üblich im Freien aufhalten.

 

Die tropische Riesenzecke, Hyalomma marginatum, erobert vereinzelt Deutschland und Österreich

Die Hyalomma marginatum trat bereits 2018 vereinzelt in Deutschland und Österreich auf. Wobei sie normalerweise in tropischen, beziehungsweise subtropischen Gebieten vorkommt. Jedenfalls ist die tropische Riesenzecke dafür bekannt, das Zecken-Fleckfieber sowie das Krim-Kongo-Fieber zu übertragen.

Prominent berichtet wurde im Jahre 2018 über einen Mann in Deutschland, den im Juli eine Hyalomma-Zecke auf der Jagd gestochen hatte. Der einen Mann aus Nordrhein-Westfalen überließ die Riesenzecke zur Analyse der Uni Hohenheim. Der Pferdebesitzer erkrankte an Fleckfieber, die sofortige Behandlung mit Antibiotika wirkte allerdings rasch und erfolgreich. Experten betonen jedenfalls, dass auch Ärzte heutzutage an Stiche der tropische Riesenzecke denken müssen.

Das Krim-Kongo-Fieber-Virus ist der Erreger des schweren, von Zecken übertragenen, oft tödlichen, zoonotischen hämorrhagischen Krim-Kongo-Fiebers, das weltweit weit verbreitet ist. Die Krim-Kongo-Fieber-Virus-Übertragung auf den Menschen erfolgt durch Zeckenstich, zerquetschte Zecken oder Kontakt mit infiziertem Wirtsblut. Wichtig auch für Touristen: Aktuell hat man in Spanien über ein vermehrtes Auftreten mit Krim-Kongo-Fieber-Virus-infizierter Zeckenarten berichtet.

 

Transportmittel Zugvögel

Die Nymphen, Jungtiere, dieser Zeckenart befördern jedenfalls wahrscheinlich im Frühjahr die Zugvögeln aus dem Süden zu uns. Wobei Italien eine sehr wichtige Migrationsroute für viele Vogelarten ist, die in unseren Breiten brüten. Weiter tragen sie dann von dort die Jungtiere der Hyalomma-Unreife nach Mitteleuropa. Im Grunde genommen befürchten Experten aber auch, dass wenn es sehr warm bleibt, sich die tropische Riesenzecke auch sehr gut in unseren Breiten etablieren könnte. Man spricht heute auch von der Mittelmeerzecke, Hyalomma marginatum, die der wichtigste Vektor ist des hämorrhagischen Krim-Kongo-Fiebervirus und mehrerer Krankheitserreger, die Tier- und Menschenkrankheiten und wirtschaftliche Verluste bei der Nutztierhaltung verursachen. Angesichts der medizinischen und veterinärmedizinischen Bedeutung dieser Zeckenart haben Forscher unlängst erstmals das mitochondriales Genom (Mitogenom) der Hyalomma marginatum sequenziert und charakterisiert.

Schließlich konnte man bei einigen Exemplaren auch die Zecken-Fleckfieber-Erreger nachweisen. Allerdings gibt es wenige Fälle mit am Zecken-Fleckfieber erkrankten Menschen. Übrigens konnte man bislang keine Erreger des Krim-Kongo-Fiebers nachweisen.

Unter dem Strich sind Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes exotische Zeckenarten, die hauptsächlich in Südeuropa, Afrika sowie Nahostasien vorkommen. In den letzten Jahren wurden diese Zeckenarten in unseren Breiten sporadisch gefunden. Sie gehören zwar nicht zur autochthonen Zeckenfauna, können sich allerdings unter geeigneten Wetterbedingungen vom Nymphen-Stadium zum Erwachsenenstadium weiterentwickeln. Dementsprechend könnten importierte Hyalomma-Zecken zukünftig auch exotische Krankheiten übertragen.


Literatur:

Ciloglu A, Ibis O, Yildirim A, Aktas M, Duzlu O, Onder Z, Simsek E, Yetismis G, Ellis VA, Inci A. Complete mitochondrial genome characterization and phylogenetic analyses of the main vector of Crimean-Congo haemorrhagic fever virus. Hyalomma marginatum Koch, 1844. Ticks Tick Borne Dis. 2021 May 1;12(5):101736. doi: 10.1016/j.ttbdis.2021.101736. Epub ahead of print. PMID: 33992910.

Moraga-Fernández A, Ruiz-Fons F, Habela MA, et al. Detection of new Crimean-Congo haemorrhagic fever virus genotypes in ticks feeding on deer and wild boar, Spain [published online ahead of print, 2020 Aug 1]. Transbound Emerg Dis. 2020;10.1111/tbed.13756. doi:10.1111/tbed.13756

Valcárcel F, González J, González MG, et al. Comparative Ecology of Hyalomma lusitanicum and Hyalomma marginatum Koch, 1844 (Acarina: Ixodidae). Insects. 2020;11(5):E303. Published 2020 May 13. doi:10.3390/insects11050303

Hubálek Z, Sedláček P, Estrada-Peña A, Vojtíšek J, Rudolf I. First record of Hyalomma rufipes in the Czech Republic. With a review of relevant cases in other parts of Europe [published online ahead of print, 2020 Apr 3]. Ticks Tick Borne Dis. 2020;101421. doi:10.1016/j.ttbdis.2020.101421

Chitimia-Dobler et al. Imported Hyalomma ticks in Germany in 2018. Parasit Vectors. 2019; 12: 134. Published online 2019 Mar 26. doi: 10.1186/s13071-019-3380-4


Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien

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