Trick gegen Nierenversagen bei Herz-OP gegen Komplikationen

Mit IPC vor dem Eingriff konnte Nierenversagen bei Herz-OP vermieden werden. © surassawadee / shutterstock.com

Mit IPC vor dem Eingriff konnte Nierenversagen bei Herz-OP vermieden werden. © surassawadee / shutterstock.com

Akutes Nierenversagen bei Herz-OP ist eine der häufigsten Komplikationen. Eine Art Vorwarnsystem mit Feuermelder soll hier Abhilfe schaffen.

Eingriffe am offenen Herzen können zu akutem Nierenversagen bei Herz-OP führen – eine der häufigsten Komplikationen bei Herzoperationen. Im schlimmsten Fall führt das Nierenversagen bei Herz-OP zum Tod, einen wirksamen Schutz dagegen gibt es bisher nicht.

Durch die Herz-OP funktionieren die Nieren für gewöhnlich nur eingeschränkt. Sie scheiden dann Giftstoffen nur noch unzureichend aus. Oft muss das Blut der Patienten mittels Dialyse künstlich gereinigt werden.

Ein internationales Expertenteam konnte nun die Komplikationswahrscheinlichkeit deutlich senken, indem sie die Nieren vorwarnten und sie mit diesem Trick vor der Herz-OP dazu brachten, eine Art Selbstverteidigungsmechanismus zu aktivieren.

 

Ischämische Präkonditionierung IPC – ein einfacher Trick, um Nierenversagen bei Herz-OP zu vermeiden

„Der Trick gegen Nierenversagen bei Herz-OP ist einfach“, erläutert der Erstautor, Anästhesiologie-Professor Dr. Alexander Zarbock von der  Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

„Wir täuschen dem Körper eine Verletzung vor, indem wir eine Arterie im Arm des Patienten für wenige Minuten abbinden. Dadurch kann kein Blut mehr in den Unterarm fließen, der Körper schüttet verschiedene Botenstoffe in den Blutkreislauf aus. Die Nieren filtern diese Moleküle heraus, erkennen sie als Alarmsignale für Schäden im Körper und fahren ihre Abwehr hoch.“

Das Verfahren – als ischämische Präkonditionierung (IPC) bekannt – hat sich in einigen Studien bereits bewährt, um Schäden am Herzen bei koronarer Herzkrankheit vorzubeugen.

 

Feuermelder gegen Nierenversagen bei Herz-OP

Die Forscher fanden Signale, mit denen sich Nierenzellen gegenseitig vor Verletzungen warnen, so Zarbock: „Wir konnten im Urin der vorbehandelten Patienten die Biomarker TIMP2 und IGFBP7 nachweisen. Diese Proteine signalisieren normalerweise, dass die Nieren gestresst sind und nicht richtig funktionieren – in diesem Fall schützten sie allerdings vor Folgeschäden.“

„Das System funktioniert ähnlich wie ein Feuermelder“, erläutert Ko-Autor Dr. John Kellum, Direktor des: „Feuermelder werden angebracht, um Gebäude und Bewohner zu schützen. Wenn ein Melder schrillt, zeigt das zwar eine gefährliche Lage an – der Alarm selbst wirkt aber positiv. Wir haben es geschafft, ihn auszulösen, bevor das Feuer ausbricht.“

Insgesamt betrachteten die Forscher 240 Herz-OP-Patienten mit hohem Komplikationsrisiko, in Münster, Tübingen, Freiburg und Bochum. 38 Prozent der Patienten, deren Nieren vor der Herzoperation auf Verletzungen vorbereitet worden waren, erlitten akutes Nierenversagen bei Herz-OP; bei den nicht vorbehandelten Patienten waren es 53 Prozent.

Die IPC-Patienten verbrachten durchschnittlich einen Tag weniger auf der Intensivstation, nur sechs Prozent von ihnen waren nach der Operation auf eine Dialyse angewiesen – gegenüber 16 Prozent der unvorbehandelten Patienten.

Ob die Sterblichkeit nach Herzoperationen durch IPC verringert werden kann, können die Forscher aufgrund der Studiengröße noch nicht sagen.


Literatur:

Zarbock A. et al.: Effect of Remote Ischemic Preconditioning on Kidney Injury Among High-Risk Patients Undergoing Cardiac Surgery: Randomized Clinical Trial. JAMA. Published online May 29, 2015. http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=2299339


Quelle:

Zentrums für intensivmedizinische Nephrologie (Nierenheilkunde) der University of Pittsburgh (Pennsylvania/USA)

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