Psychische Probleme nach der Transplantation

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Psychosoziale Charakteristika beeinflussen in erheblichen Ausmaß einerseits das Transplantatüberleben sowie auch die Lebensqualität von Patienten nach der Transplantation.

Im Grunde genommen geschieht die Verpflanzung eines Organs immer in einer Krisensituation, die Körper und Psyche des Empfängers betrifft. Denn meistens geht der Transplantation eine lange Phase schwerer Erkrankung voraus mit Klinikaufenthalten, Abhängigkeit von Maschinen, Ungewissheit sowie Todesangst.

Dabei können unbehandelte psychische Probleme und andere ungünstige psychosoziale Faktoren, etwa unrealistische Erwartungen an den Eingriff, mit der Grund sein, weshalb der Körper das transplantierte Organ abstoßt.

Deswegen begannen Experten unlängst an der AWMF-Leitlinie „Psychosoziale Diagnostik und Behandlung von Patienten vor und nach Organtransplantation“ zu arbeiten. Die Federführung haben DKPM und DGPM (Registernummer 051–031).

 

Evidenzbasierter Empfehlungen gegen psychische Probleme nach der Transplantation

Ziel ist die Entwicklung evidenzbasierter Empfehlungen zur psychosozialen Diagnostik sowie zur Indikation und Durchführung von psychosozialen Behandlungen. Dies sowohl vor als auch nach der Transplantation solider Organe. Eingeschlossen in die Empfehlungen werden sowohl die Empfänger als auch die Lebendspender (Niere, Leber).

Die Etablierung von entsprechenden Standards soll die Versorgungsunterschiede zwischen und innerhalb von Transplantationszentren reduzieren. Zudem sind Einbezug, Definition und Aufgaben einer „psychologisch erfahrenen Person“ in den Richtlinien (zur Wartelistenführung) der Bundesärztekammer (BÄK) noch ungenügend und uneinheitlich definiert.

Die Experten sind der Auffassung, dass eine obligate psychosoziale Evaluation für jeden Transplantationspatienten vor Aufnahme in der Warteliste erfolgen soll (Inhalte siehe Tabelle 1) und dass die zuständigen Fachdisziplinen (Psychosomatik/Psychologie/Psychiatrie) obligatorisch an Transplantationskonferenzen teilnehmen sollen.

 

Transplantatüberleben als auch Lebensqualität im Fokus

Sowohl das Transplantatüberleben als auch die Lebensqualität von Transplantationspatienten hängen zu einem nicht unerheblichen Teil von psychosozialen Charakteristika ab. Eine Rolle spielen dabei einerseits die hohe psychische Komorbidität und andererseits das erschreckend hohe Ausmaß an Non-Adhärenz in Bezug auf die einzunehmende immunsuppressive Medikation, die Einhaltung von Untersuchungsterminen, den Konsum von Suchtmitteln und die Beachtung der notwendigen Verhaltensmaßnahmen zur Prävention von Infektionen, Tumor- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Zudem sollte allen Patienten ein niederschwelliges prä- oder postoperatives psychosoziales Unterstützungsangebot (Krankheitsbewältigung, Beeinträchtigung der Adhärenz) zugänglich sein, unabhängig von der Einschätzung der anderen behandelnden Fachdisziplinen.

Quelle:

REFERENTENSTATEMENT von Professor Dr. med. Martina de Zwaan Geschäftsführerin des DKPM, Direktorin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover. Zum Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, März 2019, Berlin

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