Transkranielle Gleichstromstimulation bei Depression, Sucht und Fibromyalgie

Die transkranielle Gleichstromstimulation erfolgt ohne Eingriff. Die Elektroden haften nur für die Dauer der Therapiesitzung auf der Kopfhaut. © www.afcom.at

Zur Transkraniellen Gleichstromstimulation gibt es gute Erfahrungen bei Depression, Sucht und Fibromyalgie mit Muskelschmerzen.

Aufgrund zahlreicher positiver Erfahrungen gilt die transkranielle Gleichstromstimulation unter Experten als eine weitere Möglichkeit, den Krankheitsverlauf verschiedener neuro-psychiatrischer Erkrankungen zu verbessern. So gibt es mittlerweile für Depressionen, Sucht und Muskelschmerzen bei Fibromyalgie deutliche Hinweise auf eine therapeutische Wirkung der transkraniellen Gleichstromstimulation. Zu diesem Schluss kam auch unlängst ein europäisches Team aus Neurophysiologen nach einer Analyse der aktuellen Studienlage. Inwieweit die Stromtherapie allerdings eine dauerhafte Besserung bringen kann, ist noch weitgehend ungeklärt. Zur Steigerung der Leistung des Gehirns bei gesunden Menschen eignet sich die transkranielle Gleichstromstimulation jedoch nicht. Ganz im Gegenteil: die Methode führt eher zu einer Verschlechterung, insbesondere bei unsachgemäßem Einsatz.

 

Transkranielle Gleichstromstimulation in Metaanalyse untersucht

Im Auftrag der europäischen Föderation der Nationalen Gesellschaften für Klinische Neurophysiologie analysierte unlängst ein Expertenteam mehrere hundert Studien, in denen die transkranielle Gleichstromstimulation als Behandlungsmethode gegen Depressionen, Sucht und Muskelschmerzen bei Fibromyalgie zum Einsatz kam. Die Wissenschaftler untersuchten weiter die Anwendung bei Krankheitsbildern wie Sprach- und Bewegungsstörungen, Schmerzen und Alzheimer. Also bei Erkrankungen, bei denen die Aktivität der Nervenzellen in einem bestimmten Hirnareal gestört ist.

Anders als bei der Tiefen Hirnstimulation, bei der Chirurgen die Elektroden mit einer Operation dauerhaft ins Gehirn einsetzen, ist die transkranielle Gleichstromstimulation nicht invasiv. Denn die Elektroden haften nur für die Dauer der Therapiesitzung auf der Kopfhaut. Sie leiten einen leichten Strom in die betroffenen Hirnregionen und können die Aktivität der Nervenzellen dort entweder stimulieren oder hemmen.

Einerseits ist bei den meisten Erkrankungen die Studienlage nicht ausreichend, um eine Therapieempfehlung auszusprechen. Andererseits bedeutet das nicht, dass die Gleichstromstimulation bei diesen Erkrankungen wirkungslos ist. Hierzu muss die Forschung das Potenzial der Methode und ihre optimale Anwendung noch weiter untersuchen und optimieren.

 

Gleichstromstimulation bei Depression und Fibromyalgie

Eine messbare Wirksamkeit der Gleichstromstimulation zeigte sich beispielsweise nach sechswöchiger Anwendung bei Depression. Und zwar war das der Fall bei gleichzeitiger Behandlung mit Psychopharmaka.

Auch bei Fibromyalgie konnte die Hirnstimulation die Muskelschmerzen lindern. Unklar ist jedoch, wie lang die Effekte anhalten. Auch hier muss weiter untersucht werden. Und zwar wo die Elektroden am Kopf platziert werden müssen und welche Stromstärke optimal ist, um den größtmöglichen Behandlungserfolg zu erzielen.

Hier spielen bildgebende Verfahren wie die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) eine wichtige Rolle, da sie anzeigen, welche Hirnregionen durch den Strom aktiviert werden.

 

Keine Leistungssteigerung bei Gesunden, stattdessen können Schäden entstehen

Auch viele Gesunde erhoffen sich, mit der Gleichstromstimulation Steigerung der Leistung des Gehirns zu erzielen. Dazu gehört zum Beispiel eine erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit sowie ein verbessertes Lernvermögen. Wobei man die Geräte für das sogenannte Neuro-Enhancement insbesondere auf dem amerikanischen Markt frei ohne Rezept einfach erwerben kann.

Allerdings warnen Experten vor Selbstversuchen. Denn bei gesunden Menschen funktioniert das Gehirn ja bereits optimal. Deswegen können die Ströme sogar eine Verschlechterung bewirken. Zudem müsse man die Elektroden korrekt am Kopf platzieren, damit sie die richtige Region im Gehirn stimulieren. Diese können jedoch bei jedem Patienten leicht variieren. Deswegen muss die Anwendung ein erfahrener Arzt durchführen.


Literatur:

Lefaucheur JP, Antal A, Ayache SS, Benninger DH, Brunelin J, Cogiamanian F, Cotelli M, De Ridder D, Ferrucci R, Langguth B, Marangolo P, Mylius V, Nitsche MA, Padberg F, Palm U, Poulet E, Priori A, Rossi S, Schecklmann M, Vanneste S, Ziemann U, Garcia-Larrea L, Paulus W. Evidence-based guidelines on the therapeutic use of transcranial direct current stimulation (tDCS), Clin Neurophysiol. 2017 Jan;128(1):56-92. doi: 10.1016/j.clinph.2016.10.087. Epub 2016 Oct 29.


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung

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