Toxisches Schocksyndrom: schnell erkennen, wirksame Behandlung einleiten

Ein Toxisches Schocksyndrom kann auch Männer, Kinder und Frauen nach der Menopause betreffen, aber mehr als die Hälfte der Fälle tritt bei Frauen während der Periode auf. © Laboko / shutterstock.com

Ein Toxisches Schocksyndrom kann auch Männer, Kinder und Frauen nach der Menopause betreffen, aber mehr als die Hälfte der Fälle tritt bei Frauen während der Periode auf. © Laboko / shutterstock.com

Rasch erkennen, effektive Behandlung einleiten: Ein Toxisches Schocksyndrom – selten und manchmal lebensbedrohlich – kann mit Tampons zusammenhängen.

Ein Toxisches Schocksyndrom ist eine seltene aber lebensbedrohliche Infektion. Eine bestimmte Art von Bakterien – meistens Staphylococcus aureus, aber auch schlimmer Streptokokken – können sie hervorrufen. Dabei besteht beim Toxischen Schocksyndrom auch in Zusammenhang mit Tampons. Denn diese sorgen dafür, dass die Bakterien den notwendigen Sauerstoff bekommen, um Giftstoffe produzieren zu können. Unter dem Strich kann man aber ein toxisches Schocksyndrom, wenn man es rechtzeitig erkennen kann, mit einer wirksame Behandlung mit Antibiotika normalerweise gut therapieren.

Die typischen Symptome sind Fieber, Hypotonie, ein sonnenbrandartiger Ausschlag mit Schuppenbildung sowie in weitere Folge Schädigungen der Endorgane. Das toxische Schocksyndrom war klassisch mit der Verwendung von Tampons mit hoher Saugfähigkeit bei menstruierenden Frauen verbunden.

Die Sterblichkeitsrate bei der Infektion mit Streptokokken kann übrigens mehr als 50% betragen, insbesondere wenn die Diagnose nicht rechtzeitig erfolgt. Bei Nicht-Streptokokken-Schocksyndrom versterben weniger als 3%.

 

Der Begriff Toxisches Schocksyndrom und die Symptome

Historisch gesehen wurde die Bezeichnung Toxisches Schocksyndrom erstmals mit der Verwendung von starksaugenden Tampons in Zusammenhang gebracht. Nachdem die Hersteller diese Art von Tampons nahezu vom Markt genommen hatten, kam die Erkrankung bei menstruierenden Frauen wesentlich seltener vor.

Ein durch das Bakterium Staphylococcus aureus ausgelöstes Toxisches Schocksyndrom zu den Leitsymptomen Fieber, Blutdruckabfall und Hautausschlag. Weitere Folgen sind Muskelschmerzen, Übelkeit und Durchfall, Nieren- und Leberschäden, Bewusstseinstrübung und Multiorganversagen.
Ein toxisches Schocksyndrom manifestiert sich zu Beginn durch folgende mögliche Anzeichen und Symptome:

Wenn Anzeichen oder Symptome ein Toxisches Schocksyndrom befürchten lassen, ist sofort ein Arzt zu konsultieren – vor allem wenn zuvor ein Tampon verwendet wurde oder wenn eine Haut- oder Wundinfektion vorliegt.


Homocystein – kardiovaskulärer Risikofaktor für Herz und Gefäße

Quelle: Zerbor / shutterstock.com
Homocystein wird sowohl mit der Zerstörung des Gefäßendothels als auch mit Veränderungen der Prostazyklinbiosynthese sowie einer Erhöhung der Low-Density-Lipoproteine in Verbindung gebracht. © Zerbor / shutterstock.com

Homocystein wirkt toxisch auf das Gefäßendothel und könnte als kardiovaskulärer Risikofaktor Thrombosen und Herz-Gefäß- Erkrankungen fördern. Mehr dazu siehe https://www.medmix.at/homocystein-kardiovaskulaerer-risikofaktor/


Risikofaktoren und Komplikationen

Ein Toxisches Schocksyndrom kann auch Männer, Kinder und Frauen nach der Menopause betreffen, aber mehr als die Hälfte der Fälle tritt bei Frauen während der Periode auf.
Ein Toxisches Schocksyndrom wurde in Verbindung gebracht mit:

Ein Toxisches Schocksyndrom kann sich schnell verschlimmern. Als Komplikationen können Schock, Nierenversagen und sogar der auftreten.

 

Erkennen, effektive Behandlung: Was man gegen ein Toxisches Schocksyndrom tun kann?

Wenn Betroffene ein Toxisches Schocksyndrom befürchten, sollten sie sich keinesfalls bezüglich eines Arzttermins hinhalten lassen. Bei der Terminvereinbarung sollte man bereits fragen, was man gegebenenfalls im Voraus tun könnte oder muss. Dazu gehört zum Beispiel eine Änderung der Ernährung. Folgende Tipps sind hilfreich:


Fragenkatalog für Patienten

Typisch für ein Toxisches Schocksyndrom wären einige grundlegende Fragen, die man dem Arzt stellen sollte:


Fragenkatalog für den Arzt


Toxisches Schocksyndrom erkennen: an Tampon denken

Es gibt keinen Test auf Toxisches Schocksyndrom. Blut- und Urinproben können auf das Vorhandensein von Bakterien hinweisen. Von der Vagina, dem Gebärmutterhals und dem Muttermund werden Abstriche für die Laboranalyse gemacht.

Jedenfalls kann ein Toxisches Schocksyndrom mehrere Organe betreffen kann. Deswegen sollte der Arzt auch andere Tests anordnen, um das Ausmaß der Erkrankung zu beurteilen. Dazu gehören beispielsweise ein CT, eine Lumbalpunktion oder ein Thorax-Röntgen.


Frauengesundheit – Frauengesundheitsbewegung: geschlechtsspezifische Betrachtung

FraueFrauengesundheitsbewegung, Frauengesundheit: Realisierung von gender-based-medicine. © Brocreative / shutterstock.comngesundheit – Realisierung von gender-based-medicine. © Brocreative / shutterstock.com

Frauengesundheit – die geschlechtsspezifische Betrachtungsweise – existiert schon seit den 70er-Jahren, seit den Anfängen der Frauengesundheitsbewegung. Mehr dazu siehe https://www.medmix.at/fokus-frauengesundheit/


Toxisches Schocksyndrom: Behandlung

Wenn ein Toxisches Schocksyndrom definitiv vorliegt, ist eine stationäre Aufnahme im Krankenhaus notwenig. Dort wird mit Antibiotika behandelt, während die Ärzte die Infektionsquelle gesucht wird. Weiter werden Medikamente eingesetzt, um den Blutdruck zu stabilisieren. Außerdem ist es sehr wichtig, dass die Patientinnen viel Flüssigkeit bekommen, um eine Dehydratation zu vermeiden.

Die Toxine, die von den Staphylokokken oder Streptokokken produziert werden, sowie die begleitende Hypotonie können zu einem Nierenversagen führen. Wenn dies der Fall ist, kann eine Dialyse angezeigt sein.

In schweren Fällen kann sogar ein chirurgischer Eingriff notwendig werden, um abgestorbenes Gewebe (Debridement) von der Infektionsstelle zu entfernen oder um die Infektion zu drainagieren. Dies kann bis zur Amputation führen.

 

So können Risikopersonen ein Toxisches Schocksyndrom vermeiden

Im Grunde genommen sollten Mädchen und Frauen Tampons oft wechseln. Außerdem sollten sie beim Einführen des Tampons auf saubere Hände und Hygiene achten. Wenn eine Frau ein Diaphragma zur Verhütung benutzt, dann sollte sie auch dieses nicht länger als unbedingt notwendig tragen.
Unter dem Strich sind folgende Tipps beachtenswert:

Ein Toxisches Schocksyndrom kann wiederkehren. Menschen, die es einmal gehabt haben, haben ein höheres Risiko. Betroffene Frauen sollten jedenfalls keine Tampons mehr verwenden.

 

Berühmte Beispiele

Ein Toxisches Schocksyndrom wurde vor vier Jahren der 13-jährigen Britin Jemma-Louise zum Verhängnis. Und zwar nachdem sie einen Tampon benutzt hatte, um während der Menstruation schwimmen gehen zu können.

Die Erkrankung begann mit Fieber und Durchfall und endete mit einer Hirnblutung und einem Multiorganversagen. Eine schicksalshafte Fehldiagnose der behandelnden Ärzte im Krankenhaus verschlimmerte die Krankheitssituation. Denn die Ärzte interpretierten die Symptome dort fälschlicherweise als eine Infektion mit Noroviren. Sie schickten das Mädchen fatalerweise wieder nach Hause.

Daraufhin verschlechterte sich der Zustand des Mädchens. Zurück im Krankenhaus stellten die Ärzte diesmal die richtige Diagnose. Ausgelöst durch ein Tampon und eine darauf folgende Infektion mit Bakterien. Doch es war zu spät, die tragische Geschichte ging weltweit später durch alle Medien.

Der jüngste berühmte Fall ist der Fall von Modell und Sportlerin Lauren Wasser. Sie brach durch 42 Grad Fieber, multiplem Organversagen und einem massiven Herzinfarkt völlig zusammen und überlebte nur knapp. Im Krankenhaus dachte ein Arzt zum Glück sofort an ein Tampon als Verursacher. Im Labor konnte man die Annahme und die Diagnose bestätigen.

Allerdings musste Lauren Wasser das rechte Bein und die Zehen des linken Fußes wegen des Wundbrands amputieren lassen. Nur so konnte sie überleben. Zudem musste Lauren Wasser später auch ihr zweites Bein amputieren lassen, da sie die Schmerzen nicht ertragen konnte.


Literatur:

Schlievert PM. Effect of non-absorbent intravaginal menstrual/contraceptive products on Staphylococcus aureus and production of the superantigen TSST-1. Eur J Clin Microbiol Infect Dis. 2020;39(1):31–38. doi:10.1007/s10096-019-03685-x

Adam Ross; Hugh W. Shoff. Toxic Shock Syndrome. StatPearls [Internet]. Last Update: August 11, 2021.

Gossack-Keenan KL, Kam AJ. Toxic Shock Syndrome: Still a Timely Diagnosis. Pediatr Emerg Care. 2017 Oct 16. doi: 10.1097/PEC.0000000000001310. [Epub ahead of print]

Dixit S, Fischer G, Wittekind C. Recurrent menstrual toxic shock syndrome despite discontinuation of tampon use: is menstrual toxic shock syndrome really caused by tampons?. Australas J Dermatol. 2013;54(4):283-286. doi:10.1111/j.1440-0960.2012.00938.x

LeRiche T, Black AY, Fleming NA. Toxic shock syndrome of a probable gynecologic source in an adolescent. A case report and review of the literature. J Pediatr Adolesc Gynecol. 2012;25(6):e133-e137. doi:10.1016/j.jpag.2012.08.011


Quelle:

http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/toxic-shock-syndrome/basics/definition/con-20021326

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