Toxisches Schocksyndrom macht immer wieder traurige Schlagzeilen

Must Read

Wenn die Finger schmerzen – Ursachen frühzeitig abklären

Wenn die Finger schmerzen, sollte ihr Arzt rasch den Grund dafür herausfinden. Denn die effektive, frühzeitige Behandlung ist sehr...

Telomere spielen im Alterungsprozess eine zentrale Rolle

Menschen, bei denen die Telomere kürzer sind, haben ein erhöhtes Risiko im Alterungsprozess, Krankheiten wie Alzheimer oder Krebs zu entwickeln. Telomere...

Osteoporose beeinträchtigt die Lebenserwartung erheblich

Osteoporose-Patientinnen haben eine geringere Lebenserwartung. Nur jede zehnte erhält eine wirksame Therapie, was ebenfalls das Risiko erhöht, frühzeitig zu sterben. Im Grunde...

Ein Toxisches Schocksyndrom ist eine seltene, teilweise lebensbedrohliche Infektion. Wichtig ist, dass man sie rechtzeitig erkennt und sofort wirksam behandelt.

Ein Toxisches Schocksyndrom ist eine seltene aber lebensbedrohliche Infektion. Eine bestimmte Art von Bakterien – meistens Staphylococcus aureus, aber auch schlimmer Streptokokken – können sie hervorrufen. Unter dem Strich kann man aber das toxische Schocksyndrom bei rechtzeitiger Diagnose mit Antibiotika normalerweise aber gut behandeln. Die typischen Symptome sein Fieber, Hypotonie, ein sonnenbrandartiger Ausschlag sowie in weitere Folge Schädigungen der Endorgane. TSS war klassisch mit der Verwendung von Tampons mit hoher Saugfähigkeit bei menstruierenden Frauen verbunden.




Die Sterblichkeitsrate bei der Infektion mit Streptokokken kann übrigens mehr als 50% betragen, insbesondere wenn die Diagnose nicht rechtzeitig erfolgt. Bei Nicht-Streptokokken-Schocksyndrom versterben weniger als 3%.

 

Der Begriff Toxisches Schocksyndrom und die Symptome

Historisch gesehen wurde die Bezeichnung Toxisches Schocksyndrom erstmals mit der Verwendung von starksaugenden Tampons in Zusammenhang gebracht. Nachdem die Hersteller diese Art von Tampons nahezu vom Markt genommen hatten, kam die Erkrankung bei menstruierenden Frauen wesentlich seltener vor.
Ein durch das Bakterium Staphylococcus aureus ausgelöstes Toxisches Schocksyndrom zu den Leitsymptomen Fieber, Blutdruckabfall und Hautausschlag. Weitere Folgen sind Muskelschmerzen, Übelkeit und Durchfall, Nieren- und Leberschäden, Bewusstseinstrübung und Multiorganversagen.
Ein toxisches Schocksyndrom manifestiert sich zu Beginn durch folgende mögliche Anzeichen und Symptome:

  • plötzlich auftretendes hohes Fieber
  • niedriger Blutdruck (Hypotonie)
  • Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall
  • Hautausschlag – Röte ähnlich einem Sonnenbrand, vor allem an den Handflächen und Fußsohlen
  • Verwirrung
  • Muskelkater
  • Rötung der Augen, des Mundes, des Rachens

Wenn Anzeichen oder Symptome ein Toxisches Schocksyndrom befürchten lassen, ist sofort ein Arzt zu konsultieren – vor allem wenn zuvor ein Tampon verwendet wurde oder wenn eine Haut- oder Wundinfektion vorliegt.

 

Risikofaktoren und Komplikationen

Ein Toxisches Schocksyndrom kann auch Männer, Kinder und Frauen nach der Menopause betreffen, aber mehr als die Hälfte der Fälle tritt bei Frauen während der Periode auf.
Ein Toxisches Schocksyndrom wurde in Verbindung gebracht mit:

  • Verletzungen oder Verbrennungen der Haut,
  • nach kürzlich erfolgten Operationen,
  • im Zusammenhang mit der Verwendung von Verhütungsschwämmen, Diaphragmen oder starksaugenden Tampons,
  • bei einer viralen Infektion, wie Grippe oder Windpocken.

Ein Toxisches Schocksyndrom kann sich schnell verschlimmern. Als Komplikationen können Schock, Nierenversagen und sogar der auftreten.

 

Was man gegen ein Toxisches Schocksyndrom tun kann?

Wenn Betroffene ein Toxisches Schocksyndrom befürchten, sollten sie sich keinesfalls bezüglich eines Arzttermins hinhalten lassen. Bei der Terminvereinbarung sollte man bereits fragen, was man gegebenfalls im Voraus tun könnte oder muss, wie zum Beispiel eine Ernährungsumstellung. Folgende Tipps sind hilfreich:

  • Notieren der Symptome, auch solcher, die scheinbar nichts mit dem Grund für den Arzttermin zu tun haben.
  • Notieren wichtiger persönlicher Informationen, einschließlich möglicher Stressfaktoren oder zurückliegender Lebensumstellungen.
  • Frauen sollten das Datum, wann die letzte Periode begann, dokumentieren.
  • Wichtig ist auch, dass man die Fragen aufschreibt, die man dann dem Arzt stellen will.
  • Erstellen einer Liste aller Medikamente, Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel, die eingenommen werden.
  • Wenn möglich sollte man eine nahestehende Person zum Arzttermin mitnehmen, denn die Begleitung könnte sich etwas merken, was der Patient verpasst oder vergisst.

Fragenkatalog für Patienten

Typisch für ein Toxisches Schocksyndrom wären einige grundlegende Fragen, die man dem Arzt stellen sollte:

  • Was hat wahrscheinlich meine Beschwerden bzw. meinen Zustand verursacht?
  • Was sind andere mögliche Ursachen für meine Symptome bzw. meinen Zustand?
  • Gibt es irgendwelche Tests?
  • Was sind die Alternativen zum primären Ansatz, den Sie vermutlich haben?
  • Ich habe auch andere gesundheitliche Probleme. Wie kann ich mit diesen am besten umgehen?
  • An welche Einschränkungen muss ich mich nun halten?
  • Gibt es ein generisch Medikamente als Alternative?
  • Welches Info-Material sollte ich lesen? Welche Websites empfehlen Sie?

Fragenkatalog für den Arzt

  • Wann die Symptome zum ersten Mal aufgetreten?
  • Traten die Symptome kontinuierlich oder gelegentlich auf?
  • Wie stark sind die Symptome?
  •  Haben Sie saugstarke Tampons benutzt?
  • Welche Art von Verhütungsmittel verwenden Sie?
  • Was, wenn überhaupt, scheint Ihre Symptome zu verbessern?
  • In welchen Situationen scheinen sich Ihre Beschwerden zu verschlimmern?

 



Diagnostizieren

Es gibt keinen Test auf Toxisches Schocksyndrom. Blut- und Urinproben können auf das Vorhandensein von Bakterien hinweisen. Von der Vagina, dem Gebärmutterhals und dem Muttermund werden Abstriche für die Laboranalyse gemacht.
Jedenfalls kann ein Toxisches Schocksyndrom mehrere Organe betreffen kann. Deswegen sollte der Arzt auch andere Tests anordnen, um das Ausmaß der Erkrankung zu beurteilen. Dazu gehören beispielsweise ein CT, eine Lumbalpunktion oder ein Thorax-Röntgen.

 

Toxisches Schocksyndrom behandeln

Wenn ein Toxisches Schocksyndrom definitiv vorliegt, ist eine stationäre Aufnahme im Krankenhaus notwenig. IDort wird mit Antibiotika behandelt, während die Ärzte die Infektionsquelle gesucht wird. Weiter werden Medikamente eingesetzt, um den Blutdruck zu stabilisieren. Außerdem ist es sehr wichtig, dass die Patientinnen viel Flüssigkeit bekommen, um eine Dehydratation zu vermeiden.
Die Toxine, die von den Staphylokokken oder Streptokokken produziert werden, sowie die begleitende Hypotonie können zu einem Nierenversagen führen. Wenn dies der Fall ist, kann eine Dialyse angezeigt sein.
In schweren Fällen kann sogar ein chirurgischer Eingriff notwendig werden, um abgestorbenes Gewebe (Debridement) von der Infektionsstelle zu entfernen oder um die Infektion zu drainagieren. Dies kann bis zur Amputation führen.

 

So können Risikopersonen ein Toxisches Schocksyndrom vermeiden

Im Grunde genommen sollten Mädchen und Frauen Tampons oft wechseln. Außerdem sollte man beim Einführen des Tampons auf saubere Hände und Hygiene achten. Wenn eine Frau ein Diaphragma zur Verhütung benutzt, dann sollte sie auch dieses nicht länger als unbedingt notwendig tragen.
Unter dem Strich sind folgende Tipps beachtenswert:

  • Wenn Sie Tampons benutzen, verwenden Sie die mit der niedrigsten Saugfähigkeit.
  • Wechseln Sie die Tampons häufig, mindestens alle vier bis acht Stunden.
  • Wechseln Sie die Anwendung von Tampons und Damenbinden ab.
  • Verwenden Sie während der schwachen Periode Slipeinlagen.

Ein Toxisches Schocksyndrom kann wiederkehren. Menschen, die es einmal gehabt haben, haben ein höheres Risiko – betroffene Frauen sollten keine Tampons mehr verwenden.

 

Berühmte Beispiele

Ein Toxisches Schocksyndrom wurde vor vier Jahren der 13-jährigen Britin Jemma-Louise zum Verhängnis. Und zwar nachdem sie einen Tampon benutzt hatte, um während der Menstruation schwimmen gehen zu können.

Die Erkrankung begann mit Fieber und Durchfall und endete mit einer Hirnblutung und einem Multiorganversagen. Eine schicksalshafte Fehldiagnose der behandelnden Ärzte im Krankenhaus verschlimmerte die Krankheitssituation. Denn die Ärzte interpretierten die Symptome dort fälschlicherweise als eine Infektion mit Noroviren. Sie schickten das Mädchen fatalerweise wieder nach Hause.



Daraufhin verschlechterte sich der Zustand des Mädchens. Zurück im Krankenhaus stellten die Ärzte diesmal die richtige Diagnose. Ausgelöst durch ein Tampon und eine darauf folgende Infektion mit Bakterien. Doch es war zu spät, die tragische Geschichte ging weltweit später durch alle Medien.

Der jüngste berühmte Fall ist der Fall von Modell und Sportlerin Lauren Wasser. Sie brach durch 42 Grad Fieber, multiplem Organversagen und einem massiven Herzinfarkt völlig zusammen und überlebte nur knapp. Im Krankenhaus dachte ein Arzt zum Glück sofort an ein Tampon als Verursacher. Im Labor konnte man die Annahme und die Diagnose bestätigen.

Doch Lauren Wasser musste das rechte Bein und die Zehen des linken Fußes wegen des Wundbrands amputieren lassen. Nur so konnte sie überleben. Später musste Lauren Wasser auch ihr zweites Bein amputieren lassen, da sie die Schmerzen nicht ertragen konnte.

Literatur:

Adam Ross; Hugh W. Shoff. Toxic Shock Syndrome. StatPearls [Internet]. Last Update: June 22, 2019.

Gossack-Keenan KL, Kam AJ. Toxic Shock Syndrome: Still a Timely Diagnosis. Pediatr Emerg Care. 2017 Oct 16. doi: 10.1097/PEC.0000000000001310. [Epub ahead of print]


Quellen:

http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/toxic-shock-syndrome/basics/definition/con-20021326

Latest News

Neues Zentrum zum Plasmaspenden von BioLife in Wien eröffnet

Anfang November 2019 eröffnete in Wien das modernste Zentrum BioLife-zum Plasmaspenden in der Operngasse. Plasmaspenden haben eine wichtige Rolle. Denn Plasma...

Auch leicht erhöhte Schilddrüsenwerte können bereits gefährlich sein

Bereits leicht erhöhte Schilddrüsenwerte scheinen gefährlich zu sein und könnten das Risiko für Demenz, Schlaganfall und Herztod erhöhen. Leicht erhöhte Schilddrüsenwerte durch eine Überfunktion der Schilddrüse erhöhen...

Lindenblüten als Heilpflanze: Hilft schweißtreibend bei Erkältung

Als Heilpflanze werden Lindenblüten schon seit jeher bis heute mit Erfolg verwendet. Vor allem der Lindenblütentee zählt zu den bekanntesten Hausmitteln. Die Linde gilt als Symbol für...

HWS-Syndrom – einfache, alltägliche Übungen lindern die Schmerzen

Das HWS-Syndrom ist eine typische Berufskrankheit, wobei Betroffene mit einfachen Übungen die chronischen Schmerzen im Nacken Lindern kann. Wenn ein Patient mit chronischen Nackenschmerzen beim Arzt vorstellig...

Heiserkeit, Schluckbeschwerden und Halsschmerzen behandeln

Meistens lassen sich Heiserkeit, Schluckbeschwerden und Halsschmerzen wirksam ohne Arzt behandeln – dafür eignen sich einfache Hausmittel und rezeptfreie Präparate. Beschwerden im Hals- bzw. Rachenraum wie Halsschmerzen,...

More Articles Like This