Toxisches Schocksyndrom macht traurige Schlagzeilen

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Ein Toxisches Schocksyndrom ist eine seltene, teils lebensbedrohliche Staphylococcus-Infektion, die bei rechtzeitiger Diagnose gut behandelt werden kann.

Ein Toxisches Schocksyndrom wurde vor vier Jahren der 13-jährigen Britin Jemma-Louise zum Verhängnis, nachdem sie einen Tampon benutzt hatte, um während der Menstruation schwimmen gehen zu können. Die Erkrankung begann mit Fieber und Durchfall und endete mit einer Hirnblutung und einem Multiorganversagen. Eine schicksalshafte Fehldiagnose der behandelnden Ärzte im Krankenhaus verschlimmerte die Krankheitssituation: die Symptome wurden fälschlicherweise einer Infektion mit Noroviren zugeordnet und das Mädchen wurde wieder nach Hause geschickt. Daraufhin verschlechterte sich der Zustand des Mädchens. Zurück im Krankenhaus stellten die Ärzte diesmal die richtige Diagnose: Toxisches Schocksyndrom (TSS)– ausgelöst durch ein Tampon und eine darauf folgende Infektion mit Bakterien. Doch es war zu spät, die tragische Geschichte ging weltweit 1 Jahr später durch alle Medien.

Der jüngste berühmte Fall ist der Fall von Modell und Sportlerin Lauren Wasser, die durch 42 Grad Fieber, multiplem Organversagen und einem massiven Herzinfarkt völlig zusammenbrach und nur knapp überlebte. Im Krankenhaus dachte ein Infektiologe zum Glück sofort an ein Tampon als Verursacher, im Labor konnte die Annahme bestätigt und die Diagnose toxisches Schocksyndrom gestellt werden. Doch Lauren Wasser musste rechtes Bein und die Zehen des linken Fußes wegen des Wundbrands amputieren lassen, um überleben zu können. Doch im Frühjahr dieses Jahres mussteLauren Wasser auch ihr zweites Bein amputieren lassen, da sie die Schmerzen nicht ertragen konnte.

Ein Toxisches Schocksyndrom ist eine seltene aber lebensbedrohliche Infektion, die durch bestimmte Art von Bakterien – meist Staphylococcus aureus – hervorgerufen wird. Es kann durch die Giftstoffe dieser Bakterien aber auch durch die Toxine der Streptokokken Gruppe A (STREP) verursacht werden. Das toxische Schocksyndrom kann bei rechtzeitiger Diagnose mit Antibiotika normalerweise aber gut behandelt werden.

 

Der Begriff Toxisches Schocksyndrom und die Symptome

Historisch gesehen wurde die Bezeichnung Toxisches Schocksyndrom erstmals mit der Verwendung von starksaugenden Tampons in Zusammenhang gebracht. Nachdem die Hersteller diese Art von Tampons nahezu vom Markt genommen hatten, wurde ein Toxisches Schocksyndrom bei menstruierenden Frauen wesentlich seltener beobachtet.

Ein durch das Bakterium Staphylococcus aureus ausgelöstes Toxisches Schocksyndrom zu den Leitsymptomen Fieber, Blutdruckabfall und Hautausschlag. Weitere Folgen sind Muskelschmerzen, Übelkeit und Durchfall, Nieren- und Leberschäden, Bewusstseinstrübung und Multiorganversagen.

Ein toxisches Schocksyndrom manifestiert sich zu Beginn durch folgende mögliche Anzeichen und Symptome:

  • plötzlich auftretendes hohes Fieber
  • niedriger Blutdruck (Hypotonie)
  • Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall
  • Hautausschlag – Röte ähnlich einem Sonnenbrand, vor allem an den Handflächen und Fußsohlen
  • Verwirrung
  • Muskelkater
  • Rötung der Augen, des Mundes, des Rachens

Wenn Anzeichen oder Symptome ein Toxisches Schocksyndrom befürchten lassen, ist sofort ein Arzt zu konsultieren – vor allem wenn zuvor ein Tampon verwendet wurde oder wenn eine Haut- oder Wundinfektion vorliegt.

Risikofaktoren und Komplikationen

Ein Toxisches Schocksyndrom kann auch Männer, Kinder und Frauen nach der Menopause betreffen, aber mehr als die Hälfte der Fälle tritt bei Frauen während der Periode auf.

Ein Toxisches Schocksyndrom wurde in Verbindung gebracht mit:

  • Verletzungen oder Verbrennungen der Haut,
  • nach kürzlich erfolgten Operationen,
  • im Zusammenhang mit der Verwendung von Verhütungsschwämmen, Diaphragmen oder starksaugenden Tampons,
  • bei einer viralen Infektion, wie Grippe oder Windpocken.

Ein Toxisches Schocksyndrom kann sich schnell verschlimmern. Folgende Komplikationen können auftreten:

  • Schock
  • Nierenversagen
  • Tod

Was man gegen ein Toxisches Schocksyndrom tun kann?

Wenn Betroffene ein Toxisches Schocksyndrom befürchten, sollten sie sich keinesfalls bezüglich eines Arzttermins hinhalten lassen. Bei der Terminvereinbarung sollte man bereits fragen, was man gegebenfalls im Voraus tun könnte oder muss, wie zum Beispiel eine Ernährungsumstellung. Folgende Tipps sind hilfreich:

  • Notieren der Symptome, auch solcher, die scheinbar nichts mit dem Grund für den Arzttermin zu tun haben.
  • Notieren wichtiger persönlicher Informationen, einschließlich möglicher Stressfaktoren oder zurückliegender Lebensumstellungen.
  • Frauen sollten  das Datum, wann die letzte Periode begann, dokumentieren.
  • Notieren der Fragen, die man dem Arzt stellen will.
  • Erstellen einer Liste aller Medikamente, Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel, die eingenommen werden.
  • Wenn möglich sollte man eine nahestehende Person zum Arzttermin mitnehmen, denn die Begleitung könnte sich etwas merken, was der Patient verpasst oder vergisst.

Fragenkatalog Toxisches Schocksyndrom

Typisch für ein Toxisches Schocksyndrom wären einige grundlegende Fragen, die man dem Arzt stellen sollte:

  • Was hat wahrscheinlich meine Symptome bzw. meinen Zustand verursacht?
  • Was sind andere mögliche Ursachen fürmeine Symptome bzw. meinen Zustand?
  • Gibt esirgendwelche Tests?
  • Was sind die Alternativen zum primären Ansatz, den Sie vermutlich haben?
  • Ich habe auch andere gesundheitliche Probleme. Wie kann ich mit diesen am besten umgehen?
  • Gibt es Einschränkungen, an die ich mich nun halten muss?
  • Gibt es ein generisch Medikamente als Alternative?
  • Gibt es Info-Material, das ich lesen soll? Welche Websites empfehlen Sie?

 

Fragenkatalog Toxisches Schocksyndrom für den Arzt

  • Wann die Symptome zum ersten Mal aufgetreten?
  • Traten die Symptome kontinuierlich oder gelegentlich auf?
  • Wie stark sind die Symptome?
  •  Haben Sie saugstarke Tampons benutzt?
  • Welche Art von Verhütungsmittel verwenden Sie?
  • Was, wenn überhaupt, scheint Ihre Symptome zu verbessern?
  • In welchen Situationen scheinen sich Ihre Beschwerden zu verschlimmern?

 

Toxisches Schocksyndrom testen und diagnostizieren

Es gibt keinen Test auf Toxisches Schocksyndrom. Blut- und Urinproben können auf das Vorhandensein von Staphylokokken oder Streptokokken hinweisen. Von der Vagina, dem Gebärmutterhals und dem Muttermund werden Abstriche für die Laboranalyse gemacht.

Da ein Toxisches Schocksyndrom mehrere Organe betreffen kann, wird der Arzt auch andere Tests, wie z.B. ein CT, eine Lumbalpunktion oder ein Thorax-Röntgen anordnen, um das Ausmaß der Erkrankung zu beurteilen.

Toxisches Schocksyndrom behandeln

Wenn ein Toxisches Schocksyndrom definitiv vorliegt, ist eine stationäre Aufnahme im Krankenhaus notwenig. IDort wird mit Antibiotika behandelt, während die Ärzte die Infektionsquelle gesucht wird. Weiters werde Medikamente eingesetzt, um den Blutdruck zu stabilisieren und Flüssigkeiten, um eine Dehydratation zu vermeiden.

Die Toxine, die von den Staphylokokken oder Streptokokken produziert werden, sowie die begleitende Hypotonie können zu einem Nierenversagen führen. Wenn dies der Fall ist, kann eine Dialyse angezeigt sein.

In schweren Fällen kann sogar ein chirurgischer Eingriff notwendig werden, um abgestorbenes Gewebe (Debridement) von der Infektionsstelle zu entfernen oder um die Infektion zu drainagieren. Dies kann bis zur Amputation führen.

So können Risikopersonen ein Toxisches Schocksyndrom vermeiden

Tampons sollten oft gewechselt werden, beim Einführen des Tampons man auf saubere Hände und Hygiene achten. Wenn ein Diaphragma zur Verhütung benutzt wird, sollte dieses nicht länger als unbedingt notwendig getragen werden. Folgende Tipps sollten beachtet werden:

  • Wenn Sie Tampons benutzen, verwenden Sie die mit der niedrigsten Saugfähigkeit.
  • Wechseln Sie die Tampons häufig, mindestens alle vier bis acht Stunden.
  • Wechseln Sie die Anwendung von Tampons und Damenbinden ab.
  • Verwenden Sie während der schwachen Periode Slipeinlagen.

Ein Toxisches Schocksyndrom kann wiederkehren. Menschen, die es einmal gehabt haben, haben ein höheres Risiko – betroffene Frauen sollten keine Tampons mehr verwenden.

Quellen: http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/toxic-shock-syndrome/basics/definition/con-20021326

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Manfred Karner

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