Topika zur Schmerzbehandlung: Schmerzmittel zur äußeren Anwendung

Vorteile der Topika: Bei guter Wirksamkeit ist kaum eine systemische Wirkung zu erwarten, Nebenwirkungen auf den Gastrointestinaltrakt sind vernachlässigbar. © acinquantadue / shutterstock.com

Vorteile der Topika: Bei guter Wirksamkeit ist kaum eine systemische Wirkung zu erwarten, Nebenwirkungen auf den Gastrointestinaltrakt sind vernachlässigbar. © acinquantadue / shutterstock.com

Schmerzmittel, Topika, zur äußeren Anwendung entfalten ihre Wirkung gegen Schmerzen, zudem sind sie fiebersenkend sowie entzündungshemmend.

Jeder Mensch erlebt Schmerzen anders – die Schmerzbewertung ist also sehr subjektiv. Während ein Patient von sehr starken bis unerträglichen Schmerzen spricht, hat der andere nur geringe Beschwerden. Schmerzempfindlich sind: die gesamte äußere Haut, große Teile der Schleimhaut sowie Gewebe und Organe im Körperinneren (keine Schmerzrezeptoren haben Hirn und Leber). Für die lokale Therapie von Schmerzen ist nur der sogenannte somatische Schmerz zugänglich. Bei dieser Art von Schmerz sind Haut, Knochen, Bindegewebe, Muskeln verletzt oder beschädigt. Weiters kann noch eine Unterscheidung in Oberflächen- und Tiefenschmerz getroffen werden; während der Oberflächenschmerz meistens gut lokalisierbar ist, ist der Tiefenschmerz hingegen etwas diffuser. Für den Therapieerfolg mit schmerzlindernden, fiebersenkenden und entzündungshemmenden Topika, den Schmerzmitteln zur äußeren Anwendung, gilt: je näher sich der Schmerz zum Einsatzgebiet (Applikationsort) befindet, eine umso bessere Wirkung kann man erzielen.

 

Schmerzlindernd – Analgetisch, fiebersenkend – antipyretisch und entzündungshemmend – antiphlogistisch

Topisch kommen ausschließlich Verbindungen zur Anwendung, die schmerzlindernd, fiebersenkend und entzündungshemmend beziehungsweise analgetisch, antipyretisch und antiphlogistisch wirken.

Zur Schmerzlinderung sind ausreichende Wirkspiegel am Wirkort notwendig, die wiederum durch verschieden Faktoren beeinflusst werden: Entfernung zwischen Haut und Wirkort, Applikationsintervalle, Dosis des NSAIDs im Arzneimittel, Aufbau der topischen Formulierung und Eigenschaften des NSAIDs.

Die Penetration des Wirkstoffs durch die Haut ist wesentlich von der Formulierung und der Art des Arzneistoffs abhängig.

Bei der Formulierung haben wir die Wahl zwischen Salben, Pasten, Cremes, Hydrogelen, Emulsionsgelen und Mikrogelen, wobei bei letzteren der Anwendekomfort sicher eher gegeben ist.

 

Vor- und Nachteile von Topika

Vorteile von Schmerzmitteln zur äußeren Anwendung: Bei guter Wirksamkeit ist kaum eine systemische Wirkung zu erwarten, Nebenwirkungen auf den Gastrointestinaltrakt sind vernachlässigbar. Ebenso gibt es keine Probleme mit Wechselwirkungen, was vor allem in der Therapie von multimorbiden Patienten, aber auch bei Patienten mit Niereninsuffizienz zu beachten ist.

Nachteile der Topika sind der länger andauernde Aufbau eines Wirkspiegels und somit der unter Umständen verzögernd eintretenden Wirkung bzw. das erschwerte Behandeln von Schmerzen, deren Ursprung zu weit vom Applikationsort entfernt ist.

Diclofenac hat als Schmerzmittel zur äußeren Anwendung eine gute Wirksamkeit auch bei niedrigen Gewebespiegeln und ist in Form von Gelen und Emulsionsgelen in einer Konzentration von 1% oder 2% erhältlich. Im Emulsionsgel verdampft die äußere (wässrige) Phase rasch, wodurch der Wirkstoff (in der inneren Phase gelöst) besser durch die Haut penetriert. Weiter ist Diclofenac auch als Pflaster erhältlich, das je nach erforderlicher Größe zugeschnitten werden kann. Am bekanntesten ist Diclofenac in Tablettenform zur inneren, systemischen Schmerzbehandlung.

Ibuprofen ist als Schmerzmittel zur äußeren Anwendung als Creme und auch als Mikrogel erhältlich. Im Mikrogel ist der Wirkstoff gelöst in Mizellen, wodurch eine bessere Penetration gewährleistet wird.

Um allgemein eine gute Wirkung zu erzielen ist ein Auftragen zwei- bis dreimal am Tag erforderlich (mindestens).

 

Phytotherapeutische Schmerzmittel zur äußeren Anwendung: schmerzstillend, entzündungshemmend und abschwellend

Arnika montana

Bei stumpfen Verletzungen und Zerrungen an Muskeln und Sehnen wirkt Arnika als Schmerzmittel zur äußeren Anwendung schmerzstillend, entzündungshemmend und abschwellend. Arnika ist erhältlich als Tinktur und als Salbe jeweils für die äußerliche Anwendung. Produkte mit Arnika dürfen nicht auf verletzter Haut aufgebracht werden, ebenso ist das allergene Potential der Korbblütler zu beachten.

Beinwell in Topika bewährt

Prellungen, Verstauchungen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Zerrungen nach Sportverletzungen und Kniegelenksarthrose gehören zu den Einsatzgebieten von Beinwell. Es kommen sowohl die Wurzel als auch der oberirdische Teil der Pflanze zum Einsatz, jeweils verarbeitet in Salbenform. Pyrrolizidinalkaloide sind nachweisbar nicht enthalten, die wirksamen Substanzen sind Allantoin, Schleimpolysaccharide und Gerbstoffe.

Cayennepfefferextrakt als Schmerzmittel zur äußeren Anwendung

Salben mit Cayennepfefferextrakt haben eine geringere Bedeutung, zumal hier beim Auftragen besonders auf das anschließende Waschen der Hände zu achten ist, um ein unbeabsichtigtes Aufbringen an empfindlichen Stellen (z.B. im Augenbereich und an Schleimhäuten) zu verhindern.

Capsaicin

Ein capsaicinhaltiges Pflaster kann hingegen bei Muskelschmerzen, besonders im unteren Rückenbereich, für 4 bis 12 Stunden angebracht werden und so Schmerzen lindern. Capsaicin ist lipophil, permeiert gut durch die Haut und führt so zur Freisetzung von Substanz P, was zur Auslösung eines Schmerzreizes und zu dem bekannten brennenden Gefühl führt.

Als Langzeiteffekt wird das Depot an Substanz P zu langsam oder gar nicht mehr aufgefüllt, was sich in Schmerzlinderung zeigt. Weiters wirkt Capsaicin wärmend und durchblutungsfördernd. Bei entzündungsbedingten Schmerzen, Hautverletzungen im Applikationsbereich und Überempfindlichkeit gegenüber Capsaicin darf Cayennepfefferextrakt nicht angewendet werden.

Ätherische Öle

Wintergrün, Fichtennadel, Latschenkiefer, Rosmarin und Lavendel finden Anwendung in Schmerzsalben oder –ölen – mit oder ohne NSAIDs. Weiters sind auch oft Menthol oder Campher enthalten, die durch deren stark kühlenden Effekt für eine subjektive Schmerzlinderung sorgen, allgemein sind ätherische Öle durchblutungsfördernd.

Anwendungsgebiete sind Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen. Ebenso wie bei Capsaicin ist von einer Anwendung auf verletzter Haut eher abzuraten. Auf der anderen Seite kann Lavendelöl bei kleineren Verletzungen oder Verbrennungen ersten und zweiten Grades Linderung verschaffen.


Literatur:

Ardeleanu V, Toma A, Pafili K, et al. Current Pharmacological Treatment of Painful Diabetic Neuropathy: A Narrative Review. Medicina (Kaunas). 2020;56(1):25. Published 2020 Jan 9. doi:10.3390/medicina56010025

Leppert W, Malec-Milewska M, Zajaczkowska R, Wordliczek J. Transdermal and Topical Drug Administration in the Treatment of Pain. Molecules. 2018;23(3):681. Published 2018 Mar 17. doi:10.3390/molecules23030681

Argoff CE. Topical analgesics in the management of acute and chronic pain. Mayo Clin Proc. 2013;88(2):195-205. doi:10.1016/j.mayocp.2012.11.015

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