Atropa belladonna: die Wirkung der Tollkirsche kann tödlich sein

Die Tollkirsche – Atropa belladonna – ist ein mehrjähriger Strauch, der vor allem auf Lichtungen in Europa und Kleinasien anzutreffen ist. © Manfred Ruckszio / shutterstock.com

Die Tollkirsche – Atropa belladonna – ist ein mehrjähriger Strauch, der vor allem auf Lichtungen in Europa und Kleinasien anzutreffen ist. © Manfred Ruckszio / shutterstock.com

Die Tollkirsche, Atropa belladonna, hat eine sehr giftige Wirkung. Denn ab 3 Beeren können Kinder daran sterben, ab zehn Beeren auch Erwachsene.

Die giftige Tollkirsche – Atropa belladonna L., Solanaceae, auch als schwarze Tollkirsche bekannt – gehört wie der Stechapfel oder das Bilsenkraut zur Familie der Nachtschattengewächse. Die Pflanze enthält vor allemm auch die wirksamen Tropanalkaloide. Im Grunde genommen war die Tollkirsche im Mittelalter ein beliebtes Liebesmittel aber auch Hexendroge. Sie kam auch als solche in einigen Rezepten von Hexenmischungen wie Salben und Tinkturen vor. Die Wirkung der Tollkirsche, der Belladonna, findet heute vor allem in der Homöopathie umfassende Verwendung.

 

Umfassende Anwendung

In früheren Zeiten haben Frauen den Saft der Tollkirsche zur Vergrößerung der Pupillen in die Augen getropft, damit sie eine glänzendere und verführerischere Wirkung hatten. Daher stammt auch der italienische Name Belladonna – schöne Frau.

In der Volksmedizin fanden Zubereitungen der Tollkirsche hingegen auch Verwendung bei neurovegetativen Störungen, Wunden, Schmerzen, ­Krämpfen, Koliken, Asthma, Bronchitis sowie Migräne.

In der Homöopathie setzt man die Atropa belladonna umfassend ein. Bei Blutungen und Krämpfen, bei Entzündung, Sonnenstich, Kopfschmerz, grippalem Infekt mit Halsweh, trockenem Husten, Fieber, rotem Gesicht und klopfenden Schmerzen.

 

Wirkungen der Tollkirsche

Die Wirkung der Tollkirsche tritt recht rasch ein, auch wenn ein orale Anwendung vorliegt. Wobei alle der Pflanzenteile den anticholinergen Wirkstoff Hyoscyamin beinhalten. Davon kommt auch die Wirkung der Tollkirsche als sogenanntes delirantes Halluzinogen. Deswegen rechnet man Belladonna auch den halluzinogenen Nachtschattengewächsen zu.

Die Tollkirsche ist ein sehr gefährliche, giftige Droge, eine Überdosierung kann sogar lebensgefährlich sein. Dies ist deswegen so dramatisch, da der Wirkstoffgehalt der Belladonna stark schwankt und deswegen sehr schwer zu dosieren ist. Ein Hyoscyamin-Rausch kann mehrere Tage dauern.

Bereits ein mittlerer Rausch durch Belladonna kann zu einem Kontrollverlust führen. Im Gegensatz zu klassischen Halluzinogenen (Psychedelika) kann das delirante Halluzinogen echte Halluzinationen hervorrufen. Wobei der Anwender dann nicht mehr Sein und Schein unterscheiden kann. Ohne den Einfluss der Tollkirsche zu bemerken, bewegt man sich in Richtung Horrotrip und eventuell auch in große Gefahrensituationen.

 

Unerwünschte Wirkungen und tödliche Dosen

Unter dem Strich gelten 3 bis 5 Beeren bei Kindern sowie zehn bis zwanzig bei Erwachsenen als tödliche Dosis. Als großes Risiko wird dabei eine Atemdepression angesehen. Denn die kann zum Tod durch Atemstillstand führen. Schließlich kann die wirkung der Tollkirsche auch große Belastungen für das Herz wie Herzrasen und arrhythmische Herzschläge verursachen. Bei einer Vergiftung sollte übrigens immer der Notarzt gerufen werden.


Literatur:

Qiu F, Zeng J, Wang J, et al. Functional genomics analysis reveals two novel genes required for littorine biosynthesis. New Phytol. 2020;225(5):1906-1914. doi:10.1111/nph.16317

Kwakye GF, Jiménez J, Jiménez JA, Aschner M. Atropa belladonna neurotoxicity: Implications to neurological disorders. Food Chem Toxicol. 2018;116(Pt B):346-353. doi:10.1016/j.fct.2018.04.022

Marín-Sáez J, Romero-González R, Garrido Frenich A, Egea-González FJ. Screening of drugs and homeopathic products from Atropa belladonna seed extracts: Tropane alkaloids determination and untargeted analysis. Drug Test Anal. 2018;10(10):1579-1589. doi:10.1002/dta.2416

Die mobile Version verlassen