Neurofeedback-Training für Tinnitus-Patienten

Neurofeedback verspricht Linderung bei Tinnitus. Elektroden auf der Kopfhaut messen die Hirnaktivitäten. © Liv Betker

Ein Neurofeedback-Training kann betroffenen Menschen, die an Tinnitus leiden, gegen Belastungen durch Phantomgeräusche helfen.

Unlängst testeten Forscher aus der Marburger Psychologie, ob ein Neurofeedback-Training den Tinnitus-Patienten helfen kann, die Belastungen durch Phantomgeräusche zu vermindern. Tinnitus ist eine Störung der Hörfunktion, bei der Betroffene Geräusche wahrnehmen, die nicht auf ein äußeres Schallereignis zurückgehen: das berüchtigte Klingeln im Ohr. Die Erkrankung tritt bei 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung auf, schätzen Fachleute. Die Betroffenen leiden an dauerhaftem Summen und Zischen im Kopf. Das geschieht im Kino, beim Einkaufen, sogar, wenn die betroffenen Menschen schlafen gehen. Dazu haben die Wissenschaftler eine neue Methode, die die Belastungen durch Phantomgeräusche abgemildern soll. Unter dem Strich gibt es bislang keine Heilung für Tinnitus. Deswegen erforscht eine wachsende Anzahl von Forschungsgruppen weltweit neue Möglichkeiten wie das Neurofeedback-Training, um das Klingeln in den Ohren bei Tinnitus zum Schweigen zu bringen.

 

Neurofeedback-Training verspricht Linderung bei Tinnitus

Eine solche neuartige Behandlungsmöglichkeit bietet das Neurofeedback, dessen Wirkung das Team nun erforscht. „Tinnitus ist ein Phantomgeräusch“, erläutert Jensen; „das unaufhörliche Klingeln wird durch aktive Neuronen im Gehirn verursacht, obwohl objektiv kein Geräusch von außen vorhanden ist.“

Beim Neurofeedback beobachten Tinnituspatienten ihrer eigenen Hirnaktivität, die Elektroden auf der Kopfoberfläche aufnehmen. Deswegen können sie sie dann am Bildschirm sehen. Die Probanden trainieren dabei, Kontrolle über Gehirnprozesse zu erlangen, die unter normalen Umständen unwillkürlich ablaufen. „Mit dem Neurofeedback hoffen wir, diejenige Aktivität im Gehirn zu reduzieren, die für die Erzeugung der anhaltenden Geräuschwahrnehmung verantwortlich ist“, so Jensen.

Das Klingeln im Ohr an sich zu vermindern, ist jedoch nur einer von mehreren Effekten, die das Forschungsteam mit dem Training zu erzielen hofft. Dieses soll zudem auch beeinflussen, wie die Betroffenen ihren Tinnitus wahrnehmen und bewerten. „Manche Menschen leben gut mit Tinnitus und können ihn ignorieren, auch wenn er laut ist“, führt Weises Mitarbeiterin Eva Hüttenrauch aus. „Andere mit kaum hörbarem Tinnitus hingegen haben große Schwierigkeiten, sich damit abzufinden.“

 

Tinnitus kann schwerwiegende gesundheitlichen Folgen verursachen

Die Unfähigkeit, den eigenen Tinnitus zu akzeptieren, kann zu schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen führen. Dazu zählen etwa Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten sowie Angstzustände. Warum Tinnituspatienten die Störung mitunter als so belastend erleben, erklärt Weise so. „Vermutlich spielen diejenigen Teile des Gehirns dafür eine bedeutsame Rolle, die für die Verarbeitung von Emotionen verantwortlich sind.“ „Wir hoffen, dass wir mit dem Neurofeedback-Training dieses sogenannte Tinnitus-Belastungs-Netzwerk unterbrechen. Damit die Betroffenen mit dem ständigen Rauschen im Kopf besser zurechtzukommen“, sagt ihr Mitarbeiter Martin Jensen.


Quelle und Informationen:

Marburger Team um die Psychologin Dr. Cornelia Weise und ihre Kooperationspartner vom Forschungszentrum „Eriksholm Research Center“ aus Dänemark

Webseite: https://www.iterapi.se/sites/tone/

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