Thrombektomie bei Schlaganfall verbessert Therapie

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Die Chancen, einen Schlaganfall auch ohne Behinderung zu überleben, haben sich in den letzten Jahren nicht zuletzt durch die Thrombektomie deutlich verbessert.

 

Das neuartige Katheterverfahren – die Thrombektomie – kommt insbesondere bei schweren Schlaganfällen zum Einsatz. Bei einem Schlaganfall, bei dem ein Blutgerinnsel eine Hirnarterie blockiert, gilt es schnell zu handeln: Der Betroffene muss umgehend blutverdünnende Medikamente erhalten, die das Gerinnsel auflösen sollen. Ist das Gerinnsel zu groß, reicht diese Behandlung jedoch nicht aus.

 

Thrombektomie in spezialisierten Zentren rund um die Uhr verfügbar

Die Anwendung des neuartigen Katheter-Verfahrens, der Thrombektomie, die in spezialisierten Zentren rund um die Uhr verfügbar ist, kann in dieser Situation häufig noch helfen. „Einen solchen Entwicklungssprung in der Therapie einer Erkrankung erlebt man nur selten“, sagt Prof. Dr. Martin Bendszus, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Neuroradiologie an der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg.

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Quasi von heute auf morgen sei es möglich, Patienten mit schwersten Schlaganfällen mit relativ guten Erfolgschancen zu behandeln. Wir können damit in dieser Patientengruppe die Chancen auf ein Leben ohne Behinderung auf bis zu 50 bis70 Prozent erhöhen.

 

Schlaganfälle durch Hirnblutungen

Rund 15 Prozent aller Schlaganfälle gehen auf Hirnblutungen zurück. Nicht selten reißt ein Hirngefäß an Stellen mit geschwächter und daher bereits aufgeweiteter Gefäßwand – einem sogenannten Aneurysma. Ein Aneurysma verursacht in der Regel vor dem Krankheitsfall keine Beschwerden und wird daher oft nur zufällig bei CT- oder Kernspin-Untersuchungen des Kopfes entdeckt.

„Das Risiko, dass dieses Aneurysma irgendwann einreißt, ist nicht unerheblich, daher ist meistens eine Behandlung zu empfehlen. Bei den meisten Patienten können wir die Schwachstelle heute endovaskulär, also mittels eines Katheter-Eingriffs verschließen“, so der Experte. Dazu platzieren füllen die Neuroradiologen die Aussackung mit hauchfeinen, spiralförmigen Platindrähten vollständig aus, so dass kein Blut mehr in das Aneurysma fließen kann „Es werden ständig neue, verfeinerte Techniken entwickelt um das Verfahren noch effektiver und sicherer zu machen“, sagt Prof. Bendszus.

 

Mittels Thrombektomie Gerinnsel aus dem Gefäß herausziehen

Oft ist eines der großen Hirngefäße verschlossen und ein großes Hirnareal von der Durchblutung abgeschnitten, was schwerste neurologische Störungen zur Folge hat. Patienten mit solch schweren Schlaganfällen kann die Standardtherapie – die sogenannte Thrombolyse – häufig nicht helfen.

Sie können von dem neuen Katheterverfahren, der Thrombektomie, profitieren: Dabei führen Neuroradiologen über einen Katheter von der Leistenarterie einen feinen Draht unter Röntgenkontrolle bis in die Hirnarterie. Mit einem speziellen Drahtgeflecht ziehen sie das Gerinnsel aus dem Gefäß heraus. Offensichtlich kann diese Therapie auch länger nach Auftreten der Schlaganfall-Symptome sinnvoll sein als die Thrombolyse, welche nur in den ersten viereinhalb Stunden Wirkung zeigt.

Sind im betroffenen Areal noch ausreichend Nervenzellen intakt, kann auch eine relativ späte Thrombektomie helfen.

 

Wie lange die Thrombektomie nach dem Schlaganfall sinnvoll ist

„Wie lange nach dem Schlaganfall die Thrombektomie noch in Frage kommt, entscheiden wir bei jedem Patienten nachdem wir eine Untersuchung in der Computertomographie oder der Magnetresonanztomographie durchgeführt haben“, erklärt Bendszus. „Sind im betroffenen Areal noch ausreichend Nervenzellen intakt, kann auch eine relativ späte Behandlung helfen.“

Insgesamt gilt: Je früher die Patienten behandelt werden, desto besser sind die Chancen auf ein späteres Leben ohne Behinderung. Bei Verschlüssen der großen Hirnarterien warten die Neurologen daher nicht die Wirkung der Thrombolyse ab, sondern starten möglichst schnell mit der Thrombektomie. Mehrere Studien zu diesem Verfahren hätten so überzeugende Ergebnisse gebracht, dass die Spezialisten die Thrombektomie bei bestimmten Arten von Schlaganfällen inzwischen routinemäßig vornehme, so der Neuroradiologe.

 

Weitere Informationen und Veranstaltungstipp:

Die Heidelberger Schlaganfallstation ist mit rund 700 Patienten pro Jahr die größte „Stroke Unit“ Europas. Rund 30 Prozent der Heidelberger Schlaganfall-Patienten profitieren von dem Katheter-Eingriff, Tendenz steigend. Erhielten 2015 rund 200 Patienten eine Thrombektomie, rechnet Prof. Bendszus für 2016 mit mehr als 300 Patienten, die für diesen Eingriff aus der Region ins Universitätsklinikum gebracht werden. Mehr als 200 Patienten profitierten 2015 vom neuen Katheter-Verfahren Thrombektomie.

Wie die Thrombektomie genau funktioniert und was Katheter-Eingriffe am Gehirn sonst noch leisten können, erklärt Professor Bendszus in seinem Vortrag bei Medizin am Abend am Mittwoch, 17. Februar 2016. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400. Universitätsklinikum und Rhein-Neckar-Zeitung laden alle Interessierten herzlich ein.

http://www.medizin-am-abend.de

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