Therapie mit Pferden – die Chiron-Therapie

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Die Chiron-Therapie ist eine ganzheitliche Therapie mit Pferden für erwachsene Patienten. Im Unterschied zur Hippotherapie wird sie ohne Reiten durchgeführt, die Interaktion mit den Pferden ist entscheidend.

Heilender Kontakt mit Pferden – Therapie mit Pferden. Die seelische Befindlichkeit von Patienten kann deren Gesundheitszustand beeinflussen – positiv wie negativ. Eine Internistin und eine Psychologin haben gemeinsam eine pferdegestützte Therapieform für Erwachsene entwickelt, die der seelischen Komponente von Erkrankungen Rechnung trägt und auch in der Prävention wirksam ist. Im Unterschied zur bekannten Hippotherapie wird dabei allerdings nicht geritten – die Interaktion mit den Pferden findet ausschließlich am Boden statt.

In Anlehnung an das biopsychosoziale Gesundheits- und Krankheitsmodell ist für die erfolgreiche Therapie zahlreicher Krankheitsbilder ein ganzheitlicher Ansatz wünschenswert. Dieser sollte neben der wissenschaftlichen Medizin sowohl seelische als auch soziale Faktoren in Diagnose und Therapie mit einbeziehen – sowohl Patienten als auch Ärzte können von dieser erweiterten Sichtweise profitieren.

Besonders bei chronischen Erkrankungen, wie z.B. chronische Schmerzsyndrome, onkologische Erkrankungen, Diabetes etc. sind die Patienten durch ihre Krankheit oft auch seelisch sehr belastet – Körper und Seele beeinflussen einander wechselseitig.

Liegen vordergründig seelische Beschwerden wie Depressionen, Panikattacken, Burn out oder Ähnliches vor, ist eine medikamentöse Therapie oft nicht ausreichend bzw. auch nicht oder nur kurzfristig indiziert.

Eine besondere Möglichkeit, um den Gesundheitszustand von Menschen positiv zu beeinflussen, ist die Chiron-Therapie mit Pferden.

 

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Wie die Therapie mit Pferden den Gesundheitszustand von Menschen positiv beeinflussen kann

Ein wesentlicher Ausgangspunkt für das Konzept von Chiron-Therapie mit Pferden ist die Theorie der emotionalen Inkongruenz. Sie geht davon aus, dass Emotionen, die aus unterschiedlichsten Gründen verdrängt, verleugnet oder einfach nicht wahrgenommen werden, in Menschen starke Spannungen und somit inneren Stress erzeugen. Nach außen hin scheint dies kompensiert, es entsteht jedoch eine Inkongruenz zwischen dem inneren Befindlichkeitszustand und dem äußeren, bewussten Auftreten.

Dieser innere Stress kann zu seelischen Störungen wie Panikattacken und Depressionen führen, aber auch körperliche Beschwerden wie Verspannungen, Schmerzsyndrome, Migräne hervorrufen und die Entstehung von Herz/Kreislauferkrankungen begünstigen. Die inneren Spannungszustände werden sozusagen zu „Energieräubern“ und bilden so den Ursprung für vielfältige Beschwerden und Krankheiten.

Um emotionale Inkongruenz aufzuspüren bedarf es eines sensiblen, vermittelnden Mediums. Pferde sind dafür ein ideales Gegenüber: sie sind Beutetiere und ihr Überleben hängt maßgeblich davon ab, innere Zustände in einem sozialen Gegenüber exakt und rasch wahrzunehmen und darauf adäquat zu reagieren. In unserer Körperhaltung und -spannung sowie in unseren Bewegungen, drücken wir unseren inneren emotionalen Zustand unbewusst aus.

Dies wird von Pferden in erstaunlich exakter Weise wahrgenommen. Das bedeutet, dass Pferde emotionale Inkongruenz sehr rasch „lesen“ und abhängig von ihrem Temperament, Eigenschaften und Lernerfahrungen unterschiedlich – aber stets deutlich – darauf reagieren. Dadurch, dass das Pferd zudem ein sehr soziales Herdentier ist, geht die Interaktion jedoch weit darüber hinaus, dass das Pferd nur Spiegel wäre, sondern es ist ein aktives und individuelles Vis a Vis.

Eine weitere, wichtige Komponente von Chiron-Therapie ist der erlebnisorientierte Ansatz: in der Interaktion mit dem Pferd, in einer Umgebung, die alle Sinne anspricht, können neue, nicht gewohnheitsmäßige Erfahrungen gemacht werden: jegliche Veränderung in Haltung, Körpersprache oder Verhalten der PatientInnen – oft für Menschen gar nicht wahrnehmbar, wird vom Pferd ad hoc rückgemeldet – somit findet ein Lernprozess durch Erfahrung mit sofortiger positiver Feedbackschleife statt.

 

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2 Beispiele zur ganzheitlichen Therapie mit Pferden aus der Praxis:

Therapie mit Pferden – Fallbeispiel 1. Nach einer abgeheilten De Quervain Thyreoiditis fühlte sich eine 45 jährige Frau nach wie vor abgeschlagen, müde, hatte Schlafstörungen und war wenig leistungsfähig. Sowohl die Laborparameter (BSG und TSH) als auch der sonographische Befund der Schilddrüse waren längst im Normbereich. Eine weitere medizinische Therapie war nicht indiziert. Trotzdem verspürte die Frau einen hohen Leidensdruck, da sie ihren Alltag nur unter großer Anstrengung meistern konnte. Weil sie eine mögliche seelische Komponente vermutete, entschloss sie sich, an einem Chiron-Seminar teilzunehmen.

In der Interaktion mit den Pferden stellte sich heraus, dass für die Patientin das Durchsetzen ihrer Wünsche bereits Aggression bedeutete. Dies lehnte sie ab, da sie niemanden ängstigen wollte (Thema Angst-Aggression). Durch spezielle Übungen mit verschiedenen Pferden konnte sie innere Stärke und Durchsetzungskraft finden und an den Pferden erproben. Aufgrund deren Rückmeldung konnte sie die Erfahrung machen, dass sich die Pferde ihr mehr zuwandten und sich sogar wohler fühlten, wenn sie klare Anordnungen gab und Grenzen setzte. Dies konnte sie auch mehr und mehr im Alltag umsetzten, die Erschöpfungszustände besserten sich.

Therapie mit Pferden – Fallbeispiel 2. Eine junge Frau mit Burn-Out-Symptomatik nahm ebenfalls an einem Chiron Seminar teil. Bei einer konkreten Übung mit den Pferden wollte sie eine sehr dynamische Übung mit viel Laufen und viel Bewegung machen. Das erste Pferd, mit dem sie arbeitete, zeigte durch Mimik und Körperhaltung deutlich sein Missfallen, sodass es versuchsweise ausgetauscht wurde. Pferd Nummer 2 reagierte auf das hohe Energieniveau der jungen Frau mit Widerstand: es stemmte alle 4 Beine in den Boden und wollte nicht mitlaufen.

In diesem Moment wurde der Teilnehmerin klar, dass sie in erster Linie Ruhe und Entspannung bräuchte, sie diese Bedürfnisse aber immer übergeht und sich dadurch erschöpft. Mit Pferd Nummer 2 konnte sie dann auch für einige Zeit dieses Bedürfnis nach Ruhe und Zu-Sich-Kommen zulassen und erleben. Die Pferde hatten auf emotionale Inkongruenz der jungen Frau in verschiedener Weise, aber beide sehr deutlich reagiert. Dadurch konnte die Teilnehmerin eine nicht-gewohnheitsmäßige Erfahrung machen, die sie in ihren Alltag mitnehmen konnte.

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Seminare zur Therapie mit Pferden – Chiron-Therapie

Eine besondere Möglichkeit, um den Gesundheitszustand von Menschen positiv zu beeinflussen, ist Chiron-Therapie mit Pferden, die unlängst von Dr. Ulrike Handler, Fachärztin für Innere Medizin und Mag. Irene Staringer, Klinische- und Gesundheitspsychologin, entwickelt wurde.

Die Chiron-Therapie findet in erster Linie im Seminar-Design statt: Zeitraum ist ein Wochenende (Samstag und Sonntag) jeweils ganztägig. Kennenlernen, Vorbereitung und Erarbeitung der individuellen Thematik in einem nahen Seminarraum wechseln mit „Übungs-Einheiten“ mit den Pferden ab.

Ziel eines Seminars ist, dass die TeilnehmerInnen mit einem besseren Verständnis für und mit neuen Strategien zur Bewältigung ihrer Beschwerden nachhause gehen.

Sollte sich während des Seminars zeigen, dass zur Therapie mit Pferden für eine/n TeilnehmerIn weitere Unterstützung notwendig ist, sei sie medizinischer oder psychologischer Natur, wird dies von den Seminarleiterinnen in die Wege geleitet.

Chiron Seminare sind grundsätzlich für alle erwachsenen Personen offen, die eine Verbesserung ihres Gesundheitszustandes durch Unterstützung auf seelischer Ebene wünschen. Aufgrund des beruflichen Hintergrundes der Seminarleiterinnen bietet die Chiron-Therapie mit Pferden besondere Unterstützung

  • bei der Bewältigung von chronischen Erkrankungen,
  • bei körperlichen Beschwerden mit seelischem Anteil und Hintergrund,
  • bei Trauma Behandlung (seelisch und körperlich),
  • bei anhaltenden oder wiederkehrenden seelischen Beschwerden (z.B. Ängste, Erschöpfung, Traurigkeit, Unruhe, Gereiztheit),
  • bei Burnout und zur Burnout Prophylaxe,
  • bei chronischem Stress,
  • in Phasen persönlicher Neu- oder Umorientierung.

 

Zusätzlich zum Seminardesign sind auf Anfrage grundsätzlich auch Einzelbehandlungen mit den Pferden möglich.

Veranstaltungsort ist der Raum Mödling/Sittendorf in der Nähe von Wien, Österreich..

Kontakt:

 

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Dr. Ulrike Handler

FÄ für Innere Medizin, Mödling

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