Freitag, April 19, 2024

Alternative Therapie mit Höhenluft gegen Asthma bronchiale

Eine Therapie mit Höhenluft könnte gegen Asthma bronchiale helfen. Denn niedrige Sauerstoffwerte können Symptome der Atemwegserkrankung lindern.

Im Grunde genommen können harmlose Umweltstoffe für Menschen mit Asthma zum Verhängnis werden. Solche schädlichen Einflüsse können beispielsweise Tierhaare, Hausstaub sowie Pollen sein. Denn schädliche Stoffe können dabei regelmäßig über die Luft in unsere Atemwege gelangen. Das Immunsystem von Patienten mit Asthma nimmt dann diese Allergene als gefährlich wahr und ein Asthmaanfall ist die Folge. Etwa eine von 14 Personen ist in unseren Breiten von Asthma betroffen, darunter auch viele Kinder. Oft wird diese chronische Entzündungskrankheit mit inhalativen Corticosteroiden erfolgreich behandelt, zum Teil aber auch mit Nebenwirkungen. Deshalb suchen Forschende permanent alternative Möglichkeiten zur Behandlung. Eine dieser Optionen ist die sogenannte „Höhenkur“. Interessant sind hierzu die zugrundeliegenden Mechanismen dieser vielversprechenden Therapie mit Höhenluft gegen Asthma bronchiale.

 

Therapie mit Höhenluft, Höhenklima, als Alternative zu pharmakologischen Behandlungen bei Asthma

Unter dem Strich ist Asthma eine komplexe chronische Entzündungskrankheit. Wobei zahlreiche Menschen in unseren Breiten betroffen sind. Typische Symptome von Asthma bronchiale sind Kurzatmigkeit, ein Engegefühl in der Brust, Husten sowie Atemnot. Infolgedessen kann auch eine allergische Reaktion der Atemwege entstehen.

Die Entwicklung und der Schweregrad von allergischem Asthma stehen übrigens in engem Zusammenhang mit Allergenen im Innenraum. Und zwar wie Hausstaubmilben oder Sporen von Schimmelpilzen. Als zweite, nicht-allergische Form kann Asthma aber beispielsweise auch durch Anstrengung oder Stress hervorgerufen werden.

Obwohl inhalative Medikamente auf Cortikoide-Basis wie beispielsweise Cortison und andere spezifische entzündungshemmende Behandlungen bei Asthma hoch wirksam sind, kann es zu Nebenwirkungen kommen, welche die Lebensqualität beeinträchtigen können. Zudem bringen diese Behandlungskonzepte nicht bei allen Patienten den gewünschten Erfolg.

Unter dem Strich setzte man die Therapie mit Höhenluft – die sogenannte Höhenklimatherapie (HACT) – gegen Asthma in der Vergangenheit ein, bevor pharmakologische Behandlungen zur Verfügung standen. Weiter verwendet man Therapie mit Höhenluft seither immer noch zur Ergänzung der Asthma-Medikamente.


Frühe Diagnose Asthma bronchiale stellen

Asthma bronchiale bei Kindern
Asthma bronchiale bei Kindern

 

Eine frühestmögliche Diagnose Asthma bronchiale ist wichtig. Allerdings ist die Definition und Diagnose von Asthma auch unter Experten umstritten. Mehr dazu unter https://medmix.at/frueher-diagnose-asthma-bronchiale/


Besserung bei allergischem Asthma bronchiale durch die Therapie mit Höhenluft

Unter dem Strich kann man in der Literatur sich zahlreiche Fallberichte finden, die eine Besserung des allergischen Asthmas durch die Höhenklimatherapie beschreiben. Zudem konnte man beobachten, dass es bei Asthmapatienten aus hoch gelegenen Regionen zu einer Verschlimmerung ihrer Krankheit kommt, wenn sie sich in niedrigeren Höhenlagen aufhalten. Bemerkenswert ist, dass die positive Wirkung der Therapie mit Höhenluft auch noch Monate nach der Rückkehr aus der Höhe nachweisbar ist. Deswegen stellt die Forschung die Therapie mit Höhenluft als erfolgreiche Behandlung gegen Asthma bronchiale immer wieder in den Fokus.

Zur Erklärung dieser positiven Wirkungen konnten die Wissenschaftler zwar mehrere mögliche Faktoren erkennen. Beispielsweise eine geringere Belastung durch Allergene. Weiter eine erhöhte Exposition gegenüber UV-Licht. Zudem psychosomatische Faktoren sowie die Hypoxie (Sauerstoffmangel). Die zugrundeliegenden molekularen Mechanismen konnte man jedoch lange Zeit nicht ausreichend erforschen.

 

Niedrige Sauerstoffwerte helfen bei der chronischen Atemwegserkrankung

Unlängst ist es Forschenden jedenfalls gelungen, wichtige zelluläre Mechanismen der Therapie mit Höhenluft gegen Asthma bronchiale nachzuweisen. Infolgedessen konnte man auch zur Aufklärung ihrer klinischen Wirksamkeit beizutragen.

Im Grunde genommen scheint die Therapie mit Höhenluft gegen Asthma bronchiale die allergische Entzündung zu unterbrechen. Und zwar indem eine bestimmte immunologische Kettenreaktion ausbleibt. Für eine allergische Immunreaktion müssen sogenannte Antigen-präsentierende Zellen das Allergen erkennen und den T-Zellen präsentieren. Diese T-Zellen stimulieren wiederum B-Zellen, die letztendlich spezifische Antikörper produzieren und freisetzen – die allergische Reaktion beziehungsweise der Asthmaanfall kann stattfinden.

Eine reduzierte Sauerstoffkonzentration hemmt diese Effekte. Die Hypoxie ist somit ein wichtiger Faktor, der die Effekte des Höhenaufenthalts erklärt. Jedenfalls wird dabei die Immun-Kettenreaktion von Beginn an gehemmt. Beginnend bei den Antigen-präsentierenden Zellen, die eine bestimmte Sauerstoffkonzentration benötigen, um voll aktiv zu werden. Außerdem wird Sauerstoff grundsätzlich für die Kommunikation zwischen den verschiedenen Immunzellen benötigt.

 

Hoch hinaus: Hoch-alpine Bedingungen im Fokus der Therapie mit Höhenluft gegen Asthma bronchiale

Die im Labor simulierten Sauerstoffbedingungen entsprechen einer Höhe von etwa 5000 Metern und stellen eine schwere Hypoxie dar. Patient in HACT-Kliniken erfahren bereits ab 2000 Metern Seehöhe eine Linderung ihrer Symptome.

Jedenfalls konnten die Untersuchungen im Mausmodell als Grundsatzstudie dienen. Die Forscher konnten dabei mehrere grundlegende Hypoxie bedingte molekulare Signalwege identifizieren. Diese könnten bei der Therapie mit Höhenluft gegen Asthma bronchiale eine Rolle spielen.

Weiter sind dazu Arbeiten erforderlich, um die Mindesthöhe und Dauer der Höhenexposition für eine effektive Therapie mit Höhenluft gegen Asthma bronchiale zu bestimmen. Insbesondere könnten weitere Forschungen der Hypoxie-vermittelten Wirkungen auf die Immunzellen und ihr Zusammenspiel vielversprechend sein.

Die neuen Erkenntnisse könnten zur Entwicklung neuer Therapien beitragen. Unter dem Strich können die Menschen immer gesundheitlich von der Höhenluft profitieren. Dementsprechend sollte man regelmäßig die frische Bergluft genießen.


Literatur:

Hochgerner M, Sturm EM, Schnoegl D, Kwapiszewska G, Olschewski H, Marsh LM. Low oxygen levels decrease adaptive immune responses and ameliorate experimental asthma in mice. Allergy. 2022 Mar;77(3):870-882. doi: 10.1111/all.15020. Epub 2021 Aug 1. PMID: 34309864; PMCID: PMC9290649.

Vinnikov D, Khafagy A, Blanc PD, Brimkulov N, Steinmaus C. High-altitude alpine therapy and lung function in asthma: systematic review and meta-analysis. ERJ Open Res. 2016 Jun 6;2(2):00097-2015. doi: 10.1183/23120541.00097-2015. PMID: 27730196; PMCID: PMC5005180.


Quelle:

Medizinische Universität Graz, Otto Loewi Forschungszentrum, Lehrstuhl für Physiologie, Ludwig Boltzmann Institut für Lungengefäßforschung

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