Telemedizin eignet sich auch für die Therapie von chronischen Schmerzen

Vor allem in der Corona-Pandemie gibt es einen Telemedizin-Boom. © elenabsl / shutterstock.com

Telemedizin, eHealth-Anwendungen und Apps scheinen sich für den Einsatz im Bereich der Therapie von Schmerzen sehr gut zu eignen.

Telemedizin, eHealth und Apps scheinen sich auch gerade deshalb für den Einsatz im Bereich der Therapie von Schmerzen in besonderer Weise zu eignen. Mit diesen Technologien ist es möglich, Schmerzen zu erheben, Schwachstellen in der Kommunikation zu überbrücken, Doppeluntersuchungen zu vermeiden sowie bestehende Behandlungsstandards und Präventionsansätze zu verbessern, und zwar über die Grenzen spezialisierter Schmerzzentren hinweg. In den letzten Jahren ist folgerichtig eine wachsende Anzahl von Projekten, Produktentwicklungen und wissenschaftlichen Studien mit bzw. zu den neuen Technologien zu verzeichnen, auch im Bereich der Schmerztherapie.

Mit deren Nutzung werden große Erwartungen an eine Verbesserung der Qualität und Effizienz von Präventions- und Versorgungskonzepten verknüpft. In weiten Teilen der Bevölkerung ist die Bereitschaft zur Nutzung groß. Allerdings ist noch lange kein klinischer, versorgungsstruktureller und wissenschaftlicher Konsens darüber erreicht, wie die Telemedizin eingesetzt werden können, um optimalen und breiten Zugang zu schmerztherapeutischer Versorgung zu schaffen mit dem Ziel einer insgesamt verbesserten Versorgungsqualität. Es fehlt an wissenschaftlicher Evidenz, um Qualität und Sicherheit dieser Anwendungen einschätzen zu können.

Genau hier besteht also erheblicher Forschungsbedarf, den einige Projekte zu decken beginnen. Auch Fragen des Datenschutzes gehören zu den dringend zu lösenden Themen auf diesem Gebiet. Neben den Chancen für eine verbesserte schmerztherapeutische Versorgung ist damit auch die Hoffnung verbunden, über Apps wichtige Datenquellen für die Versorgungsforschung erschließen zu können.

 

Schmerztherapeutische Unterversorgung

Die schmerztherapeutische Versorgung sowohl akuter als auch chronischer Schmerzen ist in Deutschland großen regionalen Unterschieden unterworfen. Sie gilt insgesamt als unzureichend, obwohl kosteneffektive Behandlungsmethoden verfügbar sind. Nicht zuletzt wird dies durch die seit Jahren kontinuierlich steigende Anzahl von Patienten mit chronischen Schmerzen belegt. Zu den Gründen für diese Defizite zählen u. a. geografische Distanzen zu spezialisierten Versorgern, mobilitätseinschränkende und funktionelle Behinderungen der Patienten, ökonomische Limitationen sowie bildungsbezogene und versorgungsstrukturelle Barrieren.

Eine schmerztherapeutische Unterversorgung kann die Chronifizierung von Schmerzen fördern und schwere emotionale Störungen verursachen. Diese beeinträchtigt bei vielen Betroffenen die Lebensqualität erheblich. Es drohen Erwerbsunfähigkeit, Invalidität sowie ausgeprägter Inanspruchnahme des Gesundheitssystems. Nicht zuletzt aus diesen Gründen ist es mittlerweile auch gesundheitspolitisches Ziel, die schmerztherapeutische Versorgung weiterzuentwickeln, auszubauen und zu differenzieren. Die Schmerztherapie nutzt vorwiegend kommunikative und medikamentöse Wirkfaktoren.


Quelle:

Statement » Schmerztherapeutische Unterversorgung: Zu weit weg, zu teuer, unbekannt? Wie Telemedizin, eHealth und Apps Defizite in der Versorgung beheben können « – Professor Dr. med. Carla Nau Professorin für Anästhesiologie an der Universität zu Lübeck, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck zum  Deutschen Schmerzkongress der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V., Oktober 2018, Mannheim

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