Süßholzwurzel und Lakritze in der Corona-Pandemie: bei Erkältungen und Atemwegserkrankungen wie Covid 19

Süßholzwurzel ist der Ausgangsstoff für Lakritze. © Photology1971 / shutterstock.com

Süßholzwurzel ist der Ausgangsstoff für Lakritze. © Photology1971 / shutterstock.com

Verantwortlich für die gute Wirkung der Süßholzwurzel und von Lakritze ist hauptsächlich der Inhaltsstoff Glycyrrhetinsäure, auch als Glycyrrhizin bekannt. Und zwar gegen die Symptome bei Erkältungen und Atemwegserkrankungen wie der Corona-Erkrankung Covid 19.

Die bis zu zwei Meter Höhe große Heilpflanze Süßholz – beziehungsweise besser die arzneilich wirksame Süßholzwurzel sowie Lakritze als der Extrakt daraus – setzt man vor allem auch zur Schleimlösung und Erleichterung des Auswurfs bei Katarrhen der oberen Atemwege und zur Unterstützung der Behandlung von krampfartigen Beschwerden bei Magenschleimhautentzündungen ein. Deswegen ist die Heilpflanze als Hausmittel bei Erkältungen, Atemwegserkrankungen und Verdauungsbeschwerden sehr begehrt. Die Süßholzwurzel zeigt auch mineralkortikoide und photoprotektive Effekte, seine Wirkung gegen Durst wurde bereits in der Antike beschrieben. Eine große, rezente internationale Studie zu Heilpflanzen zur symptomatischen Behandlung von Corona-Patienten zeigte zudem, dass Glycyrrhiza glabra, Süßholzwurzel, auch in der ambulanten Behandlung der Coronavirus-Erkrankung Covid-19 positive Wirkungen entfalten kann.

 

Süßholzwurzel als Heilmittel seit der Antike bekannt

Süßholzwurzel, Glycyrrhiza glabra, haben die Menschen in vielen großen Kulturen Asiens und Europas in verschiedenen Anwendungsgebieten eingesetzt. Die Römer und Griechen benutzten Süßholzwurzel als Heilpflanze bei Asthma und Geschwüren.

Der im 1. Jahrhundert lebende griechische Arzt Pedanios Dioskuridesaus Anazarbos in Kilikien (Kleinasien) –Militärarzt im römischen Dienst unter den Cäsaren Claudius und Nero und berühmteste Pharmakologe der Antike – empfahl Süßholzwurzel in Form eines Saftes bei Sodbrennen und Heiserkeit.

In der damaligen chinesischen Medizin gehörte die Süß­holzwurzel zu den zehn wichtigsten Heilpflanzen, arabische Ärzte setzten sie gegen Dysmenorrhoe ein. Alte chinesische Aufzeichnungen beschreiben auch Ödeme nach der Anwendung von Süßholzwurzel.

In Japan soll die Süßholzwurzel auch heute noch bei hyper­androgenetischen Frauen den Eisprung auszulösen.

In arabischen Ländern wird noch heute ein Getränk verkauft, das aus der Süßholzwurzel hergestellt wird und sehr gut den Durst stillen soll.

Die Skythen – das ostiranische Nomadenvolk, das im 8. Jahrhundert vor Christus von den mittelasiatischen Steppen in das Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres zwischen den Karpaten und dem Don eingewandert und im 6. Jahrhundert vor Christus ins heutige Rumänien vorgestoßen war – verwendeten die Süßholzwurzel in Verbindung mit Stutenmilchkäse beim Durchqueren von Wüsten gegen den Durst. So sollen sie bis zu zwölf Tage ohne jede Flüssigkeitszufuhr ausgekommen sein. Den Skythen soll auch bereits die wasser­retinierende Wirkung der Süßholzwurzel bekannt gewesen sein.

 

Lakritze – Extrakt aus Süßholzwurzel

Als Lakritze wird der Extrakt aus Süßholzwurzel bezeichnet. Der englische Apotheker George Dunhill mischte im 18. Jahrhundert dem eingedickten Saft Zuckersirup bei, Lakritzen wurden in Folge zum allerorts beliebten süßen Genuss. Vor allem als Süßigkeit wird Lakritze für Kinder seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts angeboten. Lakritze werden in verschiedenen Sorten angeboten, wobei man zur Produktion die Süßholzwurzel raspelt und anschließend die Inhaltsstoffe extrahiert und eindickt.

Lakritze wird in Kombination mit Ammoniumchlorid und Anisöl zu Pastillen für die Schleimlösung im Bereich der Atemwege verarbeitet. Schon die alten Griechen verwendeten den dunklen Saft der Süßholzwurzel zur Behandlung von Asthma und Magengeschwüren. In der traditionellen Naturheilkunde wird Lakritze bei Husten oder Magenleiden eingesetzt.

Übermäßiger Konsum von Lakritze kann aber auch gefährlich sein. Unlängst berichtete MEDMIX von einem Fall aus Italien: ein 10-jähriger Junge hatte nach übermäßigem Lakritz-Konsum in Form von Süßigkeiten einen massiven Krampfanfall erlitten. Das Kind wurde nach einer über zwei Minuten andauernden Konvulsion in ein Krankenhaus in Bologna eingeliefert. Dabei kam es zu wiederholten tonisch-klonischen Krämpfen der Körpermuskulatur, verbunden mit einem Bewusstseinsverlust.

In der modernen Medizin kommt die Süßholzwurzel mit ihrem natürlich vorkommenden Bestandteil Glycyrrhizin­säure bei Melanomen, Ekzemen und Hautgeschwü­ren zur Anwendung, potenzielle photoprotektive Effekte werden vermuten.

Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde beobachtet, dass viele Patienten mit Magengeschwüren durch eine Behandlung mit Süßholz­wurzel Symptome eines Hyper­­aldosteronismus mit Wasseransammlungen, Bluthochdruck, Hypernatriämie und Hypokaliämie aufwiesen. Die mineralkortikoide Wirkung zeigt sich in einem Pseudo-Hyperaldosteronismus, da der Aldosteron-Spiegel neben dem Plasma-­Renin-Spiegel ebenfalls abfällt, wofür die Glycyrrhetinsäure verantwortlich ist.

Die Süßholzwurzel soll bei einer Erkältung die Bronchialschleimhaut anregen, damit sie mehr dünnflüssiges Sekret bildet. So kann zäher Schleim besser abgehustet werden. Weiters sollen antientzündliche Effekte bestehen, die Magensäurebildung vermindern (gegen Sodbrennen hilfreich) und möglicherweise sogar den Magenkeim Helicobacter pylori bekämpfen können (bei Gastritis positiv).

 

Vorsicht

Die Süßholzwurzel sollte nur in Absprache mit einem Arzt erfolgen, da übermäßiger Verzehr auch von Lakritze – zu hoch dosiert über einen zu langen Zeitraum – ernsthafte Nebenwirkungen hervorrufen kann. Dazu gehört eine Erhöhung des Blutdrucks und negative Einflüsse auf Blutzuckerspiegel. So sollte die Anwendung bei Diabetes oder Nierenproblemen unterlassen werden, ebenso in der Schwangerschaft. Weiter können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten ausgelöst werden.


Literatur:

Boozari M, Hosseinzadeh H. Natural products for COVID-19 prevention and treatment regarding to previous coronavirus infections and novel studies. Phytother Res. 2021 Feb;35(2):864-876. doi: 10.1002/ptr.6873. Epub 2020 Sep 27. PMID: 32985017.

Silveira D, Prieto-Garcia JM, Boylan F, Estrada O, Fonseca-Bazzo YM, Jamal CM, Magalhães PO, Pereira EO, Tomczyk M, Heinrich M. COVID-19: Is There Evidence for the Use of Herbal Medicines as Adjuvant Symptomatic Therapy? Front Pharmacol. 2020 Sep 23;11:581840. doi: 10.3389/fphar.2020.581840. PMID: 33071794; PMCID: PMC7542597.

Pastorino G, Cornara L, Soares S, Rodrigues F, Oliveira MBPP. Liquorice (Glycyrrhiza glabra): A phytochemical and pharmacological review. Phytother Res. 2018 Dec;32(12):2323-2339. doi: 10.1002/ptr.6178. Epub 2018 Aug 17. PMID: 30117204; PMCID: PMC7167772.


Quellen und weitere Informationen:

https://www.nlm.nih.gov/medlineplus/druginfo/natural/881.html

Die Süßholzwurzel im Blickpunkt. MEDMIX 8/2007.

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