Subarachnoidalblutungen durch Bluthochdruck und Rauchen begünstigt

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Die weltweite Abnahme von Aneurysma-bedingten Subarachnoidalblutungen geht mit der Abnahme von Bluthochdruck und Rauchen einher.

Die aneurysmatische Subarachnoidalblutung (SAB) ist eine spezielle Form des Schlaganfalls, bei der Blut in den mit Hirnflüssigkeit gefüllten Subarachnoidalraum gelangt. Dieser Subarachnoidalraum umgibt schützend das Gehirn und das Rückenmark. Diese Form von Hirnblutungen tritt häufig auf, wenn ein Aneurysma, eine sackförmige Erweiterung einer Arterie, an der Hirnbasis reißt. Subarachnoidalblutungen machen zwar nur etwa 5 Prozent aller Schlaganfälle aus, aber die Folgen sind höchst bedrohlich. Denn die Hälfte der Betroffenen ist jünger als 55 Jahre, weiters stirbt ein Drittel innerhalb der ersten Tage bis Wochen. Schließlich bleibt etwa ein Drittel der Überlebenden nach dem Auftreten der Blutungen dauerhaft auf Hilfe angewiesen.

 

Große Metaanalyse zur Inzidenz von aneurysmatischen Subarachnoidalblutungen

Nun haben Wissenschaftler der Neurochirurgischen Klinik an der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) und der Neurologischen Klinik der Universität Utrecht, Niederlande, im Fachjournal JAMA Neurologyihre  umfassende Metaanalyse zu Subarachnoidalblutungen publiziert. Das Ziel war erstens, Licht in die sowohl zeitlich als auch räumlich offenbar recht heterogene Verteilung der Inzidenz von aneurysmatischen Subarachnoidalblutungen zu bringen. Zweitens wollten die Forscher auch potenzielle Determinanten nachweisen, die für einen Rückgang der Erkrankung verantwortlich sein könnten.

Ausgangspunkt des Projektes waren jüngst veröffentlichte, zum Teil widersprüchliche Daten verschiedener registerbasierter oder regionaler Studien. Diese dokumentierten wiederum einen Rückgang des Auftretens von Subarachnoidalblutungen dokumentieren.

 

Häufigkeit von aneurysmatischen Hirnblutungen in den letzten 60 Jahren untersucht

In die systematische Übersichtsarbeit flossen Metadaten aller weltweiten, bevölkerungsbasierten Schlaganfallstudien der letzten 60 Jahre ein. Zum einen erfasst die Studie dabei das Auftreten von aneurysmatischen Hirnblutungen regional und deren Häufigkeit im zeitlichen Verlauf. Darüber hinaus stellt die Metaanalyse erstmals die Entwicklung der Faktoren Bluthochdruck und Rauchen in Relation zur Inzidenz von aneurysmatischen Subarachnoidalblutungen. Es zeigen sich dabei deutliche Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von aneurysmatischen Hirnblutungen und den Risikofaktoren Bluthochdruck und Rauchen.

Konkret zeigt die Analyse der Daten von 75 Studien mit insgesamt mehr als 8.000 Personen aus 32 Ländern, dass das Auftreten von Hirnblutungen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich abgenommen hat: Zwischen 1980 und 2010 nahm die Inzidenz für eine aneurysmatische Subarachnoidalblutung weltweit insgesamt um etwa 40 Prozent ab. Hierbei wurden jedoch große regionale Unterschiede nachgewiesen. So sank in Europa die Inzidenz um 41 Prozent, in Asien um 46 Prozent und in Nordamerika um 14 Prozent. Hingegen stieg die Inzidenz für SAB in Japan in den letzten drei Jahrzehnten um 59 Prozent. Das Auftreten einer SAB ist außerdem nach Alter und Geschlecht unterschiedlich verteilt.

 

Zusammenhang Subarachnoidalblutungen mit systolischen Blutdrucks und der Raucherprävalenz

Auffallend ist, dass die Entwicklung bzw. Abnahme der SAB-Inzidenz weltweit parallel zu der Abnahme des systolischen Blutdrucks und der Raucherprävalenz im selben Zeitraum verläuft. „Ein Gedankenspiel: Stünde die Abnahme der SAB-Inzidenz tatsächlich unmittelbar mit der Senkung des systolischen Blutdrucks in Verbindung, so hieße dies, dass die SAB-Inzidenz mit jedem Rückgang des Blutdrucks um 1 mmHg um 7,1 Prozent abnähme. Und bezogen auf die Raucherprävalenz bedeute dies, dass die SAB-Inzidenz um 2,4 Prozent pro Prozent Rückgang der Raucherprävalenz abnähme“, erläutert Professor Dr. Nima Etminan, Leitender Oberarzt der Neurochirurgischen Klinik der UMM und Erstautor der wissenschaftlichen Publikation.

Selbstverständlich lässt die parallele Entwicklung von Blutdruckabfall und Raucherprävalenz mit der Inzidenz für Subarachnoidalblutungen einen kausalen Zusammenhang lediglich vermuten. Einen Beleg dafür können die vorhandenen Daten nicht liefern, dafür wären quantitative Daten für diese Risikofaktoren auf Bevölkerungsbasis oder auf der Ebene individueller Patienten notwendig. Nichtsdestotrotz unterstützt die in der Studie gefundene Assoziation die präventiven Ansätze, die Risikofaktoren Bluthochdruck und Rauchen zu kontrollieren, um die Gefahr von aneurysmatischen Hirnblutungen zu reduzieren.

 

Auftreten von Aneurysmatischen Subarachnoidalblutungen weiter reduzieren

Parallel hierzu gehen die Autoren aktuell auch der wissenschaftlichen Frage nach, ob sich eine Senkung des Blutdrucks bei Patienten mit zufällig entdeckten Aneurysmen, welche nicht primär behandelt sondern mittels Bildgebung kontrolliert werden, günstig auf die Entwicklung der Aneurysmen auswirkt.

Die vorliegende Ergebnisse können tatsächlich dazu beitragen, das Risiko für aneurysmatische Subarachnoidalblutungen weiter zu reduzieren. Vor allem wenn sie in entsprechende Strategien der Primärprävention münden. Dazu müssen auch die regionalen Unterschiede der Inzidenz von aneurysmatischen Subarachnoidalblutungen sowie deren Verringerung genauer untersucht werden. Relevant sind auch die regionalen Unterschiede bei alters- und geschlechtsspezifischen Inzidenzen sowie deren Beziehung zu genaueren, quantitativen Daten zum Rauchverhalten.

Literatur:

Nima Etminan, Han-Sol Chang, Katharina Hackenberg, Nicolien K. de Rooij, Mervyn D.I. Vergouwen, Gabriel J.E. Rinkel, Ale Algra. Worldwide incidence of aneurysmal subarachnoid hemorrhage according to region, time period, blood pressure and smoking prevalence – a systematic review and meta-analysis. JAMA Neurology, published online January 19, 2019


Quelle: Neurochirurgische Klinik, Universitätsklinikum Mannheim
Medizinische Fakultät Mannheim, www.umm.de

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