Stuhlinkontinenz chirurgisch behandeln

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Stuhlinkontinenz durch bestehende Nervenschädigung und Verschlechterung der Funktionsleistung kann mit sakralen Nervenstimulation erfolgreich therapiert werden.

Die Stuhlinkontinenz stellt neben der massiven Einschränkung der Lebensqualität eine schwerwiegende Belastung für die Gesundheitsökonomie dar. Beispielsweise erfolgt in den USA jede 2. Aufnahme in ein Pflegeheim auf Basis von Inkontinenz-Problemen. Insgesamt kosten notwendige Begleitmaßnahmen dort etwa 400 Mil­lionen Dollar pro Jahr. Schließlich können konservative Verfahren – insbesondere das Biofeedback, dem Training des Beckenbodens – meist keine bleibende Verbesserung der Stuhlinkontinenz-Beschwerden erreichen.

Ebenso ergeben Beobachtungen der Langzeitergebnisse der konventionellen chirurgischen Verfahren der Schließmuskel-Reparation (Schließmuskel- oder Beckenbodenraffung) relativ enttäuschende Ergebnisse (ca 30% Langzeitverbesserung). Trotzdem werden sie derzeit noch bei einfachem Schließmuskel-Defekt (z.B. nach geburtshilflichen Verletzungen) als einfache und komplikationsarme Optionen zur Anwendung gebracht.

Eine Hauptursache für die eintauschenden Langzeitergebnisse der konventionellen auf die anatomisch gerechte Wiederherstellung des Beckenbodens bzw. Schließmuskel orien­tierten Verfahren scheint durch eine meist parallel bestehende Nervenschädigung im Bereich des N.pudendus bedingt zu sein, wodurch es über die Zeit zu einer Muskelatrophie im Versorgungsgebiet und damit zu einer Verschlechterung der Funktionsleistung kommt. Dieses Problem wird nun durch Anwendung der sakralen Nervenstimulation (SNS) erfolgreich entgegengewirkt.

 

Verbesserung der Stuhlinkontinenz durch sakrale Nervenstimulation

Durch Anwendung der sakralen Nervenstimulation (SNS) kann durch direkte Stimulation der Nervenwurzeln in den Foramina S2-S3 ein mögliches Ansprechen auf diese Therapie im Rahmen einer Testphase (2 bis 3 Wochen) mit externen Testelektroden evaluiert werden.

Wenn es dabei zu einer Verbesserung der Stuhlinkontinenz kommt, so kann ein Chirurg das gesamte System – Elektrode und Stimulationsgenerator – im Rahmen eines kurzen, etwa 40 Minuten dauernden Eingriffs (der sogar in Lokalanästhesie möglich ist) permanent implantieren.

Die Erfolgsrate dieser seit 1995 angewandten Methode bei Stuhlinkontinenz liegt bei jenen Patienten, die auf den Test positiv ansprechen, bei über 90%. Für jene Patienten, die auch auf diese Therapieform keine Verbesserung erreichen, bleiben schließlich Schließmuskel-Ersatzverfahren als weitere Möglichkeit zur Vermeidung einer bleibenden Inkontinenz zur Wahl.

Sowohl der Einsatz des elektrisch stimulierten M.gracilis (elektrodynamische Grazilis­plastik) wie auch die Implantation des künstlichen Sphinkters (soft anal band) können bei »Therapieversagern« oder Patienten mit massiven Schließmuskel-Verletzungen (z.B. Trauma, Querschnittlähmung) in bis zu 70% eine deutliche Verbesserung oder sogar komplette Kontinenz erreichen.

Literatur:

Thaha MA, Abukar AA, Thin NN, Ramsanahie A, Knowles CH. Sacral nerve stimulation for faecal incontinence and constipation in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2015 Aug 24;(8):CD004464. doi: 10.1002/14651858.CD004464.pub3.


Quelle: Chirurgische Therapie von »Volksleiden«. Univ.-Prof. Dr. Harald Rosen. Stuhlinkontinenz, Chirurgische Therapie des GERD, Adipositaschirurgie. MEDMIX 12/2005, S9 und 10.

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Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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